Alfelder Kirwa

Ehrenrunde unterm Buschn

Houterer Michael Kellermann (Mitte) und sein Moidl Vanessa Diehm mit dem Buschnmacher Andreas Bauer. | Foto: K. Rösel2018/08/DSC_0693.jpeg

ALFELD – Seit 212 Jahren ist der Ort Alfeld wiedervereinigt und feiert dies jedes Jahr zur Kirwa mit einem einmaligen Kirwabrauch. Dabei wurde in diesem Jahr Michael Kellermann zum Houterer gekürt. Der goldene Buschn als besonderes Symbol der Wiedervereinigung gehört nun seinem Moidl Vanessa Diehm.

Wenn andernorts bereits Nachkirwa gefeiert wird, dann machen sich die Alfelder erst auf zu ihrem Haupttag der Kirwa. Hier ist der Brauch mit keiner anderen Kirchweih zu vergleichen. Es beginnt schon am Samstag, wenn traditionell aus zwei Bäumen ein ganz besonderer Kirwabaum zusammengesetzt wird. Einmalig ist auch das Aufziehen des Buschn in der Nacht zu Sonntag. Der Sonntag verläuft dann im Vergleich zu umliegenden Ortschaften relativ ruhig – das Baumaustanzen steht in Alfeld ja erst am Montag an.

Schon sehr zeitig machen sich die ersten auf zum Frühschoppen mit den „Alfelder Musikanten“ im Gasthof Berghof. Bis in den Nachmittag hinein wird hier sehr viel getanzt und die typischen Alfelder Kirwalieder gesungen. In dieser Zeit werden bereits zwei Kirwaboum für ihre spätere Aufgabe als Eilwagenfahrer hergerichtet – einer von ihnen wird als Frau verkleidet, der andere als Mann. Dazu werden sie von Kopf bis Fuß mit Ruß geschwärzt.In diesem Jahr schlüpfte Niklas Blöchinger in die Rolle des Mannes, die Frau an seiner Seite ist Nico Dörfler.

Mit dem „Eigmachten“ bedankten sich die Kirwaburschen beim Zug durchs Dorf bei der Musik . | Foto: K. Rösel2018/08/DSC_0178.jpeg

Als sich gegen 16 Uhr ein nicht enden wollender Zug Richtung Ortsmitte aufmacht, nehmen die beiden auf dem schräg an einem Holzstamm befestigten Wagenrad Platz. Wenn Schlepperfahrer Markus Meyer losfährt, dreht sich das Rad, und die Rouserer haben es nicht leicht, sich festzuhalten. Auf dem blumengeschmückten Anhänger des Schleppers sitzen die Alfelder Musikanten, die auch zum Baumaustanzen aufspielen.

Auf dem Weg ins Dorf wird an einigen Stellen angehalten. Dann spielt die Musik immer einen „Eigmachten“, bei dem die Kirwaboum sofort zusammenstürmen und eine Art Verbeugung vor der Musik darbringen. Im Anschluss daran wird stets eine Runde getanzt, bevor sich der Zug wieder in Bewegung setzt. Am Kirwabaum in der Ortsmitte wird eine kurze Runde gedreht, bevor am Gasthaus „Scharfes Eck“ dann vorerst Endstation ist. Die Kirwaboum und ihre Moidla machen sich schnell auf nach Hause zum Umziehen.

Weste als Erkennungssymbol

Nur wenig später treffen sich die Paare wieder am Scharfen Eck, die Boum in schwarzer Hose und weißem Hemd, die Moidl in ihrem Dirndl. Nun wird an die Boum eine ärmellose schwarze Weste ausgeteilt, die auf dem Rücken eine Nummer gemalt hat. Dazu ist für jeden noch ein Symbol für Beruf oder besonderes Hobby skizziert. Die Nummern sind fortlaufend von eins bis 37. Daneben gibt es noch eine Doppelnull und einen „Plotzknecht“. Insgesamt sind es so 39 Kirwapaare, die sich etwas verspätet in Richtung Marktplatz aufmachen.

Plotzknecht Matthias Kohl hat eine besondere Aufgabe: Während des Baumaustanzens läuft er in entgegengesetzter Richtung um den Baum und füllt aus seiner Bierstieze die leeren Maßkrüge der Kirwaboum nach. Sein Moidl ist dabei bei ihm eingehakt und muss in diesem Jahr auf das Tanzen verzichten.
Der Alfelder Marktplatz ist mit Zuschauern dicht bevölkert, die einige Sing- und Tanzrunden der Kirwapaare beobachten können. Bei den typischen Alfelder Kirwaliedern singen auch die umstehenden „Alten“ gerne mit. Während der Runden wird das 240 Meter lange Buschseil am Schneiderberg und am Kegelberg stets etwas gelockert, und so tanzt der goldene Buschn über den Köpfen mit. Dabei senkt sich das Fichtenbäumchen, das in einem zylinderförmigen, außen vergoldeten Behälter befestigt ist, immer mehr herab.

Schuss kürt Houterer

Als Kirwakapo Maximilian Buchler den Arm hebt, ertönt auf Kommando ein Schuss und kürt damit Michael Kellermann zum Houterer 2018. Die restlichen Kirwaboum stürzen sich auf ihn, um ihm den bisher vom Plotzknecht verwalteten Hut auf den Kopf zu hauen. In der Zwischenzeit wird der Buschn vom Seil abgeschnitten und „Macher“ Andreas Bauer schnappt sich das Symbol. Nach einem erneuten Dank an die Musik mit einem Eigmachten geht es zur Ehrenrunde. Michael Kellermann und sein Moidl Vanessa Diehm drehen unter dem goldenen Buschn ihre Runde um den Baum.

Nach dem Baumaustanzen macht sich die Kirwagesellschaft erst einmal auf zur „Säge“ – zum Anwesen von Michaels Eltern, wo ein Umtrunk auf sie wartet. Am Dienstag stand dann für die Boum und Moidla die Nachkirwa an, die traditionell der Houterer ausrichten muss. Damit endete die Feier zur 212-jährigen Wiedervereinigung von Alfeld.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner