Kirchenvorstandswahlen in Bayern am Sonntag

Zwischen Verwaltung und Verkündigung

Jutta Schmitt und Johannes Höcht in der Johanniskirche. Beide engagieren sich seit vielen Jahren im Laufer Kirchenvorstand, der am Sonntag neu gewählt wird. | Foto: Buchner-Freiberger2018/10/kirchenvorstandswahlen-schmitt-jutta-hocht-johannes.jpg

LAUF — Nach der Wahl ist vor der Wahl: Die Landtags- und Bezirks­tagswahl ist noch keine Woche her, da sind am morgigen Sonntag evangelische Christen in ganz Bayern aufgerufen, über die Zusammensetzung des Kirchenvorstands in ihrer Gemeinde abzustimmen. Doch was macht dieses kirchliche Gremium überhaupt? Die PZ hat sich mit Johannes Höcht und Jutta Schmitt unterhalten, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Lauf engagieren.

Ohne den Kirchenvorstand geht in einer Gemeinde (fast) gar nichts. Personalentscheidungen, finanzielle Fragen, Bauprojekte oder die Diskussion über neue Gottesdienstzeiten oder -formen … das Gremium muss zu allen Themen rund um die Kirchengemeinde gehört werden. „Es gibt nur ganz wenige Dinge, die ausschließlich im Hoheitsbereich des Pfarrers liegen“, erklärt Johannes Höcht, der nach 36 Jahren im Laufer Kirchenvorstand am Sonntag nicht mehr zur Wahl antritt. Neben diesen Verwaltungsaufgaben haben die Mitglieder einen weiteren, ganz wichtigen Auftrag: das Evangelium, die Botschaft von Jesus Christus, unter die Leute zu bringen.

Zehn gewählte Mitglieder hat der Laufer Kirchenvorstand, dazu kommen drei „berufene“ (siehe auch Erklärungen im Kasten links) und – kraft Amtes – die vier Pfarrer. „Berufen“ bedeutet, dass die Mitglieder weitere Kandidaten in das Gremium holen können, zum Beispiel, um zusätzlichen Sachverstand oder mehr Ausgewogenheit zu sichern. Möglichst heterogen sollte schon die Wahlliste sein, wie Höcht und ­Schmitt erläutern. Männer und Frauen sollten gleichstark vertreten sein und aus allen vier Pfarrsprengeln kommen. In Lauf stehen am Sonntag 20 Kandidaten zur Wahl.

Im Gegensatz zu ganz früher, wo man vor allem überlegte, welche Honoratioren aus dem Ort denn aufgestellt werden könnten, gilt heute für alle Kandidaten: Sie müssen sich vorher bereits im kirchlichen Leben engagiert haben. „Wir fragen uns schon, wer kann kompetent mitreden“, stellt Johannes Höcht klar. „Denn notfalls müssen wir Kirchenvorsteher gegenüber der Gemeinde und der Landeskirche in München die Verantwortung tragen.“ So geschehen in Lauf, als beim Neubau des Kotzenhofer Gemeindezentrums Sankt Jakob die Kosten aus dem Ruder liefen. „Es ist nicht leicht, Kandidaten zu finden, die bereit sind sich gleich für sechs Jahre zu verpflichten“, sagt Jutta Schmitt. Die 61-Jährige gehört seit 18 Jahren dem Kirchenvorstand an. Besonders jüngere Leute hätten oft andere Prioritäten.

In Lauf waren es in den letzten Jahren vor allem Bauangelegenheiten, mit denen sich der Kirchenvorstand befassen musste: das Gemeindezentrum Kotzenhof, der Salvatorfriedhof oder zuletzt der Kindergarten in der Luitpoldstraße. „Das sind Themen, die viel Kraft kosten“, räumt Johannes Höcht ein. Statt mit Gebäudebau würden sich der 68-Jährige und seine Mitstreiter viel lieber mit „Gemeindebau“ beschäftigen, also mit der Frage, wie man die Menschen am besten erreicht. Einmal im Monat tagt der Kirchenvorstand in Lauf, hinzu kommen Sitzungen der – je nach Themenlage – fünf bis zehn verschiedenen Ausschüsse. Außerdem bringen sich die Mitglieder beim Gottesdienst ein, übernehmen zum Beispiel Lektoren- und Mesnerdienste, und wirken teilweise in überregionalen Gremien wie der Dekanatssynode mit.

Trotz dieser zeitlichen Belastung hat für Johannes Höcht und Jutta Schmitt ihr Ehrenamt viel Positives. „Den Menschen ein Stück weit zu dienen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihnen Lust aufs Evangelium zu machen, das finde ich toll“, findet Höcht. Aber ist Letzteres heutzutage nicht ein mühsames Unterfangen?

„Im persönlichen Kontakt erlebe ich die Leute meistens sehr offen“, hat Höcht beobachtet, auch wenn jeder einzelne Kirchenaustritt natürlich schade sei. Neben dieser Nähe zu den Menschen gefällt es Jutta Schmitt vor allem, an der Entwicklung der Gemeinde mitwirken zu können, Ideen kontinuierlich zu verfolgen und umzusetzen.

Höcht und Schmitt sind nicht nur „normale“ Kirchenvorsteher, sondern zusätzlich „Vertrauensmann“ beziehungsweise stellvertretende „Vertrauensfrau“. Was das bedeutet, impliziert schon der Name. „Wir führen auch vertrauliche Einzelgespräche mit den Pfarrern oder den anderen hauptamtlichen Mitarbeitern, wenn es um Dinge geht, die nicht gleich in die große Runde gehören.“ An der Laufer Kirchengemeinde schätzen sie speziell das kollegiale Miteinander und die vielfältigen Gottesdienst-Profile. Dass die meisten Pfarrer hier so lange bleiben, spreche für sich. Für die Wahl am Sonntag wünschen sich Höcht und Schmitt eine hohe Wahlbeteiligung. Mit der Landtagswahl kann diese freilich nicht konkurrieren: Vor sechs Jahren gingen in Lauf rund 20 Prozent der Gemeindemitglieder an die Urnen.

Zum Thema

Wählen dürfen alle Mitglieder einer evangelischen Kirchengemeinde, die mindestens seit drei Monaten dort wohnen, am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben und konfirmiert sind oder das 16. Lebensjahr vollendet haben. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Die Größe des Kirchenvorstands hängt von der Größe der Kirchengemeinde ab und beträgt zwischen sechs und 15 ehrenamtlichen Mitgliedern (gewählte und berufene). Ergänzt wird das Gremium durch den oder die Pfarrer der Gemeinde.

Alle Wahlberechtigten erhalten per Post ihre Wahlunterlagen. Darauf ist das Wahllokal und die Öffnungszeit vermerkt. Die Stimmen können per Briefwahl oder direkt im Wahllokal abgegeben werden. In Lauf sind zum Beispiel fünf Wahllokale in der Kernstadt und zusätzlich eines in Güntersbühl eingerichtet.

Es dürfen so viele Stimmen vergeben werden, wie Kirchenvorsteher zu wählen sind, in Lauf beispielsweise wären das zehn. Anders als auf politischer Ebene gibt es keine Häufelung der Stimmen und auch keine Listenwahl. Pro Kandidat kann nur eine Stimme abgegeben werden.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger