Wandertipp

Zu steinernen Zeugen im unteren Pegnitztal

Malerisch zeigen sich das Schlosstor in Malmsbach. | Foto: A. Geng2019/06/P1020838.jpeg

RÜCKERSDORF – Diese sehr interessante und lehrreiche Wanderung auf festen und natur belassenen Wiesenwegen und Waldpfaden führt geruhsam durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit malerischen Zeugnissen des frühen Industriezeitalters. Es ist kein Rundweg.

Start: Bhf. Rückersdorf – Ziel: Bhf. Nbg.-Erlenstegen – Weg und Zeit: 10 km, ca. 3 Std. – Bahnverbindung: R 3 Nürnberg-Hersbruck rechts-Bayreuth – Einkehrmöglichkeit: in Rückersdorf, Behringersdorf, Malmsbach und Erlenstegen.

Vom Rückersdorfer Bahnhof gehen wir die Straße abwärts, kreuzen vorsichtig die B 14 und biegen am Friedhof rechts in den Mühlweg. In der Straßenbiegung, bei der Gärtnerei, kommen die Markierungen Gelbstrich und roter böhmischer Löwe (Goldene-Straße-Weg) von Lauf her.

Mit diesen Zeichen folgen wir dem Pegnitztalweg rechts hinaus in die Felder. Links drüben über die Baumwipfel ragen die Türme der Stadt Röthenbach. Nach etwa 1000 Metern überqueren wir den von Bäumen und Sträuchern gesäumten, aus dem Behringersdorfer Forst kommenden „Seelbach“. Danach halten wir uns rechts und kommen zum Wald, wo wir auch unsere Zeichen wieder finden.

Am Waldrand geht es kurz aufwärts, dann links und mit dem nächsten Fahrweg rund 60 Meter in den Wald. Dann geht es wieder links abwärts und an der Waldspitze folgen wir rechts dem Trampelpfad durch die Wiese zur Pegnitz, die hier eine kleine Schleife macht.

Auf freier Flur

Kurz folgen wir dem Pfad oberhalb der Pegnitz, bis diese dem Burgsandstein nach Links ausweichen muss. Danach verlassen wir bald den Wald, gehen hinaus und an der Wegetafel rechts durch freie Flur auf Behringersdorf zu.

Dort müssen wir links, dann rechts durch die Pferdekoppeln in das Wohngebiet leicht aufwärts und ohne merkliche Richtungsänderung durch die Straße „Am Weinberg“ zur Schwaiger Straße. Dann verlässt uns der „Goldene-Straße-Weg“ und wir folgen der „Schwaiger Straße“ abwärts zur Kirche mit der Infotafel.

Das am Sebalder Reichswald gelegene Straßendorf Behringersdorf wird 1319 erstmals erwähnt. 1439 ließ der Nürnberger Patrizier Erhard Schürstab hier eine Kapelle, die heutige Kirche, neben seinem Herrensitz errichten. 1578 übernahm Christian Wilhelm Tucher das Anwesen und ließ es sanieren. Das heutige repräsentative Tucher`sche Barockschloss ist erst nach 1717 errichtet worden.

Hinter der Kirche versteckt sich das ursprüngliche Schloss. Danach können wir in den ehemaligen Gutshof mit dem großen Herrenhaus schauen.
Mit Gelbstrich gehen wir an der Kirche vorbei abwärts, biegen am Schlosshof links ab und gehen rechts neben der 1991 sanierten Tucher-Mauer in Richtung Schwaig zum Ortsende. Vor der Pegnitzbrücke folgen wir rechts dem mit Gelbstrich markierten Kiesweg durch die Wiesen neben den Pegnitzmäandern.

Die Verkehrsgeräusche der nahen Autobahn werden immer lauter und bald stoßen wir an einen geteerten Querweg, mit dem wir links über den Pegnitzsteg gehen. Rechts in einiger Entfernung überquert die A 3 das breite Tal und links fällt unser Blick auf das historische Eingangstor des ehemaligen Malmsbacher Schlösschens. Dorthin kommen wir, wenn wir nach dem Stadel mit den sandsteinernen Stützpfeilern links herum gehen.

Es war das Schlösschen der von Hohenlohe Brauneck, kam an die Nürnberger Burggrafen und wurde im Markgrafenkrieg 1449 zerstört. Nach dem Wiederaufbau gehörte es nacheinander mehreren Nürnberger Patrizierfamilien. 1835 wurde es abgetragen und heute lehnen sich kleinere Privathäuser von Innen an die alte Wehrmauer.

Unter dem Wagenstrom

Am schönen historischen „Falkhof“ (Infotafel) vorbei kommen wir zum Brunnen nahe des Gasthauses. Dort geht es rechts in die Bienengartenstraße und mit dem Hammerweg unter der Autobahn durch. Dann überqueren wir den Schneidersbach und folgen rechts dem Wiesenpfad, am Leitungsmast vorbei zur von Bäumen und Sträuchern gesäumten Pegnitz.

Dort gehen wir wieder links und folgen bald, unterhalb der Laufamholzstraße, dem asphaltierten Radweg bis zum historischen Fabrikgut Hammer.

Diese Industriesiedlung ist eine der bedeutendsten und zugleich schönsten Anlagen ihrer Art in Europa. In der 1492 erstmals erwähnten, ersten Messing produzierenden Firma Deutschlands wurden auch extrem dünne Messingfolien hergestellt, die den indischen Tempeln zum Goldglanz verhalfen. Neben den Fabrikgebäuden und dem Herrenhaus gab es hier eine Schule, ein Wirtshaus, an das noch der Aushänger erinnert, Stallungen, ein Kutscherhaus und Wohnungen für insgesamt dreißig Arbeiterfamilien. Das zweigeschossige „Uhrenhaus“, ein ehemaliges Sechs-Familien-Wohnhaus, beherbergt heute die interessante Ausstellung „Leben und arbeiten in Hammer“ und zeigt auch eine damalige Arbeiterwohnung mit Küche, Wohn-, Schlafraum, Vorratskammer und Plumpsklo. Dieses industrie- und sozialgeschichtliche Kleinod wurde 1977 von der Ewag, der heutigen N-Energie, erworben, die hier noch ein Flusskraftwerk betreibt.

Am ehemaligen Wohn-, Büro- und Verwaltungsgebäude und der Gasthausruine vorbei, kommen wir zum Obelisk, der – 1709 im Volkamerschen Hesperidengarten errichtet – seit 1881 hier steht. Dann kommen wir zum malerischen Uhren- und dem einstigen Kutscherhaus.

Durch das Tor verlassen wir das schöne Häuserensemble und gehen draußen rechts abwärts und am Hammerwerk vorbei zur Pegnitz. Dann folgen wir wieder dem Radweg links an der Pegnitz weiter. In großer Schleife umgehen wir die Wiese und kommen bald durch zwei Sandsteinpfeiler in ein Waldstück mit historischem Waldbestand. Nach der Radwegeinmündung sehen wir links den Eingang der Oberbürg mit Infotafel.

Flieger mit Bomben

Dieser einstige Stammsitz der „Lauffnholzer“ wurde um 1700 zum prachtvollen Wasserschloss, wie auf der farbigen Tafel zu sehen ist. Seit einem Fliegerangriff 1943 ist es eine Ruine.

Hier verlassen wir unsere Markierung und gehen durch das Torhaus in den Innenhof mit den Resten der ehemaligen Stallungen und Gesindehäuser. Auf der Insel, links hinter dem Gebüsch, am Sperrzaun vor dem Wassergraben, versteckt sich das, was vom ehemaligen Hauptgebäude übrig blieb.

Am von Rundtürmen flankierten Südtor verlassen wir die ummauerte Anlage und gehen mit Blaupunkt (führt auch nach Erlenstegen) rechts um den runden Eckturm zurück in den Wald. Nach dem zweiten Rundturm geht es wieder rechts zum Haupteingang und dann folgen wir wieder dem mit Gelbstrich markierten Pegnitztalweg.

Auf dem bald asphaltierten Weg nehmen wir bei der Gabelung den rechten Weg und kommen über den Pegnitzsteg und am Wasserwerk der N-Ergie vorbei hinauf zur B 14 am Ostrand von Erlenstegen. Dort geht es an der Wohnanlage „Kalbsgarten“ vorbei.

Dieses einst gern besuchte Ausflugslokal mit schönem Saalbau und großem Biergarten wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und 1969 geschlossen. Seit 1986 befindet sich hier die gleichnamige Wohnanlage. Die in Sandstein gehauene Kreuzigungsgruppe am Haupteingang erinnert daran, dass hier unter Karl IV. von 1346 bis 1376 die böhmische Grenze verlief. Das Gebiet von hier bis zur heutigen Tschechischen Republik war 30 Jahre „Neuböhmen“ mit der Hauptstadt Sulzbach.

Jetzt gehen wir abwärts und vor der Bahnunterführung links zum Bahnhof Erlenstegen.

N-Land Albert Geng
Albert Geng