Zu Besuch im Fundamt

Wo Verlorenes auf seine Besitzer wartet

Jörg Richter vom Röthenbacher Fundbüro zeigt die Klassiker: Schlüssel und Handys werden oft verloren. | Foto: Haase2019/10/Fundburo-Roba-Jorg-Richter.jpg

RÖTHENBACH/LAUF/SCHWAIG — Im Fundbüro, da landet alles, auch mal ein Blindenstock oder eine Paintball-Ausrüstung. Viele verlorene Gegenstände warten in den Fundämtern in Röthenbach, Lauf und Schwaig derzeit auf ihre rechtmäßigen Besitzer.

Im Röthenbacher Rathaus hat Jörg Richter ein wachsames Auge auf alles, was abgegeben und abgeholt wird. Seit seiner Ausbildung arbeitet der 39-jährige Verwaltungsfachangestellte bei der Stadt. 65 Fundsachen, darunter Schlüssel, Geldbörsen, Kopfhörer, Brillen und Smartphones lagern im Bürgerbüro. 28 Fundfahrräder sind in einer Garage untergebracht. Die Klassiker unter den verlorenen Gegenständen sind ganz klar Schlüsselbunde und Geldbörsen. Die werden meist samt Karten und Ausweisen abgegeben, jedoch fehlt in vielen Fällen das Geld.

Das Gesetz schreibt die Abgabe vor

Alles, was mehr als zehn Euro wert ist, muss bei der zuständigen Behörde, also der Gemeinde oder auch bei der Polizei, abgegeben werden. So schreibt es das deutsche Fundrecht vor. Sechs Monate müssen es die Behörden dann aufbewahren. Danach darf der Finder das Eigentum an der Sache beanspruchen. Das heißt: Wer etwas beim Fundbüro abgibt, darf es behalten, wenn es ein halbes Jahr lang nicht abgeholt wurde. Das passiere zum Beispiel regelmäßig bei Fahrrädern die noch gut in Schuss sind, erklärt Richter.

Neben den bereits erwähnten Klassikern wird manchmal auch Ungewöhnliches im Fundbüro abgegeben. Komplette Taschen mit Unterwäsche und Klamotten, einen Blindenstock und einen Kinderwagen hat Paula Schertl in ihrem Fundus in Lauf. Die 20-Jährige und ihre Kollegin haben im Laufer Fundbüro in diesem Jahr schon 237 Fundsachen entgegengenommen.

Auch in Röthenbach rätselt Jörg Richter über manchen Fund: „Wir haben noch eine Tasche da vom Birkensee mit nagelneuen Schuhen und einer kompletten Paintball-Ausrüstung. Die wurde von der Polizei überprüft. Es hätte ja sein können, dass diese Sachen mit einer Straftat in Verbindung stehen“, erklärt der 39-Jährige.

Herbert Ermer arbeitet seit 16 Jahren im Schwaiger Fundbüro. Erst elf Gegenstände hat Ermer 2019 entgegengenommen – darunter einen Ehering. Der wurde auch schon abgeholt. „Ins Blaue hinein wird nichts ausgehändigt. Ich lasse mir die Gegenstände genau beschreiben und erfrage Dinge, die nur die Besitzer wissen können“, erklärt er. Im Fall des Eherings war die Sache eindeutig: Das eingravierte Hochzeitsdatum und die Initialen stimmten mit den Angaben des Abholers überein.

In Röthenbach ist Jörg Richter bei der Ausgabe von Smartphones
streng: „Ein Smartphone gibt es nur gegen Vorlage der Rechnung,
der SIM-Karten-Nummer oder zumindest der passenden Verpackung.“
Dadurch lässt sich nicht nur der Besitzer feststellen, sondern auch ein anderes Problem umgehen. Viele Menschen können verlorene Gegenstände nicht beschreiben. Bei Fahrrädern erinnern sie sich oft weder an die Farbe noch an die Marke, so Richter.

Möchte ein Finder ein Handy behalten, ist Vorsicht geboten, mahnt Richter: „Er darf zwar nach dem halben Jahr das gefundene Telefon behalten, nicht aber das geistige Eigentum auf dem Gerät.“ Damit meint der 39-Jährige zum Beispiel private Fotos oder WhatsApp-Nachrichten. Diese Daten werden auf Kosten des Finders erst vom Telefon gelöscht.

Versteigerung in Lauf

Was nach Ablauf der Frist niemand will, wird an soziale Einrichtungen übergeben. Schüler können zum Beispiel die Fundräder in einem Kurs flott machen. Bei der Stadt Lauf kommen Fundsachen bei einer Versteigerung unter den Hammer. Nur Schlüssel oder andere persönliche Gegenstände werden vernichtet.

Auch Tiere gelten als Fundsachen. In Röthenbach sind derzeit fünf Katzenbabys und eine Katze im Fundbuch verzeichnet. Sie sind zwar alle im Tierheim untergebracht, aber die Stadt muss den ersten Monat für Futter und Unterbringung aufkommen.

In seinen 24 Jahren bei der Stadt Röthenbach hat Jörg Richter einiges erlebt. „Manchmal sind nicht die Fundsachen ungewöhnlich, sondern auch die Fundorte etwas unschön“, erzählt er mit einem Schmunzeln. So brachte ihm einmal ein Bauhofmitarbeiter eine Uhr. Die hatte er beim Entleeren im Inneren einer Dixi-Toilette gefunden und gereinigt.

Auch Kriminalität macht vor den Fundbüros nicht Halt. Vor ein paar Jahren trieb eine Bande ihr Unwesen in Lauf und Röthenbach, erinnert sich Richter. Sie gab vor, einen scheinbar wertvollen Goldring gefunden zu haben und bat arglose Passanten, den eigentlich aus billigem Metall bestehenden Ring zum Fundbüro zu bringen – denn dann könne der Finder den Ring ja vielleicht behalten. Im Austausch für den Ring baten sie allerdings um Geld. Nachdem sich solche Fälle häuften, informierte das Fundbüro die Polizei.

Facebook ersetzt oft das Amt

Ein zentrales Fundsachenregister bietet inzwischen online die Möglichkeit, nach einem verlorenen Gegenstand zu suchen, doch nicht alle Städte und Gemeinden tragen ihre Fundsachen dort ein. Kommunen, die teilnehmen, haben das Register auf ihren Websites eingebunden. Längst werden auch Facebook und andere soziale Medien genutzt, um Gefundenes wieder dem Besitzer zu übergeben.

Das funktioniert allerdings nur, solange beide Seiten ehrlich sind. Sicherer und eigentlich auch rechtlich vorgeschrieben ist aber nach wie vor die Abgabe beim Fundamt.

Den Podcast dazu gibt es hier bei uns

Rebecca Haase

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung