Um das Denkmal im Wald bei Ungelstetten ranken sich zahlreiche Geschichten.

Marterl markiert schaurigen Ort

Harald Hesse (rechts) initiierte die neuerliche Renovierung des Denkmals. Mit Johannes Wurm, dem Leiter des Forstbetriebs Nürnberg (links) traf er sich gestern am Roten Marterl, um sich ein Bild von der fertigen Sanierung zu machen. Die eingeschnitzte Jahreszahl 1873 erinnert an eine frühere Arbeit an der Säule. Foto: privat | Foto: Hesse2020/09/Ungelstetten-marterl-scaled.jpg

UNGELSTETTEN. Um das Rote Marterl von Ungelstetten ranken sich zahlreiche Legenden. Es ist eins der versteckten Denkmäler in den hiesigen Wäldern, die ungelöste Geheimnisse bergen. Zum Verfallen und Verschwinden also viel zu schade. Dieser Überzeugung ist Fotomeister Harald Hesse, der das Marterl nun zum zweiten Mal innerhalb von 30 Jahren renovieren lässt und damit eine Familientradition fortsetzt.

Artikel aus dem Jahr 1938

Harald Hesse stieß im Jahr 1999 bei der Lektüre einer Zeitung aus dem Jahr 1938 auf einen Beitrag über das Denkmal. Der Artikel aus der Nürnberger Zeitung berichtet von seinem Großvater Hermann Hesse, der damals die Holzsäule hatte wieder errichten lassen, weil das Denkmal seinerzeit in einem sehr schlechten Zustand und eingefallen war. Ein Sturm hatte die Holzsäule gefällt, Holzsammler trugen kurz darauf die Reste weg, sodass nur noch ein Stumpf übrig war. Zimmermeister Heinrich Eckstein aus Ungelstetten fertigte damals eine perfekte Kopie der zerstörten Säule an und bemalte sie mit Ochsenblut. Damit hatte die neue Säule wieder das charakteristische Rot, nach der das Original benannt war. Am Fuß des Denkmals vergrub man eine Flasche mit Hinweisen auf die Sanierung.

Hermann Hesse, der Initiator der Arbeit, war Mitglied des Vereins zur Erforschung der Steinkreuze. Er kam schon vor dem 1. Weltkrieg nach Nürnberg, wo er eine Fabrik für Grubenlampen und Fahrzeugbeleuchtungen gründete. In Ungelstetten hatte der Nürnberger Unternehmer ein Landhaus. Neben der Gaststätte Am Wiesengrund steht noch heute eine alte Eiche, die Hermann Hesse zu Lebzeiten unter Schutz stellen ließ. 1956 ist der Unternehmer verstorben.

Sein Enkel Harald Hesse macht sich 1999 auf die Suche nach dem Roten Marterl und findet es schließlich an der Gabelung zweier Waldwege bei Ungelstetten in der Nähe des Flurstücks „Kalter Brunnen“ im Reichswald. Die Säule ist zwar nicht wie zu Zeiten seines Großvaters zerstört, Witterung und Feuchtigkeit haben ihr aber stark zugesetzt. Deshalb nimmt Harald Hesse Kontakt mit dem Weißenbrunner Künstler Stefan Eckstein auf, einem kompetenten Holzbearbeiter, der das blutrote Marterl hervorragend instand setzt.

Jetzt sind wieder mehr als 30 Jahre ins Land gegangen, das Holz der 300 Jahre alten Eiche, die man seinerzeit für die Säule im Wald brauchte, ist im unteren Bereich angefault. Hesse beauftragt deshalb den Fürther Schreinermeister Wolfgang Heigemeier und den Holzbildhauer Stefan Schindler sowie die Bauflaschnerei Lottes aus Altenfurt mit der Sanierung. Gestern traf er sich mit Johannes Wurm, dem Chef des Forstbetriebs Nürnberg, am Marterl, um sich ein Bild von der Sanierungsarbeit zu machen.

Weil die Forstleute ein Interesse daran haben, dass Wanderer und Spaziergänger auf die Denkmäler im Wald aufmerksam werden, haben die Bayerischen Staatsforsten vor drei Jahren eine Infotafel am Roten Marterl aufgestellt. Ursprünglich soll das Marterl als Forstgrenzsäule gedient haben, so die Information. Es gibt darüber hinaus eine ganze Reihe von Berichten über Unfälle und Bluttaten in der Nähe des Marterls. Ein Metzger wurde hier ermordet, ein Knecht aus der Burgthanner Papiermühle von Unbekannten erschlagen, woraufhin Burgthanner noch über viele Jahre regelmäßig Blumenkränze an die Holzsäule hängten.

Kinder begleiteten Leichenzug

Der Ludersheimer Wirt Hans Stark starb in der Nähe des Marterls beim Fällen einer Eiche. Der Tod ist also Teil der Geschichte der roten Säule. Wenn in Birnthon Menschen starben, brachte man die Toten zum Friedhof nach Altdorf. Birnthoner Schulkinder begleiteten den Leichenzug immer bis zum Roten Marterl und kehrten hier um.

Das Marterl erreicht man, wenn man von Ungelstetten dem Wanderweg Blaues Kreuz nach Westen folgt. Unter der Autobahn hindurch kommt man an einen Forstweg, der in den Wald hineinführt und nach kurzer Zeit bergan steigt.

An der Einmündung in einen weiteren Forstweg steht das hölzerne Denkmal.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren