Winkelhaider Bürger protestieren gegen Holzeinschlag

Lärmschutz ade?!

Sieht eher nach Holzernte aus, als nach Entfernen von käferbefallenem Holz, finden die Vertreter der BI. Im Vordergrund die Spuren des ungeliebten Harvesters, im Hintergrund in etwa 400 bis 500 Metern Entfernung die A3, deren Verkehrslärm bis dato halbwegs durch den Wald gedämmt wurde. | Foto: Spandler2018/11/Ungelstetten-Holzeinschlag2.jpg

UNGELSTETTEN – Der Winkelhaider Ortsteil Ungelstetten liegt einerseits verkehrsgünstig angebunden im Autobahndreieck A3 und A6, andererseits aber sehr exponiert, was Straßenlärm angeht. Umso wichtiger ist den Bewohnern des Ortes der Lärmschutz, bis vor kurzem vom Bannwald halbwegs garantiert, nun aber bedroht durch Holzeinschlag der Bayerischen Staatsforsten.

Daher hat sich eine „Bürgerinitiative zur Rettung des Bannwaldes“ (BI) gegründet, da nicht nur auf der Ostseite der Wohnbebauung Richtung A6 „intensive Waldbewirtschaftung“ (BI) betrieben wird, sondern seit ein paar Tagen auch Richtung Westen in unmittelbarer Nähe zur A3 der Wald mit seiner Lärmschutzfunktion kräftig ausgedünnt wird. Die Forstverwaltung sieht das naturgemäß anders: Die Sicherheit gefährdenden und durch die Trockenheit des vergangenen Sommers beschädigten Bäume müssten entfernt werden.

Walter Kolb, der Sprecher der BI (links) und Martin Dengler im Gespräch vor der nun eher dürftig vor Lärm geschützten Wohnbebauung Ungelstettens. | Foto: Spandler2018/11/Ungelstetten-Holzeinschlag1.jpg

Keine 500 Meter, schätzt Walter Kolb von der BI, beträgt der Abstand zwischen der Wohnbebauung und der A3 im Westen des Ortes, wo seit Tagen kräftig mit Harvestern Holz geerntet und gestapelt wird, Holz, das seiner Meinung nach und nach Ansicht weiterer Mitglieder der Interessengemeinschaft so richtig gesund aussieht.

Erhebliche Schäden

Im Raum steht der alte Vorwurf, hier geht es in erster Linie um wirtschaftlichen Gewinn, auf der Strecke bliebe die „notwendige Funktion des Bannwaldes zur Reduzierung von Lärm und Schadstoffemissionen“, so der Sprecher der BI, der in einem Appell an die Forstbehörde eindringlich darum bittet, die Arbeiten zu stoppen. Schließlich komme dem Pflanzenbewuchs wegen der zu 80 Prozent „vorherrschenden Westströmung“ in diesem Bereicht besondere Bedeutung zu.

Dem widerspricht Roland Blank, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten Nürnberg. Verschiedene Gründe hätten zu den Eingriffen im Wald geführt, von Holzernte im rein ökonomischen Sinn spricht der Chef der Behörde nicht. Zum einen wurden an der LAU 13, wo sie an den Ort grenzt, Verkehrssicherungsmaßnahmen nötig, weil sich Bäume gefährlich über die Straße neigten. Um diese Arbeiten durchzuführen, wurde die Straße zeitweilig gesperrt. „Das müssen wir von Zeit zu Zeit machen, wir sind hier in der Haftung“, versichert Blank.

Zwischen der Kreisstraße und dem Autobahnkreuz allerdings hätte man erhebliche Schäden an älteren Bäumen entdeckt, die der extremen Trockenheit im Sommer geschuldet sind. Einige seien bereits abgestorben, andere, Blank spricht von „Unmengen von Kiefern“, hätten sichtbare Zeichen von Schädigungen, die sich in auffälligen rötlich gefärbten Kronen darstellten. Als Sekundärschädling trete dort dann der blaue Kiefernprachtkäfer auf, der den Gewächsen den Rest gebe. „Wenn man die befallenen Kiefern nicht vor dem Frühjahr entfernt, dann sind sie in zwei bis drei Jahren weg“, weiß der Fachmann. Deshalb müsse man eingreifen, um den Restbestand zu retten.

Dazu komme noch der gefürchtete Borkenkäfer, der sich über die trockengeschädigten Fichten, vor allem zwischen A3 und dem Sportplatz hermacht. Hier habe man schon zahlreiche Stämme herausgenommen. Es gebe aber immer noch Käfernester, die entfernt werden müssten, damit sich der Schädling im Frühjahr nicht weiter vermehrt.

„Laubbäume wachsen besser“

Vor Ort unterstützt diese Aussagen auch Forstwirtschaftsmeister Martin Dengler, der für die Durchführung der Maßnahme verantwortlich ist. Er gibt zu bedenken, dass die Entnahme der Nadelbäume den untergepflanzten Laubbäumen mehr Platz, Luft und Licht verschafft, so dass diese sich besser entwickeln als sie es könnten, wenn die kaputten Kiefern und Fichten stehen blieben.

„Dann haben sie in etlichen Jahren ein viel besseren Lärmschutz als es jetzt der Fall war“, verspricht er. Möglicherweise müsse man auch im nächsten Frühling noch eine Maßnahme durchführen, stellt Roland Blank in Aussicht. Dann wolle man Bürgermeister Michael Schmidt, die Bevölkerung und die BI rechtzeitig informieren und zu einem Ortstermin einladen, denn die Bewohner sollen wissen, was im Wald passiert.

Genau dies sei aber aktuell nicht geschehen, kritisiert Walter Kolb, auch der Gemeindechef wurde erst von den Bürgern informiert. Plötzlich hätten die Arbeiten mit den großen Harvestern begonnen, sich die Stämme an den Ausfuhrstraßen gestapelt. Ein Versäumnis, das man in Zukunft wohl besser machen will.

Klimawandel Paroli bieten

Transparenz ist auch Dr. Steffen Taeger, dem Abteilungsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth, Außenstelle Hersbruck, sehr wichtig. Es ist für ihn selbstverständlich, dass die Vorwürfe der BI, es könne sich bei den Baumfällungen um einen waldgesetzlichen Verstoß handeln, geprüft werden, der zuständige Revierleiter werde sich das noch einmal ansehen.

Auch Taeger betont das hohe Risiko, dem gerade die hitzeempfindliche Kiefer in unseren Breiten ausgesetzt ist. Aus diesem Grund werden die Waldbesitzer von den Forstämtern unterstützt und beraten, wenn es darum geht, den Wald so umzubauen, dass er dem Klimawandel Paroli bieten kann, gesund bleibt und auch unter ökonomischen Gesichtspunkten nutzbar bleibt.

Roland Blank hat Verständnis für die Proteste. „Lärmschutz ist natürlich ein wichtiges Anliegen, aber wir müssen schauen, dass die Bestände gesund bleiben.“ Überließe man den Wald sich selbst, entstünden in geraumer Zeit kahle Stellen, weil dann auch der noch niedrige Laubbewuchs nicht überleben könnte. „Dann gäbe es noch weniger Lärmschutz“, ist er sich sicher. Ein schwacher Trost jedoch für die Mitglieder der BI, die die Grenze des Notwendigen bei der Durchforstung längst überschritten sieht.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler