Autor Alexander Pavel im Interview

Wie wandern mit Kindern Spaß macht

Wanderblogger Alexander Pavel aus Gersdorf, hier unterwegs am Moritzberg, hat ein Buch geschrieben: "Wandern in der sagenhaften Fränkischen Schweiz". | Foto: Sichelstiel2021/09/wandern-alexander-pavel-foto-sichelstiel-scaled.jpg

GERSDORF – Seit 2018 schreibt der Gersdorfer Alexander Pavel mit Frau Simone und Sohn Jonathan das Blog „Wandern mit Kindern in Franken“, das inzwischen eine große Fan-Community hat. Nun wird aus dem Blogger ein Buchautor: Am Samstag erscheint „Wandern in der sagenhaften Fränkischen Schweiz“ im Fahner Verlag.


Herr Pavel, sind Sie als Kind gerne mit Ihren Eltern wandern gegangen?
Tatsächlich verbinde ich in meiner Erinnerung damit nur wenige positive Aspekte … Ich war wohl das typische Kind, das nach ein paar Kilometern gefragt hat, ob es noch weit ist.


Und inzwischen geben Sie Wandertipps.
Ich habe das Wandern erst wieder für mich entdeckt. Wir haben vor acht Jahren unseren Sohn bekommen und festgestellt, dass man plötzlich raus in die Natur muss – anfangs noch mit dem Kinderwagen, dann waren es der Balkon, der Garten der Schwiegereltern oder der Spielplatz. Aber all das wurde uns zu klein. Wir haben uns daraufhin Bücher gekauft, Wandern mit Kindern, Wandern für Familien. Aber das war leider nicht wirklich spannend, zu viele Schotterwege. Bestimmt alles für den Buggy geeignet, aber keine richtigen Abenteuer.

Kinder finden Ruinen und Höhlen spannend


Und Kinder wollen beim Wandern Abenteuer erleben, richtig?
Zumindest unser Sohn und die Kinder, die ich kenne. Das fängt schon bei den Wegen an. Am besten gibt es da Wurzeln und Felsen, sodass man von einem Stein zum anderen kraxeln kann. Und wenn noch andere Highlights dazukommen, ein kleiner Wasserfall zum Beispiel, oder Burgruinen und Höhlen, wenn es mal ins Unterholz geht, dann fragen die Kinder irgendwann: Wann dürfen wir mal wieder mit zum Wandern kommen?


Wo sind Sie überall unterwegs?
Vorzugsweise in der Metropolregion Nürnberg und da in der Fränkischen Schweiz, aber auch in der Hersbrucker Schweiz und der Oberpfalz. Weil es aber langsam ein bisschen eng wird mit Sehenswürdigkeiten, die ich noch nicht in meinem Blog hatte, habe ich zuletzt das Altmühltal für mich entdeckt.


Wie kamen Sie denn überhaupt auf die Idee, andere an Ihren Wanderungen teilhaben zu lassen?
Ich wollte schon immer ein bisschen schreiben. Also habe ich mir gedacht: Genau da kann ich es tun, kann Familien das näherbringen, was uns so gut gefällt. Und als das Ganze richtig ins Rollen kam, mehr und mehr Leute auf uns aufmerksam wurden, hat es auch immer mehr Spaß gemacht. Ich lebe vom positiven Feedback – das Blog ist eine reine Non-Profit-Geschichte.


Wie wurde daraus ein Buch?
In den Nürnberger Nachrichten und in der Pegnitz-Zeitung ist ein Artikel über das Blog erschienen. Daraufhin hat mich Verleger Lambert Herrmann gefragt, ob ich denn nicht Lust hätte, ein Buch zu schreiben. Und aus dem reinen Wanderbuch für Familien mit Kindern, das ursprünglich mal geplant war, ist dann „Wandern in der sagenhaften Fränkischen Schweiz“ geworden, mit insgesamt 22 Touren für Groß und Klein.

„Sagen haben mich schon immer fasziniert“


Woher das Faible für Sagen?
Sagen haben mich schon immer fasziniert. Ich habe mir da inzwischen eine kleine Bibliothek angelegt, darunter Bücher, die gar nicht mehr verlegt werden. Das Tolle an der Fränkischen Schweiz ist ja, dass es dort viele Sagen gibt. Schließlich gibt es dort auch viele unheimliche, ungewöhnliche Orte – Burgen, Felsen und Höhlen. Mit Geschichten darüber haben sich die Menschen früher erklärt, wovor sie Angst hatten: wenn der Wind über die Ebenen rauscht, wenn das Gebälk in den Raunächten knarrt. Die spannendsten Sagen habe ich in das Buch aufgenommen.


Was ist denn der Ausgangspunkt beim Schreiben: Suchen Sie sich zuerst eine Sage und denken sich dann eine Tour dazu aus? Oder steht die Wanderung am Anfang?
Tatsächlich lese ich oft eine Sage und denke mir dann: Das ist ein toller Ort. Dann nehme ich meine Karten und schaue, ob es in der Gegend noch mehr Spannendes gibt, wie man also den Weg gestalten kann. Alle Touren in dem Buch sind Rundwege, es geht nicht einfach über Schotterwege zu einer Burg und dann wieder zurück zum Parkplatz.

Das Buch ist im Fahner-Verlag erschienen.2021/09/wanderbuch-cover-pavel.jpg


Wie Sie selbst sagen: Sagen sind ja oft gruselig. Eignen sie sich überhaupt für Kinder?
Ich glaube schon. Dass etwas für Kinder gruselig ist, denken wir uns ja schon, wenn irgendein Film im Fernsehen kommt. Aber die Kinder saugen eher als wir Erwachsenen die Atmosphäre auf, sie finden es total spannend, zu erfahren, wie zum Beispiel eine Burg entstanden sein könnte. Und: Wenn man doch mal einen Zwerg hinter einem Baum verschwinden sieht, kann man nachher einfach heimfahren, während der Zwerg in der Fränkischen Schweiz bleibt.


Sind die Geschichten ein Anreiz, kann man damit den Nachwuchs zum Wandern motivieren?
Ich habe es immer so gehalten, dass ich damit die Anfahrt überbrückt habe, ich also zum Beispiel eine Sage im Auto erzählt habe. Aber irgendwann habe ich entdeckt, dass man das ausdehnen kann. Die Voraussetzung ist natürlich, dass die Wanderung mithalten kann. Nicht dass sich eine riesige Erwartungshaltung aufbaut, die nicht erfüllt wird.


Wie alt sollten die Kinder denn sein?
Ich würde nicht mit unter Sechsjährigen losgehen. Die kürzeste Tour im Buch ist fünf, sechs Kilometer lang, da geht das schon.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren