Städtische Wohnungen in Röthenbach

Wie günstig kann die Stadt vermieten?

Eines der städtischen Gebäude in der Schulstraße – auch hier käme eine Sanierung fast an den Verkehrswert heran. | Foto: Sichelstiel2019/07/stadt-wohnungen-schulstrasse-roth.jpg

Röthenbach – In keinem anderen Ort im Nürnberger Land gibt es so viele Sozialwohnungen und keine andere Kommune hat so viele städtische Wohnungen wie Röthenbach. Die Politik ist stolz darauf, auch Geringverdienern oder Hartz-IV-Empfängern eine bezahlbare Bleibe bieten zu können. Wo andere Kommunen sich drückten, nehme man diesen sozialen Auftrag ernst, sagt Bürgermeister Klaus Hacker. Doch viele der 144 städtischen Wohnungen sind marode.

Röthenbach steht deshalb vor einer schwierigen Frage: Wie saniert man die Häuser, ohne die Mietpreise zum Teil drastisch anheben zu müssen – und das vor dem Hintergrund eines leeren Stadtsäckels (die Pegnitz-Zeitung berichtete)?

Insgesamt schätzt ein jetzt dem Stadtrat vorgestelltes Gutachten den Sanierungsaufwand auf rund 3,4 Millionen Euro. Bei einzelnen Immobilien käme selbst eine auf das Nötigste beschränkte Renovierung fast an den Verkehrswert heran. Beispiel Schlossgasse: Dort gehört der Kommune ein Haus, das noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Das Gutachten bewertet es mit rund 122 000 Euro. Die Sanierung ist mit 115 000 Euro angesetzt. Das lohnt sich wohl kaum, zumal bei einem Verkauf auf dem freien Markt eine noch höhere Summe als der Verkehrswert lockt.

Im Stadtrat spricht allerdings niemand von einem Verkauf. Im Gegenteil: „Es ist wichtig, dass in der Stadt für jeden Geldbeutel das Richtige vorhanden ist“, sagt Wolfgang Gottschalk (CSU). „Wir haben viele langjährige und alte Mieter, wir sollten mit ihnen vorsichtig umgehen“, so Ullrike Knoch (SPD). Bürgermeister Hacker sieht in den städtischen Wohnungen schließlich ein wichtiges Instrument, um auf den Mietenspiegel Einfluss zu nehmen. Dort zahlt man mitunter sogar nur zwei Euro pro Quadratmeter. Dass der Standard recht einfach ist, dass es in manchen Wohnungen noch Holzöfen als Heizung gibt, scheinen die Mieter dafür in Kauf zu nehmen. Verwahrlost, das attestiert auch das Gutachten, sind die kommunalen Immobilien trotz ihres hohen Alters jedenfalls nicht. Nur ihre Substanz bröckelt.

Die Stadt will Generalsanierungen möglichst vermeiden, sie will die Preise nicht zu stark anheben. Aber sie fühlt sich auch alleingelassen: Trotz aller Bekenntnisse zum sozialen Wohnungsbau gibt es nach Auskunft der Stadtverwaltung staatliche Zuschüsse nur aus dem Topf der Städtebauförderung und auch nur für solche Häuser, die innerhalb eines sogenannten Sanierungsgebiets liegen, also etwa an der Rückersdorfer Straße. Eine Lösung hat bisher keine der Fraktionen.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel