Sorge um zu kalte Winter

Wie geht es unseren daheimgebliebenen Störchen im Winter?

Weißstörche kommen mittlerweile gut mit den winterlichen Verhältnissen in unseren Breiten klar. | Foto: Ralph Sturm, LBV2022/01/LBVSturmRalphStoerche.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Mit dem Winterlichen Wetter im Freistaat, erreichen den Landesbund für Vogelschutz (LBV) viele Anrufe von Menschen, die sich Sorgen machen, dass Schnee und Kälte den Weißstörchen schaden. Ob es wirklich Grund zur Sorge gibt und warum viele Störche den Winter mittlerweile in Bayern verbringen, erklärt der LBV.

Statt ein paar warme Monate unter der warmen, afrikanischen Sonne zu verbringen, entscheiden sich mittlerweile viele Störche in Bayern zu bleiben. Doch, ist es hier nicht zu kalt und ungemütlich für die Vögel?

„Die in Bayern überwinternden Störche finden genug Nahrung wie Mäuse und kleine Fische, kommen aber auch ein bis zwei Wochen gut mit wenig oder sogar ganz ohne Nahrung aus“, kann Oda Wieding, die LBV-Weißstorch-Expertin, entwarnen. „Außerdem sind die großen Vögel durch das Aufplustern ihres dicken Gefieders gut geschützt und haben ihre eigene Daunenjacke sozusagen immer dabei.“

Federn schützen

Zum Schutz vor der Kälte plustert sich der Weißstorch wie auch andere Vögel auf. Durch die aufgestellten Federn entstehen Luftpolster, die vor Kälte isolieren. Auch können Störche in einem Radius von bis zu 30 Kilometern umherstreifen und kennen dort alle möglichen Futterquellen. „Ähnlich wie die überwinternden Graureiher und seit einigen Jahren zunehmend einfliegenden Silberreiher stehen Weißstörche oft stundenlang regungslos auf Wiesen oder Feldern vor einem Mäuseloch, um ihre Nahrung zu erbeuten“, sagt Oda Wieding.

Snack vom Kompost

In offenen Wassergräben finden sie kleine Fische und auch auf Müllkippen sowie Kompostanlagen gibt es ein gutes Mäuseangebot. „Es besteht also kein Grund zur Sorge, wenn man Weißstörche mit ihren langen Beinen durch den Schnee stapfen sieht“, erklärt die Weißstorch-Expertin.

Seit einigen Jahrzehnten fliegen nicht mehr alle Weißstörche im Herbst nach Afrika, sondern bleiben zur Überwinterung in Bayern. Hauptursache hierfür sind die bis in die neunziger Jahre laufenden Wiederansiedlungsprojekte in der Schweiz, dem Elsass und in Südwestdeutschland. In diesen Gebieten wurden Störche bis zu ihrer Geschlechtsreife mit drei Jahren im Gehege gehalten, damit sie nicht auf dem Zug oder im Winterquartier umkommen und ihre Fortpflanzung gesichert ist.

„Ab der Jahrtausendwende tauchten immer mehr Störche mit Ringen aus der Schweiz oder dem Elsass in Südwestbayern im Winter auf. Diese Störche, die an eine bei uns mögliche Überwinterung gewöhnt wurden, haben sich dann auch mit anderen Weißstörchen verpaart und nach und nach dieses neue Überwinterungsverhalten an ihre Brutpartner weitergegeben“, erklärt Oda Wieding. Deshalb können mittlerweile rund 300 Weißstörche auch im Winter in Bayern beobachtet werden.

Späterer Aufbruch

Aber auch ohne direkte Einflussnahme des Menschen gibt es Verschiebungen und Verhaltensanpassungen an geänderte Bedingungen. Ein Großteil der sogenannten „Westzieher“, die auf ihrer Zugroute westlich das Mittelmeer umfliegen, überwintert seit den 80er Jahren zunehmend in Spanien oder am Rand des Mittelmeers, wie zum Beispiel im Rhône-Delta. „Um die südeuropäischen Überwinterungsgebiete zu erreichen, benötigen die Störche nur ein paar Tage Flugzeit. Deshalb brechen einige bayerische Störche im Spätsommer und Herbst immer später auf. So lernen manche wohl auch, sich erst bei sehr ungünstiger Witterung auf die ‚Winterflucht‘ zu machen“, sagt die LBV-Weißstorchexpertin.

Anders als die großen Vögel mit mehr Körpervolumen, wie Störche und Reiher, brauchen unsere kleinen Singvögel jeden Tag Futter. Wer eine Futterstelle im Garten betreibt, an die sich die umliegenden Gartenvögel gewöhnt haben, sollte diese jetzt kontinuierlich füllen, da sonst ein vergeblicher Anflug für Vogelarten für Vogelarten wie Meisen, Sperlinge oder Finken unnötig Kraft kostet.

Quelle: LBV

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