Stand der Schutzgebiete

Wie gefährdet ist das Wasser im Nürnberger Land?

Eine geologische Zeitreise gibt es am kommenden Sonntag in der Oberpfalz. | Foto: Geist/DB-Archiv2022/03/GeistWasser.jpeg

NÜRNBERGER LAND – In Bayern gibt es deutlich weniger Wasserschutzgebiete als im Rest Deutschlands. Kritik kommt von der Opposition, aber auch vom Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft. Wie steht es um das Grundwasser im Nürnberger Land?

Sie sind seltener und kleiner: die bayerischen Wasserschutzgebiete. Sie bedecken nur fünf Prozent der Fläche im Freistaat. Damit liegen sie auf dem vorletzten Platz im deutschlandweiten Vergleich. Im Schnitt liegt dieser Wert bei zwölf und in Hessen sogar bei 50 Prozent.

Schutz des Grundwassers

Ein Sprecher des Wasserwirtschaftsamts in Nürnberg gibt an, dass in Bayern eine andere Strategie verfolgt wird. Der Schutz des Grundwassers ende nicht an der Grenze der Schutzgebiete, allgemeine Gesetze zur Wasserversorgung würden das Wasser auch darüber hinaus schützen. Die Kritiker der bayerischen Wasserpolitik sehen da allerdings einen Nachholbedarf.

Der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft fordert, gerade im Hinblick auf den Klimawandel mehr Wasserschutzgebiete zu schaffen. Auch hohe Nitratwerte sind in Bayern ein Problem. Nitrat ist unter anderem Bestandteil des Düngers in der Landwirtschaft. Regen wäscht es aus der Erde und so gelangt es ins Grundwasser. An vielen Orten überschreitet Bayern daher EU-Grenzwerte.

Gute Nitratwerte in Landkreis

Nicht so im Hersbrucker Umland. Besonders dort befänden sich die Grundwasserkörper hinsichtlich Nitrat weitestgehend in einem guten chemischen Zustand, heißt es aus dem Landratsamt Lauf. Über 20 der Wasserschutzgebiete des Nürnberger Landes liegen im Hersbrucker Umland.

Und auch in Feucht und Altdorf liegen die Nitratwerte weit unter den gesetzlichen Grenzen. Raimund Vollbrecht, Leiter der Feuchter Gemeindewerke, erklärt das mit der geringen Zahl landwirtschaftlicher Betriebe in Feucht. Außerdem lägen die Tiefbrunnen alle im Wald. Er stellt fest: „Unser Schutzgebiet ist groß genug.“ Und das dürfte wohl auch auf das gesamte Nürnberger Land zutreffen.

Meiste Schutzgebiete in Mittelfranken

Denn anders als im bayerischen Durchschnitt sind hier über 15 Prozent der Landkreisfläche als Wasserschutzgebiete ausgeschrieben. Mit 53 Stück ist es auch der Landkreis mit den meisten Schutzgebieten in Mittelfranken. Das geförderte Wasser versorgt nicht nur die Bürger im Nürnberger Land, ein Teil kommt auch in den Wohnungen und Häusern der Nürnberger an.

Neben der Flächennutzung spielen auch weitere Faktoren eine Rolle bei der Nitratkonzentration, wie die Niederschlagsbedingungen im Einzugsgebiet, geologische und bodenkundliche Gegebenheiten, Verweilzeiten und die Nitratabbauraten, fügt das Landratsamt an. Da das Grundwasser ein „langes Gedächtnis“ besitze, könne die Ursache für aktuell hohe Nitratkonzentrationen auch in die vergangenen Jahre bis Jahrzehnte zurückreichen.

Andere Chemikalien im Landkreis

Im Nürnberger Land gibt es andere Chemikalien, die ihren Weg ins Grundwasser suchen. Perfluoroctan­sulfonat (PFOS) und verwandte Stoffe, zusammengefasst Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) genannt, wurden in den vergangenen Jahren an Orten rund um Röthenbach und Diepersdorf immer wieder nachgewiesen. Vor fast sieben Jahren wurde die Verunreinigung des Birkensees öffentlich gemacht. Wegen des gesundheitsgefährdenden Stoffes PFOS musste 2017 sogar ein Brunnen in Diepersdorf vom Netz genommen werden. Inzwischen gehen die PFOS-Werte zurück und sind im Trinkwasser sehr niedrig. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter. Als im Sommer 2021 das Trinkwasser in Leinburg untersucht wurde, lag der Wert bei weniger als 0,01.

Starke Kontrolle bei Leitungswasser

Den Wasserhahn öffnen und einen Schluck trinken. Das kann man in Deutschland gefahrlos, denn Leitungswasser ist eines der am stärksten kontrollierten Lebensmittel. Bevor es aus dem Wasserhahn kommt, sammelt es sich tief begraben als Grundwasser unter der Erde. Über Quellen und Brunnen wird es gefördert, und um die hohe Qualität zu garantieren, gibt es um diese drei Schutzzonen, die zusammengefasst die Wasserschutzgebiete ergeben.

Die erste Zone hat einen Radius von zehn Metern und ist meist umzäunt. Bei der zweiten Zone gilt eine 50 Tage-Fließgrenze. Das heißt, die Zone ist so groß, dass Wasser 50 Tage braucht, um von der Quelle bis zum Rand zu fließen. Je nach Gesteinsschicht fällt dieser Bereich größer oder kleiner aus. Außerdem gelten in dieser Zone strenge Auflagen. Unter anderem dürfen Landwirte Felder nicht odeln, außerdem sind Gebäude und Straßen verboten. Die dritte Zone umfasst das gesamte Einzugsgebiet der Quelle. Darin ist der Transport von bestimmten Chemikalien verboten, Landwirte dürfen ihre Felder nur eingeschränkt bewirtschaften und Straßen brauchen spezielle Leitplanken und eine eigene Regenwasserentsorgung.

A. KOURTIDES/M. GUNDEL

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