Einkaufen im Selbstversuch

Wenn 2G die Shopping-Lust bremst

Seit Mittwoch gilt in vielen Geschäften: Zutritt nur noch für Geimpfte oder Genesene. | Foto: Handel2021/12/DSC0785-crop-scaled.jpg

Nürnberger Land – Ich habe frei und das Schneegestöber erinnert mich daran, dass ich nicht nur Weihnachtsgeschenke, sondern auch ein paar vernünftige Winterstiefel brauche. Es ist der perfekte Tag zum „Christmas-Shopping“ – denke ich jedenfalls. Denn es gibt da ein Problem: Es ist auch der erste Tag, an dem die 2G-Regel im Einzelhandel gilt.

Ich bin geimpft, also beschließe ich, mich auf das Abenteuer einzulassen. Das fängt schon damit an, dass mein Sohn, 14 und noch nicht ganz vollständig geimpft, erwähnt, er bräuchte Schulsachen. Doch darf er in den Schreibwarenladen, der nebenbei noch jede Menge Krimskrams verkauft, überhaupt mit hinein? Ich rufe vorsichtshalber vorher an. Bei ihnen im Geschäft gelte 2G, bei einem 14-Jährigen, fast Geimpften sei das allerdings „irgendwie eine Grauzone“, erklärt mir die freundliche, aber etwas ratlose Verkäuferin. Mein Sohn beschließt, lieber daheimzubleiben, um Ärger zu vermeiden.

Der Eingangsbereich gleicht einer Festung: Er ist mit Regalen und Tischen mit Ware zugestellt. Ich komme erst durch, als ich der Angestellten mein Handy mit dem Impfdokument hinhalte und sie die Daten genaustens in Augenschein genommen hat. „Jetzt bräuchte ich noch Ihren Personalausweis“, meint sie fast entschuldigend. Zum Glück gibt es den WhatsApp-Videoanruf, über den ist mein Sohn „live dabei“ und dirigiert mich zu den richtigen Heften und Stiften.

Weiter ins Schuhgeschäft nebenan. Ich halte mein Handy schon bereit – doch sehen will es hier niemand. Auf meine Nachfrage hin erklärt mir die Verkäuferin, Schuhe seien „Dinge des täglichen Bedarfs“, also dürfe man hier auch ohne Nachweis einkaufen. „Wir haben Glück.“

Aha, wundere ich mich, und eine Jacke nicht? Denn im Klamottenladen wird mein Impfdokument gescannt, diesmal zum Glück kontaktlos mittels einer App auf dem Handy der Angestellten. „Wir sind heute selbst schon kontrolliert worden“, erzählt sie und senkt die Stimme ein wenig. „Eine Abordnung“ sei im Geschäft gestanden.

Die meisten Kunden würden zum Glück verständnisvoll auf die Prozedur reagieren. So wie eine Frau, die – vermummt mit Maske und Mütze – der Verkäuferin ihren Personalausweis entgegenstreckt und lachend fragt: „Erkennt man mich da überhaupt?“

Weiter geht es in den Deko-Laden und ich merke, wie ich langsam genervt bin: Schirm in der Hand, Maske im Gesicht, Handy aus der Tasche fummeln.Wo hat sich denn das blöde Ding wieder verschlupft? Immerhin: Auch hier wird der QR-Code gescannt, die Stimmung in dem kleinen Geschäft ist entspannt.

Anders im Textil-Discounter eine Hausnummer weiter, wo ich ein paar Strumpfhosen kaufen will. Die Angestellte scrollt mit dem Finger auf meinem Handy hin und her, um die Daten zu überprüfen. „Ich weiß nicht, wie viele Handys ich heute schon in der Hand hatte, das ist doch unhygienisch“, fährt es aus ihr heraus. Ich will die arme Frau schon fast in den Arm nehmen, als sie mir verzweifelt erzählt, welche erbosten Kunden-Reaktionen sie sich an dem Tag anhören musste. „Ich sag denen dann: Rufen´S den Söder an.“

Fremde Finger auf dem Handy

Das Schaufenster eines anderen Klamottenladens zieht mich in seinen Bann. Doch reingehen? Ich merke, wie meine Lust schwindet, und ich überlege, wie viele fremde Menschen heute schon mit ihren Fingern auf meinem Handy-Display waren. Ich bin kein Hygiene-Apostel, aber das kann bei einer Pandemie doch nicht im Sinne des Erfinders sein, oder? Als ich zum Auto laufe, sehe ich eine kleine Schlange, die sich vor dem Drogeriemarkt gebildet hat. „Einlass nur mit 2G“, ist dort zu lesen. Hä? Ich dachte, Drogerien gehören zu den Läden des täglichen Bedarfs? Bei mir wächst die Verwirrung.

Fazit: Shoppen unter 2G-Bedingungen ist möglich, Spaß macht es nicht. Allerdings: Was für die Kundschaft „nur“ lästig ist, ist fürs Personal eine Zumutung. Darum ein Hoch auf alle Verkäuferinnen und Verkäufer, die trotzdem freundlich bleiben.

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