Laufer Arzt klärt auf

Weibliche Genitalverstümmelung: „Ein lebenslanger Leidensweg“

Weibliche Beschneidung hat für die Betroffenen oft schwere, körperliche und psychische Folgen. | Foto: ngupakarti/stock.adobe.com2022/01/ngupakartiAdobeStock_252344622-scaled.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Die weibliche Genitalverstümmelung ist vor allem in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten noch verbreitet – im Geheimen aber auch in Deutschland. Der Laufer Arzt Dr. Martin Seitz klärt zu diesem Thema auf.

Der 6. Februar 2022 ist der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Im Rahmen des Aktionstags, der 2012 von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, macht auch der Ärztlichen Kreisverband im Nürnberger Land unter Vorsitzendem Dr. Martin Seitz aus Lauf auf das Thema aufmerksam. Denn der Eingriff der weiblichen Beschneidung führt zu schlimmen gesundheitlichen Folgen für Frauen und Mädchen.

Dr. Martin Seitz | Foto: Privat2022/01/drSeitz.jpeg

„Weibliche Genitalverstümmelung, englisch Female Genital Mutilation (FGM), beschreibt jede nichttherapeutische, zum Beispiel religiös oder kulturell begründete, Entfernung oder Verletzung der weiblichen äußeren Genitale. Mit der Verstümmelung beginnt für die betroffenen Mädchen und Frauen ein lebenslanger Leidensweg“, erklärt Dr. Martin Seitz, erster Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes im Nürnberger Land.

Bei FGM würden zumeist die Klitoris und die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig abgetrennt, manchmal aber auch die kleinen und die großen Schamlippen.

Schwerwiegende Folgen

Direkt nach dem Eingriff komme es durch beschädigte Venen und Arterien oft zu starken Blutungen, auch Infektionen träten häufig auf. Sie entstünden etwa durch nicht sterilisierte Instrumente und traditionelle Wundheilmittel. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben circa zehn Prozent der Frauen und Mädchen an den direkten Folgen von FGM.

Aber auch zahlreiche Langzeitfolgen, wie etwa Unfruchtbarkeit, chronische Unterleibsentzündungen, Abszesse, Schwierigkeiten beim Urinieren sowie Komplikationen bei der Schwangerschaft und während und nach der Geburt seien laut Dr. Seitz möglich.

Trauma und Angst

„Die Betroffenen leiden jahrelang unter dem erlebten Trauma, was sich etwa in Angstzuständen und Depressionen bemerkbar macht“, erläutert Seitz weiter. Die meisten Verstümmelungen würden zwar in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten durchgeführt. Entgegen der landläufigen Meinung sei FGM aber weltweit verbreitet und auch in der Bundesrepublik ein Problem.

So seien nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 67 000 Frauen (Stand: 2020), die derzeit in Deutschland leben, von FGM betroffen.

Problem auch bei uns

„Obwohl die Praxis in Deutschland illegal ist, können auch Mädchen und Frauen, die in der Bundesrepublik geboren sind, Opfer von FGM werden“, sagt der Laufer Arzt.

Immer wieder wendeten sich Familien an ausgewanderte Beschneider und ließen den Eingriff im Geheimen vornehmen oder schickten ihre Töchter in den Ferien ins Ausland, um die Operation durchführen zu lassen. Patientinnen mit FGM bedürfen laut Seitz einer besonderen ärztlichen Betreuung.

Komplexe Operationen

Zur Wiederherstellung von Form und Funktion des äußeren Genitals seien oft komplexe plastische Operationen nötig. Auch psychische Erkrankungen in Folge von FGM müssten rasch behandelt werden.

Doch wie kann FGM präventiv bekämpft werden? „Essenziell ist beispielsweise das Führen von Aufklärungsgesprächen mit den Eltern von Mädchen, die aus Ländern stammen, in welchen FGM verbreitet ist. Dabei sollten die gesundheitlichen und psychischen Folgen von FGM kultursensibel in den Fokus gerückt werden“, erklärt Seitz.

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