Warum blieben viele Wähler zu Hause?

HERSBRUCK (gz) – Die zwei verbliebenen Bewerber Robert Ilg (Rathausblock) und Stephan Krimm (SPD/ Grüne) bereiten sich auf die Stichwahl am Faschingssonntag, 14. Februar, vor. Am 10. Februar macht Grünen-Promi Sepp Daxenberger aus Waging für Krimm Wahlkampf. Ilg will mit Infomaterial und Werbung auf CSU-Wähler zugehen. Die spannenden Fragen nach der ersten Runde, bei der Peter Uschalt (CSU) ausschied: Warum lagen die drei Kandidaten so dicht beieinander und warum war die Wahlbeteiligung mit 63 Prozent so gering?

Wie berichtet trennen die drei jeweils nur etwa zwei Prozentpunkte. Ilg holte 35,3 Prozent, Krimm 33,5 und Uschalt 31,2. Das bedeutet Abstände von nur 107 (Ilg zu Krimm) und 144 (Krimm zu Uschalt) Stimmen. Sprich: Hätten sich noch 145 CSU-Wähler ins Stimmlokal aufgerafft, wäre Uschalt in der Stichwahl und Krimm draußen. Es blieben aber fast 3 600 Wähler zu Hause. (Zum Vergleich: Die einzelnen Kandidaten holten je um die 2 000 Stimmen). Auch die Zahl der Briefwähler war mit rund 1 150 weit geringer als letztes Jahr bei der Bundestagswahl (1 600). Mittags lag die gesamte Wahlbeteiligung erst bei 20 Prozent, am Nachmittag kamen zu den glatten Straßen noch Schneeschauer. Aber angesichts der geringen Abstände zwischen den Kandidaten könnte zur Wahlenthaltung der Eindruck beigetragen haben, sie würden sich inhaltlich und in der Qualifikation wenig unterscheiden.

Eine interessante Analyse kommt vom scheidenden Amtsinhaber: Wolfgang Plattmeier glaubt, dass es derzeit wenige Streitthemen gibt. Das größte Problem, die angespannte Haushaltslage oder die Thermenschulden, beschäftige den Bürger aber nicht wirklich. Ihm seien „Daseinsfürsorge “ und freiwillige Leistungen wichtiger. Was Familie und Bildung anlangt, lagen hier die Bewerber mit ihren Zielen nah beieinander. Alle drei seien qualifiziert, so Plattmeier, so dass sich auch hier keine so starke Unterscheidung herausarbeiten ließ.

63 Prozent Wahlbeteiligung sind zwar für viele Wahlkämpfer enttäuschend, die von durchwegs guter Resonanz bei Veranstaltungen und Infoständen berichten. Aber Hersbruck liegt damit über dem Landesdurchschnitt bei der letzten Kommunalwahl (58,7 Prozent) und nur knapp unter der vergleichbaren Bürgermeisterwahl in Lauf vor zwei Jahren (dort 64 Prozent im ersten, 59,5 Prozent im zweiten Wahlgang), wo die Ära Pompl zu Ende ging. Wahlsieger Bisping (Grüne) holte damals übrigens im ersten Wahlgang nur 27,7 Prozent und lag hinter dem CSU-Stichwahl-Bewerber Deuerlein, der zunächst 30,6 Prozent erzielte. Die Hersbrucker Vergleichszahlen in der Wahlbeteiligung: 62,7 Prozent bei der Bürgermeisterwahl 2002 (Plattmeier und Dünkel), 61,2 % bei der Stadtratswahl 2008 und immerhin 73,7 % bei der Bundestagswahl 2009.

Der Wahlverlierer CSU berät heute Abend in Fraktion und Vorstand, ob man nun eine Wahlempfehlung für einen der beiden Kandidaten abgibt. Kandidat Peter Uschalt gesteht zu, dass auch die Landes- und Bundespolitik negativ mitgespielt haben könnte. Tatsächlich mied die Partei bei allen Wahlveranstaltungen anders als sonst die große Politik. „Wir wollten bewusst die Lokalpolitik in den Vordergrund stellen “, erklärt dies Stadt- und Kreisrat Norbert Dünkel. Er bedauert es, dass Peter Uschalt trotz seines Fleißes und seiner guten Konzepte den Etappensieg verfehlte. Doch der werde seine guten Ideen jetzt in den Stadtrat einbringen. Ende dieser Woche allerdings kann Uschalt erst einnmal mit der Familie in Skiurlaub fahren. Zur Stichwahl ist er zurück und hofft, dass es ihm viele Hersbrucker gleich tun und diesmal ihr Wahlrecht ausüben.

Seine Mitbewerber werden den Schnee nur hinter Infoständen, an zugigen Bahnhöfen und auf dem Weg zu Veranstaltungen erleben. Für Krimm will sich der Grünen-Promi Sepp Daxenberger am 10. Februar stark machen. Der Biobauer und Fraktionssprecher im Landtag war Bürgermeister in Waging am See. Auch Dr. Thomas Beyer soll nochmals bei einer Veranstaltung Gas geben. Krimms Wahlunterstützer sind sehr angetan, dass der Kandidat sich offensichtlich in wenigen Monaten bekannt machen konnte. 2. Bürgermeisterin Brigitta Stöber: „Er zeigte Sachkompetenz und eine kommunikative Persönlichkeit “. Auch in den Augen von Grünen-Fraktionssprecherin Ulrike Eyrich kam Krimm gut an: „Er hat die Lebensthemen jenseits von Geld und Konsum angesprochen, die vielen Hersbruckern offenbar wichtig sind. “ Eine Aufholjagd sei nicht aussichtslos.

Robert Ilg (FRB) weiß, dass er trotz des kleinen Vorsprungs den Sieg nicht in der Tasche hat. Er setzt allerdings darauf, in den verbleibenden zwei Wochen die Wähler zu erreichen, die im ersten Wahlgang für Uschalt stimmten. Konkurrent Krimm hingegen habe am vergangenen Sonntag sein rotgrünes Wählerpotential weitgehend ausgereizt. Die Freien wollen sich auf Straßenstände und Werbung für ihren Mann konzentrieren. Sie wollen die Wähler auch frühzeitig zur Briefwahl ermuntern, weil der Wahltag Faschingssonntag von manchen Familien für Kurzferien genutzt werden könnte. Wie alle Kommunalpolitiker kann Ilg die geringe Beteiligung am vergangenen Sonntag nicht verstehen: „Wenn nach 24 Jahren (Ära Plattmeier) doch die Chance zu einer Neuausrichtung besteht, ist das geringe Interesse erschreckend. “

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