„Natura 2000“ im Pegnitztal – Managementplan vorgestellt

Schutzgebiet zwischen Michelfeld und Hersbruck

Noch ist der Frauenschuh in heimischen ausgewiesenen Fauna-Flora-Habitaten (FFH-Gebiet) zu finden. Foto: S.Fuchs2015/11/6849603.jpg

ARTELSHOFEN – Unter dem Namen „Natura 2000“ wird seit einigen Jahren ein europaweites Netz aus Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzgebieten eingerichtet. In der Hersbrucker Schweiz zählen auch die FFH-Gebiete „Dolomit-Kuppenalb“ sowie „Pegnitztal zwischen Michelfeld und Hersbruck“ dazu.

Für letzteres – offizielle Bezeichnung „FFH-Gebiet 6335-371“ – wurde mit Stand vom März 2015 ein Managementplan erstellt, der bei zwei runden Tischen in Artelshofen und Neuhaus mit Grundstückseignern, Land- und Forstwirten, aber auch Gemeinden und Verbänden vorgestellt und diskutiert wurde. Ziel sei es, so Projektkoordinator Claus Rammler von der Regierung Mittelfranken, im Rahmen eines intensiven Gesprächs- und Informationsaustausches allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, Anliegen, Sorgen und Hoffnungen einzubringen.

Beim – leider nur schwach besuchten – Treffen im Gasthof „Beim Pechwirt“ waren von offizieller Seite die Bürgermeister Volker Herzog aus Vorra, Werner Wolter aus Hartenstein, Herbert Seitz aus Velden sowie der Geschäftsführer des BBV, Helmut Wolf aus Nürnberg, anwesend.

Der Fachreferent verdeutlichte zunächst, dass die Schutzgebiete für zahlreiche, zum Teil sehr seltene Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsraum bieten würden. Neben der großen Vielfalt an Pflanzenarten (Orchideen wie der Frauenschuh oder Aronstab) seien dies „Lebensraumtypen“ wie Kammmolch, Gelbbauchunke, Große Moosjungfer oder der kaum mehr nachweisbare Skabiosen-Scheckenfalter, alles Arten auf der Roten Liste. Lediglich der Biber sei in einem „hervorragenden Erhaltungszustand“, der Nager habe das FFH-Gebiet fast vollständig besiedelt.

In den Mittelpunkt seines Vortrages stellte Claus Rammler jedoch den aktuellen Managementplan für die Pegnitz bis Hersbruck. Besonders zwischen Ranna und Michelfeld stelle das Flusstal ein wertvolles Gebiet für Erholung und Naturerlebnis dar mit Nasswiesen, naturnahen Stillgewässern, den beiden Kammerweihern und feuchten Hochstaudenfluren. Etwa ab Neuhaus bestehe das FFH-Gebiet praktisch nur noch aus der Pegnitz mit den Uferrändern.

Dr. Roger Sautter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ergänzte das mit vielen Bildern Dargestellte mit einer Bestandsbeschreibung („Guter bis sehr guter Zustand!“) der angrenzenden Waldmeister-Buchenwald, Eichen-.Hainbuchenwald sowie die Schlucht- und Hangmischwälder.

In der zum Teil recht lebhaften Diskussion betonte der Regierungsvertreter mehrfach, dass der vorgestellte Managementplan für das FFH-Gebiet 6335-371 keine rechtliche Bindungswirkung für die ausgeübte Nutzung durch die Grundstückseigentümer habe, auch keine unmittelbaren Verpflichtungen. Gültigkeit hätten unabhängig davon natürlich Arten-, Natur- und Biotopschutz.

Angesprochen wurden auch die übermäßige Nutzung der Pegnitz durch Kanufahrer mit all den negativen Begleiterscheinungen und Störungen der Natur, die Ausübung des Fischereirechtes, die Verschmutzung des Flusses durch die Abflüsse vom Steinbruch Neuensorg und die Frage wurde gestellt, was nach dem Managementplan komme. Letzterer sei zwar für den Einzelnen derzeit nicht bindend, wie mehrfach hervorgehoben, doch habe man „Sorge wegen Brüssel“. Auch gebe es derzeit keine „FFH-Vergütung“.

Fazit der anwesenden Zuhörer: Für die Bewohner des Pegnitztales sei eigentlich ein Managementplan nicht nötig, da diese seit Jahrzehnten dafür gesorgt hätten, dass die Natur so gut „in Schuss“ sei. Wenn allerdings Behörden, etwa die DB, das Wasserwirtschaftsamt oder eine Kommune Maßnahmen in einem FFH-Gebiet planten, hätte dies durchaus Auswirkungen, etwa in Form der Forderung nach einer Verträglichkeitsprüfung.

Zustimmung zu dem über einhundert Seiten starken Papier gab es an diesem Abend mit geringem Bürgerinteresse nicht. Einwände, so Claus Rammler, würde sein Amt bis Mitte Januar gerne entgegennehmen und je nachdem einarbeiten.

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