Verein für Flüchtlinge und Migranten

„Live your Life“ bittet um Spenden

Vorsitzende Barbara Langenstein und Diplom-Psychologe Ahmad Harba besprechen die Unterstützung minderjähriger Migranten. | Foto: S. Fuchs2021/11/Fl-chtlingsverein-01.jpg

ARTELSHOFEN – „Tue Gutes und rede darüber“: Der Titel eines fast 50 Jahre alten Buches passt wohl keinesfalls auf den hiesigen „Live your Life“. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit unterstützt der im März 2017 gegründete Verein mit Sitz in Artelshofen Flüchtlinge und Migranten und leistet konkret Hilfestellung für einzelne Personen und Familien.

Bereits im zurückliegenden Januar berichtete die HZ über die finanzielle Unterstützung der NGO „SOS Bihac“, in der es um die Hilfe von Menschen im total abgebrannten Flüchtlingslager Lipa nahe der bosnischen Grenzstadt Bihac ging. Rund 3400 Euro konnten für den Kauf von warmer Kleidung, Decken, Sanitärartikeln und vielem mehr direkt überwiesen werden. „Die Spendengelder sind zu einhundert Prozent bei denen angekommen, die sie dringend brauchten“, sagte Kassier Fritz Meixner damals.

„Live your Life“, wie die Vorsitzende Barbara Langenstein in einem Gespräch in Artelshofen erzählt, bietet laut Satzung auf mehrfache Weise konkrete Unterstützung von Flüchtlingen und Migranten auch vor Ort. So im Falle eines heute 17-jährigen Syrers, der in unserem Kulturkreis nur schwer Fuß fassen konnte, häufig auch psychisch auffällig wurde und bei Auseinandersetzungen meist nur körperliche Gewalt als Lösung sah. Hilfestellung fand die Artelshöferin zufällig beim Diplom-Psychologen Ahmad Harba.

Der aus Idlib stammende Syrer – vor seiner Flucht war er Dozent für Psychologie an der Universität Damaskus – ist in der „Fachstelle Trauma für Flüchtlinge“ des Nürnberger Gesundheitsamts beschäftigt und in dieser Eigenschaft auch im Vorraer „Luisenhaus“ aktiv. Denn seine fachliche Ausbildung ist in Deutschland voll anerkannt worden.

Barrieren überwinden

Durch seine Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen fand er schnell Zugang zu dem zurzeit an einer Förderschule lernenden jungen Migranten. In längeren Beratungsgesprächen ging es ihm nicht nur darum, Sprachbarrieren, sondern auch kulturelle Schranken zu überwinden, beschreibt Harba die zahlreichen Begegnungen.

Denn durch seine Erfahrungen in Nürnberg und durch die in der Muttersprache geführten regelmäßigen Dialoge sei es zum einen für den Klienten leichter gewesen, unterdrückte und verdrängte Erlebnisse, aber auch Beweggründe für sein Verhalten zu beschreiben und andererseits für ihn als Psychologen diese besser zu verstehen und gemeinsam neue Verhaltensregeln zu lernen.

Mittlerweile habe er diverse Probleme des Jugendlichen erkennen und in einer Weise besprechen können, dass dessen schulische Leistungen deutlich besser wurden und er einen Praktikumsplatz fest in Aussicht habe.

Das Geld fehlt

Natürlich sei bei allen Gesprächen die Familie mit eingebunden worden, die Kosten habe der Verein übernommen. Für weitere aktuelle Fälle dringend notwendiger psychologischer Betreuung, wie im Gespräch angedeutet, fehle dem Verein leider das Geld, so Barbara Langenstein.

Denn im Jahresrückblick habe es viele finanzielle Notfälle gegeben, die von staatlicher Seite nicht abgedeckt würden, aber von „Live your Life“ nach Möglichkeit übernommen worden seien, etwa die anwaltschaftliche Betreuung mehrerer Familien, die Suche nach einem Ausbildungsplatz oder die Begleitung zu Arztbesuchen oder Behördengängen; Stichworte: Sprachbarriere, mangelnde Fahrgelegenheit und Ähnliches.

Besonders wichtig aber ist der Vereinsvorsitzenden, dass junge Migranten baldmöglichst ihren Führerschein machen können. „Denn was nützt der beste Ausbildungsplatz, wenn er mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar ist“, belegt Langenstein anhand von konkreten Beispielen aus dem Pegnitztal.

Das Spendenkonto von „Live your Life“: RB Hersbruck, BIC: 
GENODEF1HSB; IBAN: DE 89 7606 1482 0002 8570 06

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