Hermann Frauenknecht, aktiv bis zuletzt

Aktiv bis zuletzt: Hermann Frauenknecht. Foto: Hungershausen2010/08/todfrauenknecht.jpg

ALTDORF — Hermann Frauenknecht lebt nicht mehr. Die Region hat eine Künstlerpersönlichkeit von hohem Rang verloren. Der Maler und Bildhauer blieb in seiner Heimatstadt tief verwurzelt, sein Werk jedoch war an vielen Orten der Welt zu sehen.

Frauenknecht ist ein gebürtiger Altdorfer, der seinen künstlerischen Weg konsequent gehalten hat. Bereits 1967 zog es ihn von der Malerei zur Bildhauerei. Vor zahlreichen öffentlichen Bauten stehen Werke des Künstlers. Die Stadt Nürnberg, die Stadt Fürth und die Nürnberger Nachrichten ehrten ihn mit Preisen.

Für die 600 Jahre alte Altdorfer Laurentiuskirche gestaltete Frauenknecht einen Mittelaltar aus Holz. Im Dekanatsbüro hängt eine frühe Malerei von ihm: die Ausgießung des Heiligen Geistes.

Die formale Geschlossenheit und die Ausdrucksstärke der Arbeiten, die in der Altdorfer Silbergasse entstanden, erstaunten immer wieder. Frauenknecht legte zeitlebens Wert darauf, dass die Kontinuität seines Werks bei den Exponaten erkennbar bleibt.

„Innere Spannungen, die in wohl überlegte Brüche münden, und ein gestalterischer Ordnungswille, der die auseinander strebenden Teile wieder in einen dynamischen Zusammenhang bringt, sind die zentralen formalen Aspekte in Frauenknechts Werk“, so wurde es bei der Verleihung des NN-Kunstpreises 2002 formuliert. „Die vorzugsweise aus Holz und Metall bestehenden Skulpturen wurzeln in konstruktiver Strenge, lösen diese aber wieder auf durch rhythmische Anordnung der einzelnen Elemente. Ein überlegt inszeniertes, nach innerer Ordnung strebendes Spiel, in dem sich die vitalen Elemente unseres Daseins auf abstrahierte Weise widerspiegeln: Bewegung und Stille, Dynamik und Klarheit, Spannung und Ruhe.“ Elemente, die auch das Leben von Hermann Frauenknecht prägten, der stets uneingeschränkt von seiner Frau Marianne unterstützt wurde.

Aus gesundheitlichen Gründen konnte der betagte Künstler nicht mehr schwer heben. Für die Werkstatt hat er deshalb zwei spezielle Hebegestelle mit Flaschenzügen für seine Skulpturen entwickelt.

Denn auch im hohen Alter – er wurde im April 81 Jahre alt – arbeitete Hermann Frauenknecht, wie viele seiner Kollegen noch äußerst aktiv, rundete sein Lebenswerk künstlerisch ab, entdeckte neue Perspektiven und gestaltete zusammen mit Herbert Bessel eine große Ausstellung in Neumarkt. Lange vor der Ausstellung hatte Hermann Frauenknecht in seiner Werkstatt dafür zahlreiche Arbeiten zusammengestellt, vor allem „runde“ Werke aus verschiedenen Materialien und aus verschiedenen Jahren. Ein Beispiel steht auch im Doktorsgärtchen am Museum.

Daten seines Lebens: 1929 am 29. April geboren in Altdorf, 1950 nach Lehre Meisterprüfung als Dekorationsmaler, 1951 bis 1953 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in München bei Prof. Carl Crodel, 1967 Hinwendung zur Skulptur, 1968 Förderpreis der Stadt Nürnberg, 1986 Kunstpreis der Fürther Wirtschaft, 2002 Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten, seit 1967 ausschließlich als Bildhauer tätig.

Manche seiner Werke stehen im öffentlichen Raum: so Großskulpturen in der Mensa der Universität Bayreuth (Holz), zwei Stahlskulpturen im Hof des Fernmeldeamtes Bayreuth, ein Wandrelief im Vorraum des Versorgungskrankenhauses Bayreuth (Polyester), Altar und Lesepult in der evangelischen Stadtkirche in Altdorf (Holz), Skulptur im Garten des Universitätsmuseums Altdorf (Bronze).

Ein Teil seiner Einzelausstellungen: 1986 Gallery Tableau 5 Sakaide, Japan, 1973 Studiohaus Rosenthal, Nürnberg, 1978 Lippische Gesellschaft für Kunst e.V. Schloss Detmold, 1992 Städtische Sammlungen Schweinfurth, 1994 Albrecht Dürer Gesellschaft Nürnberg und Stadtgeschichtliche Museen Nürnberg, Ehrenhalle des Alten Rathhauses und Fembohaus Nürnberg, 2008 Ausstellung im Kunststadel Neumarkt (mit Herbert Bessel).

Beteiligungen und Symposien: 1959 bis 1977 Große Kunstausstellung im Haus der Kunst München, 1962 Staatliche grafische Sammlung München „Zeichner in Bayern“, 1962 Deutsche Malerei, Wanderausstellung in Westdeutschland, 1963 Herbstsalon im Haus der Kunst, München, 1968 und 1981 Deutscher Künstlerbund in Nürnberg, 1969 „Sechs Nürnberger Maler in Skopje“, 1979 Internationales Plastik-Symposion in Lindau/Bodensee, 1986 First Skulpture-Prints- Drawings-Biennale Sakaide, Japan, 1987 Mc Lellan Galleries Glasgow „Zeitgenössische Grafik aus Nürnberg“, 1994 EU-Konferenzraum Albert Borschette, Brüssel, „Städte in Franken – Europäische Aussichten“, 2004 Shenzen Fine Arte Institut-China, Organisation: Nürnberger Amt für Internationale Beziehungen.

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