Vorra: Gottesdienst und Menschenkette

„Das sind nicht wir!“

Mit einer Menschenkette – darunter auch Landrat Armin Kroder (links) und kirchliche Vertreter – demonstrierten die Menschen in Vorra nach dem Gottesdienst. Foto: S. Fuchs2014/12/5_2_1_2_20141215_KETTE.jpg

VORRA – „Wir sind immer noch fassungslos über das, was in unserem Dorf geschehen ist. Wir wollen uns aber damit nicht einfach abfinden, sondern Deutschland und der ganzen Welt zeigen: Das, was hier passiert ist, das sind nicht wir!“, sagte Pfarrer Björn Schukat bei einem bewegenden Gottesdienst am Sonntag in der Vorraer Marienkirche.

Unter dem Aufruf „Vorra setzt ein Zeichen“ waren neben Regionalbischof Ark Nitsche und Dekan Werner Thiessen so viele Menschen gekommen, dass sich der Wunsch des Pfarrers, „unsere Kirche soll aus allen Nähten platzen“, fast wörtlich erfüllte. Zudem bekundeten zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens, alle Bürgermeis ter der Umgebung und viele Mandatsträger durch ihre Anwesenheit ihr Mitgefühl und ihre Anteilnahme an den schreck lichen Geschehnissen zwei Tage zuvor.

„Mit diesem Gottesdienst wollen wir kundtun, Vorra hat es nicht gewollt und nicht verdient, was hier passiert ist. Denn wir wollten die Flüchtlinge willkommen heißen und hatten uns exzellent darauf vorbereitet.“ Es fehlten ihm die Worte, so Pfarrer Schukat weiter, um alle Gefühle, Empfindungen und Gedanken zu beschreiben. Deshalb tue der überwältigende Besuch wirklich gut.

Dem Entsetzen aber folge Hoffnung. Vorra sei in den letzten Tagen zusammengewachsen, niemand habe resigniert. „Wir lassen uns nicht unterkriegen! Brandstifter haben weder hier noch sonst wo in Deutschland oder in der Welt etwas zu suchen.“

Regionalbischof Ark Stefan Nitsche überbrachte in seiner Predigt den Dank und den Respekt der Landeskirche für den Einsatz der Vorraer Mitbürger. Intensive Vorbereitungen und ehrliche Freude auf den Empfang der Asylsuchenden seien Wut und Trauer gewichen. Er wünschte allen viel Mut und Entschlossenheit, den einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt weiterzugehen.

„Vorra und das Nürnberger Land sind weltoffen, bunt und sozial“, betonte Landrat Armin Kroder in seinem Grußwort. Asylbewerber seien hier herzlich willkommen, die feige Brandstiftung werde von allen scharf missbilligt. Das Ereignis „hat uns aber nicht umgehauen, sondern uns in der Entschlossenheit zur selbstverständlich menschenwürdigen Unterbringung unserer Asylbewerber/-innen gestärkt.“ Sein Dank galt allen Helfern, die in den vergangenen Monaten wertvolle Unterstützung geleistet hätten.

Der absolut sinnlose Brandanschlag, so Bürgermeister Volker Herzog, habe gottlob keine Menschenleben gefordert, es habe dennoch Opfer im übertragenen Sinne gegeben. So habe man Flüchtlingen die Möglichkeit auf eine menschenwürdige Unterkunft genommen und durch diesen Akt der Fremdenfeindlichkeit erneut Ängste bei denen geschürt, die mit der Hoffnung auf Friede und Sicherheit nach Deutschland gekommen sind. Die Sprecherin des Ehrenamtskreis „Flüchtlinge“, Elisabeth Peterhoff, schilderte eindrucksvoll die bisher geleistete Arbeit. „Wir wollen als Christen den Mitmenschen helfen ohne nach dem Grund ihrer Flucht zu fragen!“ Den Dank für die zahlreiche Unterstützung verband sie wie alle ihre Vorredner mit einem von starkem Applaus begleiteten „Jetzt erst recht!“

Alle Gottesdienstteilnehmer bildeten trotz Regen nach der Kirche um die Brandobjekte eine lange Menschenkette als weiteres sichtbares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit.

Bereits am Samstag war Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nach Vorra gekommen und ließ sich von Pfarrer Björn Schukat die Tat orte zeigen. „Es hat mich erschreckt, was hier passiert ist. Ich hatte den spontanen Impuls, hierher zu kommen, um die Menschen zu stärken. Lasst euch nicht entmutigen!"

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