Oberstufenschüler des Leibniz-Gymnasiums beim European Youth Parliament

Von wegen politikverdrossen!

Bei der Vorbereitung auf die nächste Auswahlrunde rauchen die Köpfe von Martin, Verona, Lars, Sebastian, Lisa, Tim und Lukas (von links). Über das Engagement freuen sich Daniela Albers-Kuntz (links hinten) und Schulleiterin Regina Fleischer. | Foto: Spandler2017/02/Altdorf-leibniz-european-youth-parliament1.jpg

ALTDORF – Von wegen Politikverdrossenheit! Die Behauptung, die Jugend habe jedes Interesse an der Gestaltung des öffentlichen Zusammenlebens verloren, trifft zumindest für einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler des Leibniz-Gymnasiums nicht zu. Hier ist es bereits Tradition, über den Tellerrand hinauszublicken und sich in unterschiedlichen Projekten im weitesten Sinne mit dem Thema Völkerverständigung zu beschäftigen.

Comenius- bzw. Erasmus-Bildungsprogramm, Jugend debattiert, Schüleraustauschprogramme mit unterschiedlichsten Nationen, Zertifizierung als Schule ohne Rassismus und Fairtrade-Schule – all dies gehört trotz immer kompakter werdender Stundenpläne zu den erweiterten Angeboten des Altdorfer Gymnasiums. Nun sind sieben Schülerinnen bzw. Schüler zwischen 16 und 18 Jahren in ein weiteres Projekt eingestiegen, das sich zum Ziel gesetzt hat, den interkulturellen Austausch junger Menschen in Deutschland und Europa zu fördern: Sie beteiligen sich am European Youth Parliament (EYP), dem Europäischen Jugendparlament.

Angeregt hat das Oberstudienrätin Daniela Albers-Kuntz, die mit der Idee bei Schulleiterin Regina Fleischer offene Türen einrannte. Gebildet hat sich nun eine Arbeitsgemeinschaft von sieben Gymnasiasten, zwei Mädchen und sieben Jungen aus der Q11 bzw. Q12, die sich einmal wöchentlich treffen und auf die Veranstaltungen, die als Wettbewerb ausgelegt sind, vorbereiten. Vor kurzem haben sie die erste wichtige Hürde genommen und bereiten sich nun auf die nächste Runde vor.

Lars (17) spielte bei der Auswahl des Teams eine wichtige Rolle. Ihn kannte Albers-Kuntz bereits von „Jugend debattiert“, einem weiteren Wettbewerb, bei dem Jugendliche lernen, ihre Ansichten entsprechend demokratischer Prinzipien zu vertreten. So kam es, dass die Wettbewerbsunterlagen an ihn weitergegeben wurden und er interessierte Mitschüler für das Projekt gewinnen konnte.

Die machten sich zusammen über die erste Aufgabenstellung und erarbeiteten eine Resolution – auf Englisch wohlgemerkt, schließlich könnte es ja sein, dass die EYP-AG sich bis in die internationalen Ränge vorarbeitet. An dieser ersten Runde des Jugendwettbewerbs nehmen jährlich bundesweit über 600 Schüler von über 70 Gymnasien teil.

Nun hat das Leibniz die Nachricht erhalten, dass es unter den 33 Schulen ist, die die nächste Runde erreicht haben. „Ich bin so stolz auf unsere Schüler“, gesteht Daniela Albers-Kuntz, die Wert darauf legt, das die Jugendlichen selbstständig arbeiten und sie selbst nur beratend im Hintergrund wirkt.

Tradition wiederbelebt

Auch Schulleiterin Fleischer hält dieses Engagement für enorm wichtig. Sie freut sich darüber, dass mit der Teilnahme an dem Projekt eine alte Leibniz-Tradition wieder auflebt, denn schon in den 80er und 90er Jahren wurde der Europa-Gedanke an der Schule durch verschiedene Aktionen gefördert und belebt. Durch die schulische Entwicklung seien diese Aktivitäten vorübergehend eingeschlafen.

Umso mehr begrüße sie die Initiative von Albers-Kuntz und ihren Schützlingen. Die Einigung Europas gehe vor allem die jungen Leute an, daher sei es wichtig, dass sich diese Generation mit dem Thema auseinandersetze.

Wie geht es nun weiter für Lars, Lukas, Tim, Lisa, Sebastian, Verona und Martin? Sie bereiten sich bereits auf die kommende Auswahlrunde vor, die vom 16. bis 19. März in Herzogenaurach stattfindet. Ein präzise ausgearbeitetes Programm liegt ihnen bereits vor, dem alles bis hin zum Dress Code zu entnehmen ist, schließlich soll die Situation ja eine echte Parlamentsversammlung simulieren. Neben der Auswahlsitzung in Herzogenaurach, an der zehn Schulen aus der südlichen Republik teilnehmen, findet das Gleiche noch an zwei anderen Zentren in Mittel- und Norddeutschland statt, so dass am Ende drei Schulteams und jeweils noch drei unabhängige Einzeldelegierte als Sieger gekürt werden. Die dürfen dann an der nationalen Auswahlsitzung teilnehmen. Wer hier erfolgreich ist, hat es auf die internationale Ebene geschafft.

Aber zunächst müssen die sieben Oberstufenschüler in ihrem viertägigen Regionalwettbewerb reüssieren. Sebastian (16) erklärt, was die Gruppe dort erwartet. Der erste Tag ist dem Team-Building vorbehalten, man lernt sich bei verschiedenen Tätigkeiten kennen und die Teams werden neu durchmischt. Hierzu werden auch bereits internationale Teilnehmer erwartet, die natürlich nicht am Auswahlverfahren teilnehmen, aber das ganze Treffen ein wenig bunter und weltläufiger gestalten. Außerdem gibt es einen Kennenlernabend, zu dem jeder regional-typische Speisen mitbringt.

Am nächsten Tag beginnt die eigentliche Arbeit, dann wird wiederum eine Resolution verfasst, natürlich wieder auf Englisch so wie auch die mündlichen Diskussionen in dieser Sprache stattfinden. Die einzelnen Resolutionen werden abends veröffentlicht, so dass sich die Teilnehmer schon einmal mit den Thematiken beschäftigen können, denn am nächsten Tag geht es zur Sache: Dann wird in der „General Assembly“ heftig über die Thesen der Resolutionen debattiert, jedes Team muss sich Fragen und Angriffen stellen, seine Positionen verteidigen, während eine 40-köpfige Jury genau beobachtet, wie sich die einzelnen schlagen, erkärte Tim (17).

Bei der abschließenden Bewertung am letzten Tag zählen aber nicht nur die inhaltlichen Positionen, sondern auch andere Kompetenzen, wie social skills, Teamfähigkeit, Sprachvermögen. Dass dies der anspruchsvollste Teil des ganzen Auswahlverfahrens ist, wissen die Sieben. Hier sind äußerste Konzentration und schnelles geistiges Reaktionsvermögen gefragt. „Think global – play fair“ lautet das übergeordnete Thema, die genaue Aufgabenstellung wird sich natürlich für jedes Team erst vor Ort ergeben.

Ähnliche Motivation

Die Motivation, die die Teenager antreibt, statt oder neben Party, Sport und Musikvergnügen sich so intensiv und zeitaufwendig in ihrer Freizeit mit Europa-Politik zu beschäftigen, ist bei allen ziemlich ähnlich. Lukas (17) liest täglich die Zeitung und interessiert sich schon lange für Politik, bereits in der achten Klasse hat er an einem Comenius-Austausch teilgenommen ebenso wie Lisa (18), die wie Lars bei „Jugend debattiert“ mitgemacht und dieses Projekt als sehr bereichernd empfunden hat. Verona (16) findet es toll, dass man hier eigene Gedanken einbringen kann und erfährt, wie Politik an der Basis funktioniert.

Natürlich fährt die „Zusatz-AG“ mit großen Hoffnungen und bestens vorbereitet nach Herzogenaurach, doch egal wie die Wertung am Ende ausfällt, profitieren werden alle Teilnehmer, nicht nur was ihr Politikverständnis angeht.

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