NN-Wanderreporterin unterwegs von Hersbruck nach Lauf

Vom Wurstautomaten zur Kostümprobe

Claudia Freilinger vor dem Fleischautomaten in Reichenschwand. | Foto: Freilinger2018/08/Fleischautomat-Claudia-Freilinger.jpeg

NÜRNBERGER LAND — Die Wanderreporter sind wieder unterwegs. Erneut machen sich NN-Redakteure auf einen rund 500 Kilometer langen Weg zu Menschen und Landschaften in Franken und der Oberpfalz, ausgestattet mit Notizblock, Kamera und Smartphone. Etappe 30 führte Claudia Freilinger, Redakteurin der Nordbayerischen Nachrichten in Herzogenaurach, gestern von Hersbruck nach Lauf:

„Ach, die Wanderreporterin“, grüßt Thomas Drechsler, als er in Ottensoos an mir vorbeiradelt. Der 54-Jährige kommt gerade vom Fischen und hat eine Bachforelle in der Pegnitz gefangen. Seit er 16 Jahre alt ist, geht er angeln. Dabei isst er Fisch eigentlich gar nicht so gerne.

Thomas Drechsler aus Ottensoos. | Foto: Freilinger2018/08/Fischer-Thomas-Drechsler-Ottensoos.jpeg

Die Bachforelle ist für einen Freund, der ihm jüngst einen Gefallen getan hat. Zwei weitere Fische will Drechsler noch fangen, dann sind die beiden quitt. Vor ein paar Monaten hat der 54-Jährige, der ursprünglich aus der Region Ostwestfalen-Lippe stammt, einen Hecht aus dem Fluss gezogen, der einen stolzen Meter lang war.

Mit sechs Kilometern in der Stunde ist Katrin Ullrich unterwegs. Ich treffe sie in Neunkirchen, als sie gerade von einem Einkauf mit ihrem Rollstuhl zurückfährt in ihren Heimatort Ottensoos. Seit 2001 hat sie den elek­trischen Fahruntersatz, sie ist an Multipler Sklerose erkrankt.

Katrin Ullrich in Neunkirchen. | Foto: Freilinger2018/08/Katrin-Ullrich-in-Neunkirchen.jpeg

Wegen der großen Baustelle an der Bundesstraße 14 muss sie momentan einen Umweg nehmen und braucht eine gute Stunde hin und zurück. Trotzdem macht sie den Ausflug gerne. Sie hat Pflanzen gekauft und Sonnenblumenkerne für ihren Mann, der damit gerne die Vögel füttert.

Selfie vor dem Fleischautomaten

Am Fleischautomaten in Reichenschwand kann ich nicht vorbeigehen, ohne ein Selfie zu machen. Die Betreiberfirma hatte nämlich gerade einen kleinen Wettbewerb bei Facebook laufen mit Selbstporträts vor der Maschine. Der ist schon vorbei, aber mein Maskottchen und ich machen trotzdem noch mit – auch wenn der Pinguin lieber Fisch mag und ich die Betthupferl-Gummibärchen aus dem Gasthof in Hersbruck. Dann laufe ich ein paar hundert Meter weiter und merke: In Reichenschwand ist für alles gesorgt. Jetzt entdecke ich nämlich auch noch eine Milchtankstelle. Der Bauernhof hat allerdings genau in dieser Woche Urlaub. Schade!

Benjamin Wallner und ich sitzen in der Schminkecke des Theatervereins „Sandhas‘n“ in Neunkirchen und lachen. Gerade habe ich den quietschgrünen Hut des Pamino aus der „Zauberflöte“ gegen eine Perücke getauscht. Wallner setzt auch eine auf und wir schießen Fotos.

Claudia Freilinger und Benjamin Wallner vom Theaterverein „Sandhas’n“ testen Perücken. | Foto: Freilinger2018/08/Claudia-Freilinger-und-Benjamin-Wallner-vom-Theaterverein-Sandhasn-e1535544025673.jpeg

Vorher hat mir der Vorsitzende das Vereinsheim gezeigt: die Bühne, den Keller mit den Requisiten und den Dachboden, der voll hängt mit mehr als 1000 Kostümen. Sogar eine Werkstatt gibt es, in der ein Bühnenbauer ehrenamtlich Kulissen baut. So viel Herzblut in einem kleinen Verein! 200 Mitglieder haben die „Sandhas‘n“, davon 50 Jugendliche. Ich bin beeindruckt. Bei der „Zauberflöte“ wäre ich gerne dabei gewesen. Zum nächsten Stück komme ich bestimmt.

Bewertung der Etappe

Verpflegung: 5 von 5
Das tollste Frühstück meiner Wandertour bekomme ich im „Schwarzen Adler“ in Hersbruck. Die Auswahl an Früchten ist so groß, dass ich mich kaum entscheiden kann. Himbeer oder Kiwi? Ich nehme die Melone. In Reichenschwand ist mit Milchtankstelle und Fleischautomat sowieso für Verpflegung gesorgt. Doch der Tag hat für mich eine kleine Tragik: Ich vergesse die Gummibärchen-Tüte am Fleischautomaten.

Schnappschussfaktor: 2 von 5
Auf der Strecke war heute nicht viel herauszuholen an schönen Bildern. Der Weg verläuft ein gutes Stück an der Bahnstrecke entlang – es war also zugig, aber nicht unbedingt schön. Dafür hat das Verkleiden und Perückenprobieren mit Benjamin Wallner von den „Sandhas‘n“ in Neunkirchen nicht nur viel Spaß gemacht, sondern auch lustige Schnappschüsse ergeben.

Schwierigkeitsgrad: 1 von 5
Ganz locker-flockig kann ich den Weg marschieren. Mit einigen Umwegen habe ich die Strecke nach Lauf auf etwa 17 Kilometer ausgedehnt. Trotzdem komme ich sehr gut durch, denn es gibt keine Anstiege. Der Weg verläuft eigentlich immer im Tal.

Videos und Bilder von Claudia Freilingers Etappe gibt es hier.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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