Ottensooser schreibt Autobiografie

Vom Bauern zum Buchautor

Stolz hält Metzgermeister und jetzt auch Buchautor Georg Büchel sein Werk in die Kamera. | Foto: Haase2020/07/Autobiografie-Ottensoos-Buchel-Buch.3.jpg

OTTENSOOS – Dass er, Bauer, Metzgermeister, Landkind, mit 66 Jahren noch zum Autor werden würde, hätte Georg Büchel aus Ottensoos nicht für möglich gehalten. Und doch kann der Inhaber des ehemaligen Ottensooser ­„Schmankerlhofs“ jetzt stolz ein eigenes gebundenes, 200-Seiten umfassendes Buch vorweisen: Seine Autobiografie, die er in den vergangenen Monaten geschrieben hat.

Doch so ganz freiwillig war das nicht: „Mein Sohn hatte in der Schule etwas geschlampert. Ich habe gesagt, wenn er sein Abitur schafft, dann schreibe ich ein Buch“, sagt Büchel.

Dass sich Sohn Michael acht Jahre später und natürlich nach dem bestandenen Abitur wieder an dieses Versprechen erinnern würde, dachte Georg Büchel allerdings nicht. Doch der kommt von einer langen Reise zurück und will wissen: „Vadda, wann schreibst na dei Bouch?“ „Naja, i mou etz dou mei Würschd machen! Wenn i dann a weng Zeit hob, nacherd fang i scho o“, entgegnet sein Vater und schreibt es auch genauso in seiner Autobiografie, in der die fränkische Mundart der Protagonisten auf das Hochdeutsch des Erzähltextes trifft.

Mit diesem „nacherd“ seines Vaters gibt sich Sohn Michael allerdings nicht zufrieden und lädt ihn zu einer Motorradtour mit der Harley Davidson auf der nordamerikanischen „Route 66“ ein – wenn das Buch zu Büchels 66. Geburtstag am 26.6. auch wirklich fertig ist. Zumindest einen Titel gibt es damit schon: „6 Mal 6 und ein Buch“.

Kugelschreiber statt Fleischermesser

Also tauscht der Metzgermeister im November sein Fleischermesser gegen einen Kugelschreiber und macht sich ans Werk.
Doch er merkt schnell: Ein Buch schreibt man nicht mal eben so. „Ich plaudere ‚ottensooserisch‘ und so schreibe ich auch; mit der Hand, weil mit Computern habe ich es nicht so“, erklärt Büchel ganz zum Leidwesen seiner Tochter, die das handgeschriebene, fränkische Manuskript später abgetippt und in ein angemessenes Schriftdeutsch „übersetzt“ hat.

Damit das mit dem Schreiben also überhaupt klappen kann, muss ein Lektor her. Nach einem ersten Gespräch fährt Büchel mit schlackernden Ohren wieder nach Hause: „Ich will gar nicht sagen, was das kosten sollte“, sagt er.

Daraufhin meldet er sich bei einem Autobiografie-Kurs an der Volkshochschule an und erfährt wenig später: Weil sich nur ein Teilnehmer angemeldet hatte, findet dieser nicht statt. „Das war dann wohl ich“, scherzt Büchel, der die Flinte noch immer nicht ins Korn wirft – zu verlockend der Gedanke an die Motorradtour.

Er bittet die Kursleiterin, eine Lektorin aus Bad Windsheim, ihm privat weiterzuhelfen. Sie willigt ein und schickt Büchel mit einem Auftrag nach Hause: Mindestens 500 Wörter pro Tag muss er schreiben. „Zum Glück war das im Winter und auf dem Bauernhof und in der Metzgerei nicht so viel zu tun“, sagt Büchel, der von November bis April jeden Tag für ein paar Stunden, manchmal aber auch den ganzen Tag in sein Arbeitszimmer verschwindet, um an seinen Erinnerungen zu arbeiten.

Kleine Fortschritte

„Ich habe gemerkt, wie mein Schreibstil jeden Tag besser geworden ist“, sagt Büchel. Am Ende schafft er es, knapp 200 Seiten zu füllen, mit Geschichten über den frühen Tod seines Vaters und wie er als 13-Jähriger gemeinsam mit seiner Mutter „den Karren aus dem Dreck gezogen hat“, wie er sagt.

Vom Bauern- zum „Schmankerlhof“

Neben dem Bauernhof hat Büchel später noch eine Metzgerei aufgebaut. Auch schelmische Anekdoten aus seiner Jugend, von geklauten Bierfässern und dem engen Tanz mit seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Moni führt der 66-Jährige auf. Nebenbei bedankt er sich für die 17 Nylonhemden, die er zur Konfirmation bekommen hat und spricht als Metzgermeister natürlich auch über wichtige Themen wie die richtige Wursthaut.

Zwischen Geschichten vom Wursten und Schlachten dürfen Anekdoten aus dem „Schmankerlhof“ nicht fehlen. Allerdings hat er sich nun entschieden, die Tore der Metzgerei für immer zu schließen und den „Schmankerlhof“ nicht weiter zu betreiben. Eine Erklärung dafür liefert er auch in seinem Buch.

100 Jahre alte Theaterkarten

Dass Büchel sehr stolz ist auf sein Werk, merkt man ihm vor allem an, wenn er über sein Lieblingskapitel spricht: „Wir haben einen Hofbrief von 1918 gefunden mit 100 Jahre alten Karten für eine Aufführung von ‚Prinzessin Pilar‘ im Prinzregententheater“, sagt Büchel, der sich im vergangenen Jahr deswegen erst an Markus Söder und danach ans Kultusministerium gewandt hat. Dort war man angetan. „Wir durften uns sogar eine Vorstellung aussuchen“, grinst der Ottensooser spitzbübisch.

Zur Feier Seines 66. Geburtstages klappt es dann tatsächlich und das Buch ist fertig. Nicht nur Freunden und Familie schenkt Büchel ein Exemplar, sondern auch seiner Lektorin, die extra aus Bad Windsheim zum Gratulieren vorbeikommt. Einzig und allein die Reise auf der Route 66 müssen Vater und Sohn coronabedingt verschieben. Damit sollte das Buch ursprünglich enden. „Dann muss es eben eine Fortsetzung geben“, sagt Büchel. Bis es so weit ist, hat ihm sein Sohn zumindest eine Harley-Tour durch die Fränkische Schweiz versprochen.

Informationen

Wer eines der Exemplare von „6 Mal 6 und ein Buch“ kaufen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 09123/13351 bei Georg Büchel melden oder direkt beim ehemaligen „Schmankerlhof“ in Ottensoos vorbeischauen.

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