Nimmt die Impfbereitschaft ab?

Viele Impftermine bleiben ungenutzt

Symbolbild | Foto: GettyImages/master13052021/07/impfung-getty-scaled.jpg

Nürnberger Land – Die Hälfte der Landkreisbevölkerung hat mittlerweile mindestens die erste Impfung erhalten, über ein Drittel hat den vollen Impfschutz. Doch Zehntausende waren noch nicht an der Reihe, gleichzeitig sind etliche Termine im Röthenbacher Impfzentrum und seinen Außenstellen frei – laut Landrats­amt über 1000 in den nächsten drei Tagen. Wie passt das zusammen?


Im Gesundheitsamt fürchtet man, dass die Impfbereitschaft in der Bevölkerung abgenommen hat, wie dessen Leiter, Dr. Hanspeter Kubin, im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung sagt. „Das ist ein Phänomen, das nicht allein den Landkreis betrifft“, so Kubin. Zu erkennen sei eine allgemeine Tendenz in der deutschen Bevölkerung. Die Inzidenzen sind sehr niedrig, „die Bilder von Intensivstationen sind verblasst“, so Kubin. Die Bevölkerung sei „pandemiemüde“.


Prio 3 weitgehend abgeschlossen


Aus der Priorisierungsgruppe 3 haben nur noch 700 Personen keine Einladung erhalten, wie das Landrats­amt meldet. Insgesamt sind noch 20.000 Personen als impfwillig registriert, davon haben laut Landratsamt 7000 die Aufforderung erhalten, einen Termin auszumachen, haben jedoch nicht reagiert. 12 000 Bürger wurden noch nicht angeschrieben.


„Die Wahrscheinlichkeit, dass diese aber in den nächsten zwei, drei Wochen eingeladen werden, ist hoch“, wie eine Behördensprecherin mitteilt. Sie wirbt dafür, dass sich jetzt alle auf impfzentren.bayern registrieren, die sich impfen lassen möchten – auch jene, die glauben, dass sie noch lange nicht an die Reihe kommen. Gerade im Hinblick auf den kommenden Herbst und eine erwartete „vierte Welle“ wäre es wichtig, dass die Impfquote möglichst hoch ist, betont Dr. Hanspeter Kubin.


Das sieht auch der Neunkirchener Arzt Bastian Jedlitschka so. Doch der Mediziner stellt die These der steigenden Impfmüdigkeit infrage. Er glaubt vielmehr, dass das breite Angebot die Situation unübersichtlich macht.


Bürger haben die Qual der Wahl


Wer noch nicht an der Reihe war, habe mittlerweile im Impfzentrum, aber auch bei Haus- und Fachärzten oder Betriebsärzten die Qual der Wahl. Man nimmt dann den ersten Termin, den man bekommen kann – oder den, der einem zeitlich am besten in den Kram passt.


Etliche Bürger haben sich im Impfzentrum registriert, aber auch bei mehreren Ärzten angemeldet, weiß Jedlitschka. Für die Praxen und das Impfzentrum wird das zum Problem, wenn Impftermine ausgemacht, dann aber nicht frühzeitig wieder abgesagt werden. „Es wird organisatorisch deutlich schwieriger“, sagt Jedlitschka. „Für zehn Impftermine müssen wir zwischen 30 und 80 Leute anrufen, je nach Impfstoff.“

Doppelte Termine frühzeitig absagen


1300 Impfungen haben Jedlitschka und seine Kollegen in seiner Praxis mittlerweile hinter sich, vergangene Woche musste er erstmals fünf Dosen wegwerfen – es handelte sich jeweils um den Impfstoff von Astrazeneca. Es sei „sehr, sehr schwierig“, jemanden für Astrazeneca zu finden, so Jedlitschka. Auch Termine für das Vakzin von Johnson und Johnson würden oft kurzfristig abgesagt. Er bittet die Bürger darum, doppelte Termine frühzeitig abzusagen, ob beim Arzt oder im Impfzentrum.


Dort gibt es fast nur Impfungen mit den beiden mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna, doch auch damit läuft nicht alles glatt. „Viele Menschen lehnen den Impfstoff von Moderna ab, weil ihnen der Name nichts sagt“, teilt das Landrats­amt mit. Dabei basiert das Produkt des US-amerikanischen Biotechnologieunternehmens Moderna auf den gleichen Prinzipien wie das Vakzin von Biontech und Pfizer und schützt auch ähnlich gut.


Nicht auf zweite Impfung verzichten


Der Leiter des Gesundheitsamtes wirbt dafür, sich impfen zu lassen. „Man schützt sich und andere“, auch jene, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, betont Dr. Hanspeter Kubin. Auch Genesenen empfiehlt er eine Impfung. Der Mediziner betont auch, wie wichtig es ist, nicht auf die zweite Spritze zu verzichten. Nach der ersten Dosis habe man nur einen „Teilschutz, der zur Verhinderung einer Erkrankung nicht ausreichend ist.“

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