Geschlossene Turnhallen

Vereine haben Angst vor dem Abpfiff

Volle Ränge wie hier auf dem Archivfoto bei der HSG Lauf-Heroldsberg gibt es derzeit ohnehin nicht, aber nun ist in städtischen und kreiseigenen Hallen nicht einmal mehr Sport möglich. | Foto: PZ-Archiv/Santemiz2020/10/Handball-HSG-Lauf-SG-Regensburg-50_Z.jpg


NÜRNBERGER LAND — Weil kommunale und kreiseigene Hallen wieder geschlossen wurden, bleiben vielen Clubs kaum noch Sportangebote. Manche Vereine fürchten nun, dass ihnen die Mitglieder davonlaufen. Die Stimmung ist gedrückt.


Nichts geht mehr in den städtischen und kreiseigenen Sporthallen, seitdem die Corona-Ampel im Nürnberger Land auf Rot gesprungen ist. Erst einmal bis zum Ende der Herbstferien wird hier kein Ball geworfen, fällt die Gymnastik aus. Und nun droht auch noch ein „Lockdown“.

„Die Situation ist katastrophal“, sagt Bernd Hufnagel, Vorsitzender des 1400 Mitglieder starken SV Schwaig. Zwar gehört die Hans-Simon-Halle dem Verein selbst, trotzdem habe man sich in Absprache mit der Gemeinde dazu entschlossen, sie zu schließen. Zumba, Aikido, Einradfahren … all das kann ab sofort nicht mehr stattfinden. Die Gymnastikgruppe trainierte zuletzt noch im Freien.

Hart trifft die Schließung auch das Aushängeschild des Vereins, die Volleyballer. Die Zweitligamannschaft spielt am kommenden Wochenende auswärts, hat aber keine Möglichkeit, zu trainieren. „Das ist natürlich Wettbewerbsverzerrung“, findet Hufnagel klare Worte. De facto habe man im Sportbereich einen zweiten Lockdown.

Kritik am Fußballverband

Nach einem positiven Coronatest bei den Fußballern hat der FC Röthenbach seine Sportstätten vorübergehend geschlossen. Weil jetzt zusätzlich die Hallen in der Stadt dicht sind, können auch die Tischtennis- und die Badmintonspieler sowie die Gymnastikgruppe nicht mehr üben. „Im Moment ruht alles“, so FC-Vorsitzender Manuel Hübsch. Er kritisiert, dass der Bayerische Fußballverband die Runde unbedingt zu Ende spielen will. „Das macht doch kein Chef mit, wenn der Arbeitnehmer zwei Wochen ausfällt, weil er wegen Fußball in Quarantäne muss.“

Mit den Fußballkindern wird so lange wie möglich draußen auf dem Gelände im Pegnitzgrund trainiert, in die Halle wird man laut Hübsch definitiv nicht wechseln. Man könne nicht für die Sicherheit garantieren.

Gerade einmal fünf Wochen flitzten in der Forstersberg-Turnhalle die Tischtennisbälle übers Netz, jetzt ist schon wieder Schluss. Zwei Auswärtsspiele in Kalchreuth und Forth stehen in dieser Woche für die Tischtennisherren des FC Röthenbach noch an, Training: Fehlanzeige. „Ich finde, das ist eine Ungleichbehandlung im Vergleich zu den Vereinen, die über eigene Hallen verfügen und dort trainieren können“, so Abteilungsleiter Oliver Spieß. Er fordert vom Verband eine „klare Linie“, wie es weitergehen soll.

„Mitglieder sind verunsichert“

Ein Verein mit eigener Halle ist der TV77 Lauf. „Wir haben uns beim BLSV erkundigt, wir dürfen zurzeit noch alle Aktivitäten anbieten“, so Vorsitzender Friedrich Vollmer gegenüber der PZ. Allerdings seien Duschen und Kabinen gesperrt. Nicht viel hilft das jedoch den Handballern, die in der Bitterbach- beziehungsweise in der Röthenbacher Realschul-Turnhalle spielen. Zehn bis 20 Anrufe erreichen Vollmer nach eigenen Worten zurzeit täglich, „die Mitglieder und Übungsleiter sind verunsichert, ob sie zum Sport kommen können.“ Er wird heute bang nach Berlin blicken, wo von der Bundesregierung neue Corona-Maßnahmen erwartet werden. „Wenn wir nochmal einen Lockdown bekommen, hat der Verein ein Problem.“

Das sieht auch Inge Pirner so, Vorsitzende des TSV Röthenbach. Die Stimmung im Verein sei nach dem geglückten „Re-Start“ im Sommer inzwischen „depressiv“. „Es fehlt einfach die Perspektive, der Silberstreif am Horizont.“ Handball, Tanzen, Gymnastik … mehr als die Hälfte der TSV-Angebote findet schon im Sommer in den städtischen Hallen statt, im Winter dann alles, bis auf Boule. Wenn jetzt erneut alles ausfalle, tue man sich schwer, die Mitglieder bei Laune und vor allem bei der Stange zu halten. Im Ausweichen auf Online-Angebote, wie im Frühjahr, sieht Inge Pirner jedenfalls langfristig keine Option mehr.

„Wir hoffen, dass der Sport einigermaßen normal weitergeht“, meint Hannelore Hensel, Vorsitzende des TSV Lauf. Der Verein hat zwar eine eigene Halle, die allerdings voll ausgelastet ist. Einige Sparten wie Badminton oder Karate müssen deshalb auf andere Sportstätten ausweichen. Sie trifft die Schließung hart, genau wie einen Teil der Fußballer, für die es in der TSV-Halle einfach keine freien Kapazitäten mehr gibt. „Vor allem die Karateka waren sehr traurig“, bedauert Hensel.

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