ASB stellt sich auf Corona-Lage ein

Samariter schalten in den Notfallmodus

Das Foto zeigt in der Mitte die beiden neuen Fahrzeuge für den Einsatzleiterdienst und den neu erhaltenen Krankentransportwagen. Ganz links Geschäftsführer Andreas Brunner und Rettungsdienstleiter Andreas Krämer. | Foto: privat2020/03/redwebZusatzmittel-RD-BEV-scaled.jpg

AUERBACH/VELDEN (asb) – Krisenmanagement in Notzeiten: „Ohne engmaschige, tägliche Abstimmung läuft nichts. Mit vier Bereichen, in denen unser ASB-Regionalverband Jura für die Mitmenschen da ist, geht das gar nicht anders. Wir arbeiten ja für, mit und nah an Menschen“, fasst Vorsitzender Roland Löb die aktuelle Lage der Arbeitersamariter zusammen. Und die Krise mobilisiert unglaubliche Kräfte.

„Jeden Tag, außer am Wochenende, halten wir zur selben Zeit eine Telefonkonferenz ab und beleuchten die aktuelle Situation im Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz, beim Essen auf Rädern, in der Kinder- und Jugendhilfe, in den sozialen Diensten sowie in der Verwaltung“, sagt Löb. Persönliche Treffen widersprächen den Anordnungen und der selbst auferlegten Disziplin zur Sicherstellung der Handlungsfähigkeit.

Kerstin Wagner, Leiterin des Kinder- und Jugendhilfebereiches, muss zum Beispiel die zugesagten beziehungsweise eventuell geforderten Notgruppen der drei Kindertagesstätten in Wichsenstein und Pottenstein organisieren. Die Mitarbeiterinnen müssen aufgrund der Schließungen am Laufenden gehalten und koordiniert sowie die Eltern informiert werden.

Wie das Risiko gering halten?

Eines der Themen ist etwa die Frage, wie beim Personal und den Kindern der Notgruppen sowie für die Eltern bei der Übergabe das Übertragungsrisiko gering gehalten werden kann und was dafür getan werden muss. Parallel dazu läuft der Umbau in der Franz-Wittmann-Gasse in Pottenstein, der auch verfolgt werden muss. „Bei all dem Trubel durften wir uns vergangene Woche darüber freuen, dass uns die Gemeinde Ahorntal beauftragt hat, ab Herbst die neue Kinderkrippe zu betreiben. Das sorgt auch für einen Motivationsschub“, zeigt sich Wagner begeistert.

Dass die Motivation sehr hoch ist in der Corona-Krise, zeigt auch Rettungsdienstleiter Andreas Krämer. Seit vergangener Woche wird an jedem Tag – auch an Wochenenden – von 10 bis 20 Uhr freiwillig ein zusätzlicher Krankentransportwagen für den Leitstellenbereich Nürnberg gestellt. Dabei handelt es sich um ein neues Fahrzeug, dass erst vor ein paar Tagen abgeholt und einsatztauglich eingerichtet wurde.

Unterstützungsgruppe ausgeweitet

Ebenfalls durch freiwillige ASB-Mitglieder wurde die Verfügbarkeit der  Unterstützungsgruppe Rettungsdienst massiv ausgeweitet. So haben neben Nürnberg auch die Leitstellen in Amberg-Sulzbach und Bayreuth nun mehr rund um die Uhr eine Zugriffsmöglichkeit auf einen weiteren Rettungswagen. Weil am Standort Velden zwei verbandseigene Rettungswagen stationiert sind, könnten auch Paralleleinsätze laufen.

Krämer muss „nebenbei“ auch den Dienstbetrieb an den Standorten Auerbach und Velden sicherstellen. Er selbst unterstützt zudem seit wenigen Tagen die Gruppe der Einsatzleiter Rettungsdienst im Nürnberger Land. Der ASB Regionalverband Jura hat dazu eigens ein vereinseigenes Fahrzeug angeschafft und ausgestattet.

Azubis stehen bereit

In den beiden vertretenen Landkreisen Amberg-Sulzbach und Nürnberger Land wurden aufgrund des landesweit festgestellten Katastrophenfalles sogenannte Führungsgruppen (FüGK) eingerichtet. Auch hier bringen sich die erfahrenen Rettungsdienstler Andreas Brunner und Andreas Krämer als Fachberater mit ein. Zudem hilft der Umstand, dass dem Regionalverband wegen des eingestellten Schulbetriebs in Bayern auch alle sieben Notfallsanitäter-Auszubildenden zur Verfügung stehen.

Auch technisch leistet der ASB-Regionalverband seinen Beitrag zur Bewältigung der Epidemie. „Wir hatten noch drei ausgemusterte Beatmungsgeräte. Diese wurden oder werden gerade wieder funktionstüchtig gemacht“, sagt Geschäftsführer Andreas Brunner – zwei für das Nürnberger Land, eines für den Landkreis Amberg-Sulzbach. Am vergangenen Freitag brachte der ASB im Auftrag der FüGK dringend benötigte Schutzausrüstungen bei Einrichtungen im Nachbarlandkreis vorbei.

Die Logistik im Bereich „Essen auf Rädern“ sei in dieser besonderen Zeit ebenfalls gefordert, berichtet Geschäftsführer Brunner. Durch die Kontaktbeschränkungen wird der Menüdienst für Senioren verstärkt nachgefragt. Alle Prozesse und die gesamte Logistikkette wurden deshalb in Bezug auf Übertragungsrisiken von Grund auf geprüft. „Unsere Mitarbeiter sind geschult und mit Schutzausrüstung ausgestattet“, sagt Brunner.

Fokus auf Wichtiges

Obwohl der ASB weiter mit entsprechenden Schutzmaßnahmen dort Betreuungsleistungen durchführt, wo anderweitig eine Betreuung von Senioren nicht gewährleistet wäre, wurde die Hauswirtschaftliche Versorgung im Rahmen der gebotenen Vorsicht nach unten gefahren. „Fensterputzen kann zum Beispiel schon noch warten“, so Brunner.

Allerdings ist der tägliche Einsatz des Krankentransportwagens zur Unterstützung bislang nicht refinanziert. Die Generalüberholung und Reparatur der drei Beatmungsgeräte erfolgt ebenso auf Kosten des Regionalverbandes, und auch die zusätzliche, notwendige Schutzausrüstung belastet den Haushalt. Auf der anderen Seite fehlen Einnahmen aus nicht stattfindenden Dienstleistungen wie der Breitenausbildung, wo alle geplanten Kurse abgesagt sind.

Bei allen Belastungen und Risiken überstrahlt bei Vorsitzenden Löb und Geschäftsführer Brunner eine Erfahrung alles andere: Wie die über 120 haupt- und ehrenamtlichen ASB-Kräfte des Regionalverbands mitziehen, sei absolut beeindruckend: „Wir sind stolz auf unsere Leute“, sagen die beiden unisono.

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