Röthenbacher Sportvereine lehnen Fusion ab

TSV Röthenbach verbittet sich „Einmischung“

Objekt mancher Begierde: das TSV-Sportheim in der Seespitze. | Foto: Andreas Sichelstiehl2020/02/tsv-sportheim-rothenbach.jpg

RÖTHENBACH – Als „Einmischung in die Vereinsarbeit“ weist der TSV Röthenbach die Debatte über eine Fusion der beiden großen Röthenbacher Sportvereine zurück. Bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten am Dienstag in der Realschule hatten beide Bewerber, Klaus Hacker (FW) und Wolfgang Gottschalk (CSU), signalisiert, dass sie eine Fusion von TSV und 1. FC Röthenbach begrüßen würden. 

Wörtlich sagte Gottschalk, er fände es „schön“, wenn beide Vereine zusammenfänden. Und Hacker, der das Thema überhaupt erst angesprochen hatte, bot seine Vermittlung an. Bei einer Fusion, so der amtierende Bürgermeister, wäre eine neue Sportanlage im Pegnitzgrund denkbar – das bisherige TSV-Gelände im Stadtteil Seespitze böte hingegen großes Potenzial für ein Neubaugebiet. 

Darauf reagiert der Vorstand des Vereins in einer in den sozialen Medien veröffentlichten Erklärung recht brüsk: „Wir glauben nicht, dass so ein Thema in den Wahlkampf gehört“, die jüngsten Äußerungen bewirkten nur Unruhe. Denn die Entscheidung obliege „immer noch“ den Mitgliedern beider Vereine.

Vor allem stört den TSV-Vorstand, allen voran Vorsitzende Inge Pirner, dass das Grundstück im Vordergrund steht: „Ein Verkauf des Geländes wird nicht angestrebt – trotz all der Bemühungen diverser Stellen, uns dazu kurzfristig zu bewegen.“ Das Areal gilt als letzte Fläche in Röthenbach, auf der Wohnbau in größerem Stil möglich wäre. Selbst bei einer Zusammenarbeit von TSV und 1. FCR „kann es sein, dass zwei Gelände notwendig sind“, so Pirner zur Pegnitz-Zeitung. Sie denkt dabei an den Seniorensport: „Ältere sollen zu Fuß kommen können.“ Im Pegnitzgrund sei die Zufahrt problematisch.

Vereinshochzeit scheiterte schon einmal

Das Thema Fusion ist nicht neu – und schon immer war es heikel. Im Frühjahr 2001 war eine Vereinshochzeit an einem TSV-Mitgliedervotum gescheitert. Damals gab es sogar Pläne für einen Sportpark in der Mühllach. Doch der TSV hätte sein Gelände verkaufen müssen, wofür sich keine Mehrheit fand. Seit 2015 gab es wieder Verhandlungen über eine Fusion beziehungsweise „Sondierungsgespräche“, so die TSV-Sprachregelung. Die Mitglieder votierten jedoch für einen Abbruch. Beim 1. FC Röthenbach hingegen fand eine –  in ihrer Methodik umstrittene – schriftliche Mitgliederbefragung statt, die auf 85 Prozent Zustimmung kam.

Jetzt sollen immerhin wieder „lockere Gespräche“ geführt werden. Pirner spricht von einem „Ideenaustausch“.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel