Zum Absturz am Höhenglücksteig

Tödlicher Leichtsinn

An dieser Stelle stürzte der 37-jährige Fürther in den Tod. Er war zu diesem Zeitpunkt ungesichert und ohne Helm am Höhenglücksteig unterwegs.2013/05/5_2_1_2_20130515_UNFALL.jpg

HIRSCHBACH — Wie sicher ist der Höhenglücksteig in Hirschbach? Diese Frage geistert seit dem tödlichen Sturz eines Kletterers am vergangenen Samstag durch viele Köpfe. Der 37-jährige Mann aus Fürth war 15 Meter in die Tiefe gefallen und verletzte sich dabei so schwer, dass er noch an der Unfallstelle starb. Jetzt steht fest: Der Mann war nicht gesichert.

Als ein „tragisches Unfallgeschehen“ bezeichnet ein Sprecher vom Polizeipräsidium Oberpfalz das Unglück, das sich am Samstag am Höhenglücksteig in Hirschbach ereignete. Der 37-jährige Fürther war mit mehreren Personen im Klettersteig unterwegs. Er war der Führer der elfköpfigen Gruppe und laut Polizeiangaben „ein sehr erfahrener Bergsteiger“. Im dritten Teil des Steigs stürzte der 37-Jährige dann 15 Meter in die Tiefe. Das Tragische daran: „Er war weder gesichert noch trug er einen Helm“, so der Polizeisprecher. Bergwacht und Notarzt konnten nichts mehr für den Mann tun. Er verstarb noch an der Unfallstelle. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich schließlich um die Klettergruppe und die Angehörigen des Toten, die nach Hirschbach eilten.

Bereits 2011 ereignete sich am Höhenglücksteig ein tödlicher Unfall. Damals stürzte hier die Kletterlegende Kurt Albert ab. Auch er erlag seinen Verletzungen. Albert galt als Freikletterpionier. Auf ihn geht der Rotpunktgedanke zurück, das bedeutet: Klettern ohne technische Hilfsmittel. Zum Zeitpunkt seines Absturzes hatte Albert keinen Helm auf. Allerdings war er mit einem Sitzgurt ausgerüstet, in den er eine abgebundene Bandschlinge mit einem Karabiner eingebunden hatte. Nach Alberts Sturz hing der Karabiner lose im Stahlseil des Klettersteigs. Er hatte sich wohl – so vermuteten Experten damals – beim Anhängen ins Stahlseil aus der Bandschlinge gelöst.

Unfälle sind vermeidbar

Manfred Salcher, staatlich geprüfter Bergführer und Leiter der Bergschule jura alpin in Hirschbach, ist regelmäßig mit Gruppen und Schulklassen am Höhenglücksteig unterwegs. „Solche Unfälle dürfen so nicht passieren und sind so vermeidbar“, ist er überzeugt. „Die Klettersteiganlage ist in einem Top-Zustand und wird regelmäßig vom DAV, Sektion Nürnberg, überprüft“, sagt er. Nach dem tödlichen Sturz von Kurt Albert 2011 meldeten sich aber gleichwohl etliche Schulen bei ihm, weil sie um die Sicherheit ihrer Schützlinge fürchteten. Salcher lud die Lehrer damals an den Höhenglücksteig ein und zeigte ihnen, wie seine Bergführer die Gruppen sichern, mit denen sie dann in den Klettersteig gehen.

„Die Schüler und Gäste haben bei uns grundsätzlich einen Helm, Sitz- und Brustgurt sowie ein Klettersteigset mit zwei Sicherungsästen mit zwei Karabinern. Das sind die Standards und Regeln, die beim Begehen von Klettersteiganlagen gelten. Wechseln die Kinder oder Klettersteigaspiranten von einem Abschnitt in den nächsten, hängen sie zunächst nur einen Karabiner aus. Erst wenn der dann im nächsten Abschnitt wieder eingehängt ist, dürfen sie den zweiten lösen und auch in den nächsten Abschnitt einhängen. Das heißt grundsätzlich sind zwei Sicherungskarabiner in einem Sicherungsabschnitt. Diese Sicherungsmethode nennt man „Zweifachsicherung“, auch bekannt als Reduktionssicherung. Zusätzlich sind die Schüler durch ein Gruppenseil gesichert“, erklärt Salcher. Warum sich der 37-jährige Fürther am Klettersteig nicht auch entsprechend sicherte, weiß niemand. Ein tödlicher Leichtsinn.

N-Land Katja Bub
Katja Bub