Die Plädoyers der Anwälte

Susanne G.: Nebenkläger fordern Strafe von acht Jahren Haft

Während eines Aufmarschs der Partei "III. Weg" in Bamberg im März 2020 war Susanne G. als Ordnerin tätig. | Foto: Miller2021/01/sssgg.jpg

Diepersdorf/ München – Sechs Jahre Haft, acht Jahre, Freispruch oder eine völlig andere Strafe? Im Prozess gegen die rechte Diepersdorfer Heilpraktikerin Susanne G. am Oberlandesgericht München haben Staatsanwaltschaft, Nebenkläger und Verteidiger ihre Plädoyers vorgetragen, und die Forderungen der Anwälte gehen weit auseinander. Die Angeklagte verkündete als „letztes Wort“ eine Botschaft: „Ich habe in meinem Leben anderen Menschen nur Gutes getan.“

Zur Verlesung der Plädoyers besuchten erneut einige ihrer „Gesinnungsgenossen“ den Gerichtssaal in München-Stadelheim. Die 55-Jährige legte zur Begrüßung die Hand auf ihr Herz.

Wegen der Vorbereitung eines Terrorakts und der Bedrohung von mehreren Personen mit dem Tod hat die Bundesanwaltschaft sechs Jahre Haft für Susanne G. gefordert. Die Angeklagte sei eine „überzeugte Nationalsozialistin“ und es bestehe die erhebliche Gefahr weiterer Straftaten. Mit seinem geforderten Strafmaß blieb Bundesanwalt David Rademacher dennoch weit unter der möglichen Höchststrafe von zehn Jahren.

Das war den Nebenklagevertretern zu wenig. Harald Straßner, Anwalt von Landrat Armin Kroder, und Maximilian Bär, Anwalt des Schnaittacher Bürgermeisters Frank Pitterlein, forderten acht Jahre Haft für Susanne G. „Die Angeklagte stand vermutlich kurz vor der Ausführung eines Anschlags, und welche Drohung kann schlimmer sein als die mehrfache Bedrohung mit dem Tod?“, sagte Straßner im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung.

Kritik an Ausladung der NSU-Helfer

In seinem Plädoyer betonte er erneut seinen Zweifel an der These, Susanne G. habe als „einsame Wölfin“ gehandelt. Dass im Prozess ein Leinburger Fußballfunktionär zu den Massagekünsten von Susanne G. befragt wurde, aber nicht „sich geradezu aufdrängende Zeugen“, wie die mit der 55-Jährigen befreundeten NSU-Helfer Ralf Wohlleben und André Eminger, sei erstaunlich.

Pitterleins Anwalt Bär wies auf das laut Ermittlern weiterhin intakte Netzwerk Susanne G.s hin. „Die Angeklagte scheint noch nicht am Ende ihrer kriminellen Energie angelangt zu sein“, das sei bei der Strafzumessung zu berücksichtigen.

Den Erklärungen von Susanne G., wonach die Utensilien aus Susanne G.s Auto, wie etwa Benzin und Feuerwerkskörper aus praktischen Gründen im Jeep lagen, ist laut Bär nicht zu glauben.

Verteidiger fordern Freispruch

Die Verteidiger der Angeklagten sahen das erwartungsgemäß anders. Anwältin Nicole Schneiders zählte Zeugenaussagen und Ermittlungsergebnisse auf, die kein Beweis für die Schuld ihrer Mandantin seien. So sei es nicht auszuschließen, dass andere Personen die Drohkarten versendet hatten, die Susanne G. laut Schneiders nicht klar zugeordnet werden konnten.

Der Prozess sei von einer „medialen Vorverurteilung sondergleichen“ beeinflusst. Die Präsentation der Hakenkreuzflagge von Susanne G. im Gerichtssaal zeige, dass das Gericht Menschen mit rechter Gesinnung sofort unterstelle, dass sie menschenfeindlich seien.

Übrig bleibe am Ende allein der Verstoß gegen das Waffengesetz, da Susanne G. in Besitz eines illegalen Schlagrings war. Schneiders forderte dafür eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen, die durch die Haft verbüßt sei. In allen anderen Punkten sei die Angeklagte freizusprechen.

Zitate von Hitler und Goebbels

Ihr Kollege Wolfram Nahrath hielt sich nicht lange mit den Ergebnissen des Prozesses auf, sondern schloss sich Schneiders an. Sein Plädoyer verwendete er vor allem, um die Zeit des Nationalsozialismus zu glorifizieren. Die Anwesenden hörten Zitate von Adolf Hitler und Josef Goebbels, die für die Sicherheit des Volkstums stünden und die Initiatoren der Europäischen Union gewesen seien.

Ihr „letztes Wort“ nutzte Susanne G., um ihre Gutmütigkeit zu betonen. Sie habe in ihrem ganzen Leben nie Gewalt gegen Menschen angewandt. „Mir soll hier großes Unrecht geschehen.“
Der Prozess gegen die Diepersdorferin endet am Freitag, 30. Juli nach drei Monaten. Dann wird der Strafsenat sein Urteil verkünden.

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