Schwitzen ist angesagt

Sommer seit Ostern im PZ-Land

Tiefbauarbeiter Theo Langsteiner mit einem Leerrohr. | Foto: Maria Braun2018/08/hitze-bauarbeiter-lauf-stadtwerke-theo-langsteiner-foto-maria-braun.jpg

NÜRNBERGER LAND — Heiß und viel zu trocken ist es 2018: Mensch und Natur kämpfen mit den Auswirkungen des Klimas. Die PZ hat mit verschiedenen Personen gesprochen, wie sie bei ihrer Arbeit mit der Hitze umgehen.

Keine Klimaanlage in der Baugrube

(mb) Das Thermometer misst 37 Grad, die Sonne brennt heiß vom wolkenlosen Himmel. Theo Langsteiner lässt die Hitze kalt. Er ist Tiefbauarbeiter und verlegt derzeit Kabel in der Sichartstraße in Lauf. Ein schattenloser Arbeitsplatz. „Man gewöhnt sich an die Hitze genauso wie an die Kälte im Winter“, versichert er gutgelaunt. Mit einem Strohhut schützt er sich vor Überhitzung. Und natürlich gelte es, viel Wasser zu trinken. „Der schönste Moment meines Arbeitstages ist es, wenn nach getaner Arbeit die Kabel fachgerecht verlegt sind und man nur noch nachmessen muss“, meint Langsteiner, der seit 1992 bei der Firma Tretter als Fachbauarbeiter beschäftigt ist.

Trotz des schweißtreibenden Jobs im Freien genießt er den Sommer und hält sich auch in seiner Freizeit gerne draußen auf. „Am liebsten unternehme ich mit meiner Frau und den Kindern Fahrradtouren“ verrät er. Auch Motorradfahren gehört zu seinen Leidenschaften. „Leider kann ich nicht mit dem Motorrad zur Baustelle fahren“, sagt er lachend. Das wäre angenehmer, denn die die Baustellenfahrzeuge sind nicht klimatisiert. Doch wohin mit all dem Werkzeug?

Viel Hitze am Dönergrill

Burak Atli vor dem Dönergrill. | Foto: Cichon2018/08/Hitze-Burak-Atli-Donergrill-ci.jpg

(ci) Schnell mal einen Döner holen, denkt sich so mancher Laufer in der Mittagspause. Bei 35 Grad Außentemperatur fließt der Schweiß schon auf dem Weg zum Restaurant. Wie muss es erst Mitarbeitern gehen, die bei dieser Hitze beispielsweise am Dönergrill stehen?

Man betritt das Restaurant und rechnet fest damit, in der nächste Sekunde gegen eine Hitzewand zu laufen. Doch was ist das? Kühle? Angenehm klimatisiert kommt der Innenraum beim Restaurant Atli am Friedensplatz daher.

„Früher waren die Temperaturen vor allem an unserem Arbeitsplatz hinter der Theke unerträglich. Seit ein paar Jahren haben wir eine Klimaanlage. Das ist auch angenehmer für die Gäste“, erzählt Burak Atli von der Besitzerfamilie.

Es werde trotzdem immer noch ganz schön warm im Küchenbereich hinter der Theke, erzählt er weiter, denn der Grill strahlt natürlich extrem Wärme ab, „aber es ist deutlich besser als früher“. Die Angestellten dürften bei der Hitze auch schon mal kurze Hosen und luftige Kleidung tragen, um sich so den hohen Temperaturen anzupassen. „Man muss natürlich auch viel trinken.“

Um sich selbst Abkühlung zu verschaffen, geht Atli morgens vor der Arbeit oder in der Mittagspause auch mal ins Freibad. „Ansonsten setze ich mich daheim vor den Ventilator.“

Dass es bei der Hitze weniger Gäste gibt, bemerkt Atli kaum. Dafür bestellen die Leute eher Salat oder auch leichtere Gerichte bei den aktuellen warmen Temperaturen, ist aufgefallen.

Geht ein Bademeister noch baden?

Michael Meier im Röthenbacher Freibad. | Foto: Buchner-Freiberger2018/08/hitze-bademeister-meier-roth.jpg

(bu) Geht ein Bademeister bei dieser Hitze gern schwimmen? „Nein“, sagt Michael Meier, Fachangestellter für Bäderbetriebe im Röthenbacher Freibad. „Ich springe höchstens vor oder nach dem Dienst kurz ins Wasser, um mich abzufrischen.“ Wenn man die Nachmittagsschicht ab 12.30 Uhr habe, sei es zurzeit schon heftig mit der Hitze. „Ich lasse meine Kappe auf, halte dazwischen mal die Füße ins Wasser und schwitze ansonsten vor mich hin“, meint Meier schmunzelnd, der seit über 20 Jahren im Röthenbacher Freibad arbeitet.

Trotzdem ist ihm und seinen Kollegen ein Sommer mit Temperaturen jenseits der 30 Grad deutlich lieber als wenn es wochenlang regnet. „Da sitzt du rum wie Falschgeld.“ Die Besucherzahlen in Röthenbach sind zwar sehr gut – am Dienstag wurde mit insgesamt 42 000 Badegästen in diesem Jahr schon der Wert erreicht, den man 2017 in der kompletten Saison zählte. Von den Rekordergebnissen, zum Beispiel aus dem Jahr 2003, ist man trotzdem noch ein gutes Stück entfernt. „Früher hatten wir schon mal 3000 Besucher am Tag.“ In diesem Jahr war der beste Tag der vergangene Dienstag mit 2190 Gästen.

Allerdings seien heuer viele auswärtige Besucher im Bad im idyllischen Pegnitzgrund, haben Michael Meier und seine Kollegen beobachtet. Außerdem zahlreiche Mütter mit Kindern. Die Gruppe der 14-bis 18-Jährigen dagegen fehlt weitgehend. Relativ ruhig und gesittet gehe es trotz der vielen Menschen im Bad zu, sagt Meier.

Größter „Aufreger“ der letzten Tage war ein Hund, der bei einem Spaziergang seinem Frauchen entkam, durch die Hecke ins Bad gelangte, sich dort begeistert einen Ball von spielenden Kindern schnappte und in Richtung Becken rannte. Mithilfe eines Besuchers konnte Michael Meier den Gast wieder einfangen und seinem Frauchen übergeben.

Pflanzen leiden, Tiere dösen

Gerd Schlieper kämpft gegen das Unkraut. | Foto: Maria Braun2018/08/hitze-landwirt-mittelbug-schlieper-foto-maria-braun.jpg

(mb) „Wer von euch möchte Unkraut jäten?“, fragt Gerd Schlieper, Leiter des Futterhofs für den Nürnberger Tiergarten, in die Runde neugieriger Kinder. Die sind im Rahmen des Tages der offenen Tür zu Gast auf dem Gutshof Mittelbüg in der Außenstelle in Schwaig. Heiß ist es an diesem Tag, die Hitze ist auch für den Biolandwirt eine lästige Angelegenheit. Er zeigt auf den Acker hinter sich, auf dem Futterrüben angebaut sind: „Die Nutzpflanzen leiden unter der Trockenheit und den Hochsommertemperaturen, während sich das Unkraut stetig ausbreitet“, erzählt der Fachmann.

Von dem Karottenfeld geht er weiter. Saftige Wiesen tauchen auf. Damit sie so grün sind in diesem Sommer, müssen sie den ganzen Tag bewässert werden. „Wenn wir das nicht machen, verbrennt der Rasen und ist dann nutzlos für uns.“

Auch die Bäume auf dem Schwaiger Hof leiden sehr unter der Trockenheit. Äste sind abgebrochen. „Man wird erst im nächsten Jahr das Ausmaß der Schäden sehen“, sagt Schlieper. Nach der Hitze und Trockenheit 2015 hatte er besonders an den Kiefern Schäden festgestellt. „Das ist auch für das nächste Jahr zu erwarten“, prognostiziert er. Wie bei den Karotten sieht es auch beim Heu aus. Allerdings kann Schlieper da auf eingelagerte Vorräte zurückgreifen.

„Das Wichtigste ist das Vorausplanen. Man muss auf alles gefasst sein“, sagt der Landwirt. So passen die Arbeiter des Gutshofes ihren Arbeitsalltag dem Stand der Sonne an. „Wir beginnen früh und versuchen möglichst im Schatten zu arbeiten.“ Sonnen-und Mückenschutz und ausreichende Trinkpausen sind bei der Arbeit im Freien essentiell.

Neben der Ackerwirtschaft hat der Gutshof Mittelbüg auch Tiere: Er pflegt unter anderem erkrankte Tiere des Tiergartens Nürnberg. Schafe, Esel, Murmeltiere und ein Tapir leben zur Zeit hier. Einige von ihnen müssen in Quarantäne sein. Obwohl sie geschwächt sind, kommen sie mit der Hitze besser zurecht, als die Arbeiter des Hofes. „Die Tiere sind klug genug, sich den hohen Temperaturen anzupassen.“

Retten und helfen auch bei 35 Grad im Schatten

Tobias Engelmann vor seinem Rettungswagen. | Foto: ASB2018/08/Tobias-Engelmann-ASB-Rettungsdienst-Foto-ASB.jpg

(ik) Erschöpfung, Schwächeanfälle, Hitzekollaps – dass das Thermometer schon seit 14 Tagen fast täglich deutlich über die 30 Grad Marke klettert, merken auch Tobias Engelmann und seine Kollegen von der Rettungswache des ASB Nürnberger Land.

„Seit der letzten Woche haben wir verstärkt Einsätze in Sache Hitze. Vor allem Senioren leiden unter den Temperaturen“, sagt der 32-jährige Rettungsassistent. Am Einsatzort wird geschaut, wie es den Betroffenen geht. Ist der Kreislauf stabil, der Puls normal? „Oft haben die Leute zu wenig getrunken. Das führt schnell zu Schwindel“, sagt der 32-Jährige. Ist der Zustand bedenklich oder kommen weitere Beschwerden hinzu, werden die Patienten ins Krankenhaus gebracht. „Wir versuchen das aber natürlich, wenn möglich, zu vermeiden“.

Doch auch die Retter selbst haben mit der Hitze zu kämpfen. 15 Hauptamtliche und ebenso viele Ehrenamtliche sind beim Rettungdienst des ASB beschäftigt. Die Rettungswache am Laufer Südring ist rund um die Uhr besetzt. Steht kein Einsatz an, geht es den Rettern ganz gut: In den Räumen im ersten Stock stehen Ventilatoren, kühle Getränke helfen, während der Schicht fit zu bleiben. „Der Chef hat auch schon einige Extrarunden Eis spendiert“, verrät Tobias Engelmann. Auch kurze Hosen werden derzeit in den Pausen toleriert.

Doch sobald es zum Einsatz rausgeht, wird es anstrengend: Denn da ist für die Retter ist aus Sicherheitsgründen die volle Montur Pflicht: Lange Hosen, feste Schuhe, schwere Jacke mit Reflektoren, die sie als Helfer gut erkennbar machen. Bei 30 Grad und mehr kein Spaß. Immerhin sind die Einsatzfahrzeuge klimatisiert. „Doch zwei oder drei Stunden bei einem Einsatz auf der Autobahn bei den Temperaturen sind schon hart“, sagt Tobias Engelmann. „Neulich standen wir in der prallen Sonne“. Auch das Tragen von Patienten strengt in diesen Tagen körperlich mehr an als sonst, „glücklicherweise haben wir ja meist nur kurze Wege“.

Engelmanns persönliches Rezept gegen die Hitze: „Nach der Arbeit raus zum Happurger Stausee.“ Als Rettungsassistent hat der 32-jährige Reichenschwander natürlich auch ein paar Tipps parat: „Im Freien immer eine Kopfbedeckung tragen, viel trinken und vor allem die Sonne eher meiden“.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung