In Simmelsdorfer Mühle fällt der Vorhang

Die Simmelsdorfer Mühle, wie sie die Gäste der vergangenen zehn Jahre kennen. Dieses Kapitel ist Ende Dezember beendet, Andrea Lipka zieht ins "Tausendschön" nach Schnaittach um.2009/12/20091203_simmelsdorfermuehlefoyer_big.jpg

SIMMELSDORF (mz) – Andrea Lipka und ihr Mann Ralph Friedewald stellen den Spielbetrieb in der Simmelsdorfer Mühle bereits Ende des Monats ein. Die letzte Aufführung findet am 26. Dezember statt («Die Rache der Weihnachtsgans»).

Alle Aufführungen finden ab Januar im «Tausendschön» in Schnaittach statt, das die beiden im Juli eröffneten. Für Simmelsdorf «ein herber Verlust», wie Bürgermeister Perry Gumann sagt.

Der Abschied schmerze sie, teilen Andrea Lipka und ihr Mann Ralph Friedewald in einer Pressemitteilung mit. Aber viele kleine Dinge hatten zu diesem «notwendigen Schritt» geführt: Nach über elf Jahren Kleinkunstprogramm in der historischen Mühle mit über 10 000 Zuschauern im Jahr verlagern die Theaterleiter den Spielbetrieb komplett nach Schnaittach.

Gründe für den Umzug sind ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Die gestiegenen Energiekosten erschwerten den Kulturbetrieb in dem zwar schönen, aber historischen Objekt durch einen extrem hohen Heizaufwand. Da parallel kein Signal auf eine mögliche Erhöhung der Zuschüsse von Seiten der Gemeinde Simmelsdorf erkennbar gewesen sei, wurde ein Weiterbetrieb der Mühle wirtschaftlich immer schwerer. Lipka führt in diesem Zusammenhang neben unzähligen ehrenamtlichen Stunden, die sie und ihr Mann eingebracht hätten, über 35000 Euro Verlust an, die sie aus eigener Tasche getragen habe. Nur so habe der Kulturbetrieb fortgesetzt werden können.

Der Gemeinderat Simmelsdorf hatte zwar für 2009 von 2000 auf 3000 Euro Zuschuss erhöht, «jedoch stieß bereits dies auf öffentlich ausgetragenen Widerstand Einzelner», schreibt Lipka. Mit Blick auf alle Zuschüsse für den gemeinnützigen Theaterverein, der den Spielbetrieb trägt, habe die Mühle weniger als fünf Prozent von dem erhalten, was beispielsweise das Dehnberger Hof Theater bekommt.

«Nicht wirklich gekränkt, aber es öffnet die Augen für Alternativen», antwortet Andrea Lipka auf eine entsprechende Frage der Pegnitz-Zeitung. Zum richtigen Zeitpunkt sei aus Schnaittach das Signal gekommen, dass Kultur erwünscht und auch gewollt sei.

Simmelsdorfs Bürgermeister Perry Gumann bedauert dies. «Das ist eine traurige Angelegenheit für Simmelsdorf und sehr schade gerade im Hinblick auf die kulturelle Vielfalt», sagt er. Vorzuwerfen habe sich der Gemeinderat nichts, auch wenn die Diskussion um die Zuschusserhöhung unverständlich und unnötig gewesen sei. Lipka, die Bürgermeisterstellvertreterin im Rathaus ist und weiter in Simmelsdorf wohnen möchte, habe nie mehr als geringe Zuschüsse beantragt

Um den Spielbetrieb im Ort zu halten, wäre aber mehr Geld nötig gewesen, als die Gemeinde dafür ausgeben könnte. Der berufliche Schritt nach Schnaittach sei deshalb verständlich. Kein Selbstständiger könne sich ernsthaft so eine Chance entgehen lassen.

So sagt auch Lipka, dass die Eröffnung des «Tausendschön» eine «Flucht nach vorne» gewesen sei. Nicht nur der helle, lichte Theatersaal sei größer, auch das zugehörige Restaurant mit Küche biete mehr Einnahmemöglichkeiten, womit der Kulturbetrieb besser finanziert werden kann.

Die Programmstruktur bleibt im Wesentlichen unverändert, Andrea Lipka spielt derzeit zehn verschiedene eigene Stücke. Dazu kommt die von der Brauerei Wolfshöhe veranstaltete «Kult-Comedy»-Reihe mit Moderator Matthias Matuschik. Auch Gastspiele gehören fest zum Kulturangebot, etwa von TBC, Günter Stössel, Mäc Härder oder Aurel Bereter. 2010 soll noch Kindertheater dazukommen.

Wie gewohnt, wird es auch immer wieder Premieren neuer Eigenproduktionen geben, die nächste ist für 4. April in Planung. Hierfür arbeitet Lipka wieder mit der Heuchlinger Autorin Renate Scholz zusammen, die bereits die Produktion «Silberhochzeit – das Gröbste hätten wir schon» geschrieben hat und als Mitautorin an «Elfriedes Welt» beteiligt war. Der Titel lautet «Bettgeschichten» – aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt – es geht um die Geschichte des Bettes von Adam und Eva bis zur Jetztzeit – von Wochenbett über Arbeitsplatz bis Totenbett.

Gutscheine für die Simmelsdorfer Mühle gelten noch bis Ende 2010 im «Tausendschön».

N-Land Pegnitz-Zeitung
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