Ein fulminantes Feuerwerk aus 22 Eigenproduktionen

Die Hausherrin der Simmelsdorfer Mühle, Andrea Lipka, inmitten „ihrer“ Männer: Ihre Schauspielpartner und ganz links hinten Ehemann Ralph Friedewald, der den Abend moderierte. Foto: F. Raabe2008/12/20081203_simmelsdorfermuehlegala_big.jpg

SIMMELSDORF — Zehn Jahre besteht die Kleinkunstbühne in der Simmelsdorfer Mühle. Die Hausherrin Andrea Lipka und ihr Mann Ralph Friedewald entschieden sich für eine Gala mit einem Rückblick auf zehn Jahre Kulturschaffen auf dem Lande.

Launig führte Ralph Friedewald durch das Programm, warf Schlaglichter auf das tägliche Tun und Treiben, das nötig ist, um einen solchen Betrieb in Gang zu halten, erlaubte heitere und besinnliche Blicke hinter die Kulissen, gab einen chronologischen Abriss der Ereignisse, die den Erhalt der Mühle dokumentieren, zeigte auf, welche Hindernisse politischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur überwunden werden müssen, wenn „Theatervolk“ aufs Land kommt und sich etablieren will.

Er grüßte die anwesende lokale Politprominenz, ehrte verdiente ehrenamtliche Mitarbeiter und ausdauernde Zuschauer und verteilte großzügig Magnumflaschen mit dem guten Pyraser.

Gut gelaunt moderierte er die Auszüge aus inzwischen 22 Eigenproduktionen der Simmelsdorfer Mühle, die das Publikum bestens unterhielten und den „Rückblicksmarathon“ kurzweilig gestalteten.

Schon der erste Sketch Andrea Lipkas mit ihrem langjährigen Bühnenpartner Jürgen Morlock zeigte deutlich, weshalb das Publikum so gerne in die Mühle kommt: Hier wird Lachen und Freude mit Niveau und Hintersinn erzeugt, ohne auf Fäkalhumor oder Plattheiten zurückzugreifen.

Die Ansprache des Landrates und gleichzeitig Schirmherrn der Veranstaltung, Armin Kroder, machte im Anschluss einen weiteren wesentlichen Teil des Erfolgskonzepts der Simmelsdorfer Mühle klar: Beharrlichkeit. Sehr anschaulich wies der Landrat darauf hin, dass nur durch zielstrebiges Handeln ein solcher Traum verwirklicht werden kann, und lobte die beiden Theaterbetreiber für ihren Einsatz, ihre Energie und Leidenschaft, die die Simmelsdorfer Mühle zu einem Bestandteil der Kultur des Nürnberger Landes macht, der nicht mehr wegzudenken ist.

„Comedy-Medley“ aus zehn Jahren Danach brannte Andrea Lipka mit ihren Bühnenpartnern Birgit Leisch, pointiert wie immer, Thomas Hartmann, der fleischgewordene „Groove“, Klaus Lumpp, mit gewohnter Präsenz, und immer wieder Jürgen Morlock, der in fünf der 22 Eigenproduktionen Lipkas kongenialer Bühnenpartner ist, ein fulminantes Feuerwerk unterschiedlichster Szenen aus den vergangenen zehn Jahren ab.

Das Publikum war wieder einmal von ihrer Vielseitigkeit, ihrer Wandlungsfähigkeit und der ansteckenden Spielfreude begeistert. Nur einige wenige ihrer Figuren seien erwähnt: die spießige Mutter, die ihre Lieben mit gekünstelter Weihnachtsromantik terrorisiert, die bodenständige Putzfrau Elfriede Rumpler mit dem Blick fürs Wesentliche, die verführerisch wirbelnde Bauchtänzerin, die Klosterschülerin, die ihr erotisches Kuckucksnest entdeckt – immer ist sie überzeugend und erobert das Herz der begeisterten Zuschauer mit Liebe und Verstand.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung