Nürnberger Land erstellt Radverkehrskonzept

Sicher mit dem Rad zur Arbeit

Der Radweg an der B14, wie hier bei Rückersdorf, ist im Augenblick die einzige echte Schnellroute im Landkreis, die Radfahrer zum Pendeln nutzen können. | Foto: PZ-Archiv/Kirchmayer2017/05/B14-Ruckersdorf-Radweg.jpg

NÜRNBERGER LAND — 19 Radwege gibt es im Nürnberger Land. Sie sind vor allem touristisch ausgelegt, sprich: Die Schönheit der Strecke ist meist wichtiger als ihre Alltagstauglichkeit. Und so sind viele schlecht ausgeschildert, weder asphaltiert noch beleuchtet oder enden im nächsten Ort an der Bordsteinkante. Um das zu ändern und das Fahrrad als echte Alternative zu Auto und öffentlichem Nahverkehr zu etablieren, lässt der Landkreis nun ein Radverkehrskonzept erstellen.

Das Fahrrad nicht nur als Sportgerät in der Freizeit, sondern auch als Alltagsfahrzeug, um von A nach B zu kommen: Das ist der Wunsch von Tina Paulus, die am Landratsamt in Personalunion Radverkehrsbeauftragte und Klimaschutzmanagerin ist. Das passt wunderbar zusammen, denn wer aufs Rad steigt, spart jede Menge CO2 und tut dabei noch etwas für seine Gesundheit.

Umso wichtiger war es Paulus, die Räte des Kreisentwicklungsausschusses davon zu überzeugen, dass ein solches Konzept für den Landkreis sinnvoll wäre. Das klappte am Ende zwar nicht bei allen, der Ausschuss stimmte aber trotzdem mit 8:6 für das Konzept (dagegen waren die fünf CSU-Räte und der FDP-Rat).

Das Konzept soll vor allem ein alltagstaugliches Radverkehrsnetz mit schnellen und direkten Verbindungen zwischen den Gemeinden sowie den einzelnen Ortsteilen erarbeiten, erklärte Paulus. Dabei sollen alle Nutzer berücksichtigt werden, vom sportlich-dynamischen bis zum vorsichtig-defensiven Fahrer. Dafür müsse man „nicht alles mit Radwegen zupflastern“, sondern vielmehr herausfinden, welche Strecken die wichtigsten Verbindungen im Nürnberger Land sind. Diese sollen dann zum Hauptnetz ausgebaut werden – unter Einhaltung gewisser Mindeststandards. Erst in einem zweiten Schritt könnten ein Nebennetz und ein Freizeitnetz folgen.

Eine solche Schnellroute gibt es bereits. Sie führt von Lauf bis nach Nürnberg meist entlang der B 14 und wird schon jetzt gerne von Pendlern genutzt. Doch auch hier gibt es gerade in den Ortsdurchfahrten in ­Schwaig und Rückersdorf noch Nachbesserungsbedarf, vor allem was die Sicherheit der Radler betrifft, die hier über den Radweg an diversen Einmündungen und Grundstücksausfahrten vorbei müssen.

Beratung durch Experten

Um das Radverkehrskonzept zu erarbeiten, will Paulus mit externen Partnern zusammenarbeiten. Diese sollen zunächst den Ist-Zustand aufnehmen und dabei auch das Radwegekonzept berücksichtigen, das der Landkreis bereits 2014 erstellen ließ, das sich vom Radverkehrskonzept aber grundlegend unterscheidet: „Es ist eher eine Mängelliste, die aufzählt, wo es im Landkreis hakt, ohne Lösungen anzubieten“, erklärte Paulus. Zudem beleuchtet das Radverkehrskonzept die gesamte Infrastruktur, wie Park&Ride-Möglichkeiten, öffentliche Abstellanlagen, Ebike-Ladestationen, Ampelanlagen, die Radwegebeschilderung und -beleuchtung sowie vieles mehr.

Aus all diesen Erkenntnissen sollen dann der Handlungsbedarf bis etwa zum Jahr 2025 abgeleitet sowie Schwerpunkte und Prioritäten festgelegt werden. Dabei stehe die Verkehrssicherheit für Radfahrer ebenso im Mittelpunkt wie die Bewerbung des Fahrrads als Alltagsverkehrsmittel. Bestehende Aktionen wie das Stadtradeln sowie weitere Akteure aus dem Radbereich und die Wünsche der Bürger sollen mit einbezogen werden.

Die Karte zeigt als blaue Pfeile die „wünschenswerten Alltagsverbindungen“, die Radverkehrsbeauftragte Tina Paulus ausfindig gemacht hat.2017/05/radverkehrskonzept-nbg-land-karte.jpg

„Geld und Grundstücke fehlen“

Die CSU-Räte glaubten nicht, dass es ein solches Radverkehrskonzept wirklich braucht. „Das hilft uns nicht weiter“, sagte Frank Pitterlein. Zum einen mangle es an Geld für die Umsetzung, zum anderen komme man nicht an die für einen Ausbau nötigen Flächen heran, die zum Teil in Privatbesitz sind. „Da kann ich als Bürgermeister planen und Konzepte erstellen, wie ich will“, sagte der Schnaittacher. Die CSU würde das Geld lieber dafür verwenden, die bestehende Mängelliste abzuarbeiten. Zudem sei es zwar „ein hehres Ziel“, den Radverkehr als Alternative zum Auto zu etablieren, man dürfe dabei aber nicht den öffentlichen Nahverkehr vergessen.

Landrat Armin Kroder brachte einen weiteren Aspekt ins Spiel. So sehe die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V. (AGFK) ein solches Konzept als Grundlage für eine weitere Mitgliedschaft. Das Nürnberger Land ist seit der Gründung im Jahr 2012 dabei. Lässt es das Konzept nicht erstellen, könnte es zum Rauswurf kommen, mahnte auch Grünen-Kreisrat Thiemo Graf.

Andreas Kögel (CSU) wollte wissen, wie die anderen an der AGFK beteiligten Landkreise verfahren. Kreisentwickler Bernd Hölzel antwortete, dass sowohl die Landkreise Neustadt Aisch/Bad Windsheim, Fürstenfeldbruck und Coburg solche Konzepte haben, grundsätzlich aber nur wenige Landkreise in der AGFK Mitglied sind. Das brachte Kögel dazu, die Mitgliedschaft des Landkreises generell in Frage zu stellen. „Wir haben entschieden, dass wir als gesamter Landkreis beitreten und nicht jede Kommune einzeln“, erinnerte der Landrat. Auf diese Weise habe man auch nur einmal die Aufnahmegebühr bezahlt.

Ebikes eröffnen neue Möglichkeiten

Selbst wenn man eine solche Zertifizierung in Frage stellen wollte, gehe es ja noch um etwas ganz anderes, sagte Martina Baumann (SPD). Und zwar um die Menschen, die das Rad als Ersatz für das Auto nutzen. Gerade die Verbreitung der E-Bikes motiviere noch mehr dazu, den Arbeitsweg mit dem Rad zurückzulegen, weil man nicht verschwitzt dort ankommt. Für diese Menschen müsse es sichere Wege geben. Dies von Experten beleuchten zu lassen, halte sie für äußerst sinnvoll.

Thiemo Graf von den Grünen zeigte sich sowohl als Verfechter der Mitgliedschaft im AGFK als auch des Radverkehrskonzepts. Schließlich sei die Mobilität auch ein wichtiger Standortfaktor für den Landkreis. „Die Frage ist: Welche Fortbewegungsmöglichkeiten wollen wir den Bürgern anbieten?“ Dies sei eine wichtige Querschnittsaufgabe für alle Kommunen im Nürnberger Land. Der Radverkehr sei ein wichtiges Zukunftsthema, vor allem im Hinblick auf den Klimaschutz. Aber auch um den ständig steigenden Kfz-Zulassungszahlen entgegenzuwirken, die zu verstopften Straßen und Parkplatzknappheit führen.

Aufgrund der mehrheitlichen Zustimmung des Ausschuss werden nun 50 .000 Euro für die Erstellung des Radverkehrskonzepts in den Haushalt eingestellt. Über das Leader-Programm wird eine 50-Prozent-Förderung erwartet.

N-Land Tina Braun
Tina Braun