Urlaub im OP statt am Strand

Bleibende Eindrücke und Erfahrungen beim Einsatz für die „Feuerkinder“ sammelte Ärztin Dr. Katrin Merz vom Klinikum Nürnberg (hier nach dem Sonntagsgottesdienst mit einer Gruppe Kinder).2010/05/Feuerkinder-Tansania.jpg

RUMMELSBERG – Safaris, Nationalparks, Luxuslodges, Traumstrand und Sansibar, das ist die eine Seite Tansanias, die Touristenansicht. Ganz andere Einblicke gewann Dr. Katrin Merz in ihrem Tansaniaurlaub: Sie verbringt ihre freien Tage nicht am Strand oder beim Fotografieren von Giraffe und Co., sondern im OP des Nkoaranga-Krankenhauses in der Nähe von Arusha /Nordtansania.
Merz, Assistenzärztin in der Facharztausbildung plastische Chirurgie am Südklinikum Nürnberg (Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte), verstärkt dieses Jahr das „Feuerkinderteam“ um die Rummelsberger Chefärztin Dr. Annemarie Schraml (Orthopädie) und den Nürnberger Anästhesisten Dr. Heinz Giering. Seit über zehn Jahren fliegt das Helferteam aus Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Helfern inzwischen ein- bis zweimal jährlich nach Nordtansania, um dort Kinder und Jugendliche zu operieren. Jetzt, Anfang Juni, ist es wieder so weit, und der dritte Einsatz für die angehende plastische Chirurgin.
Rein über Spendengelder finanziert sich die Hilfsaktion „Feuerkinder“, die zudem auch Verbesserungen im Krankenhaus, Hilfe zur Selbsthilfe und kleine Projekte vor Ort leistet. Nachhaltigkeit ist den engagierten Helfern ein großes Anliegen und somit unterstützen sie die medizinischen Grundversorgung beispielsweise mit einer Ambulanzstation („Dispensary“), schulen Ärzte und Schwestern, helfen dem Rehabilitationszentrum für Menschen mit Körperbehinderung Usa-River und vieles mehr.
„Diese Wochen sind ungemein anstrengend“, stellt Merz fest, „denn natürlich wollen wir so vielen wie möglich helfen“. Nach den ersten Tagen mit den vielen Voruntersuchungen, zu denen die Menschen oft tagelang anreisen, steht der OP-Plan für die restlichen drei Wochen. Operiert wird den ganzen Tag, ohne große Pause, soviel wie sie leisten können.
Bei der begrenzten Zeit und den Möglichkeiten vor Ort stehen die Ärzte immer vor schwierigen Entscheidungen: Was ist nötig, was machbar, was nutzt dem Patienten am meisten. Funktion vor Schönheit – dieses Prinzip steht an erster Stelle. Komplizierte Eingriffe über mehrere Jahre verteilt mit intensiver Physiotherapie und Kontrolluntersuchungen, die zudem entsprechende Nachsorge und Hygiene voraussetzen – das ist bei den Lebensumständen in Tansania schlicht utopisch. „Viele der Krankheitsbilder hier gibt es in Deutschland nicht“, betont Merz und meint damit Verbrennungen mit schwerster Narbenbildung und gravierenden Gelenkfehlstellungen, zudem die starken Missbildungen von Armen und Beinen durch Mangelernährung und Knochenverformungen. Für den kommenden Einsatz hat die junge Frau bereits Fotos eines jungen Verbrennungspatienten gesehen: Daumen und die Finger sind bei ihm in extremster Fehlstellung mit dem Unterarm verwachsen.
Warum verbringt jemand seine Urlaubstage in einem OP in Afrika? Für Merz gibt es dafür viele Gründe. Nicht zuletzt sieht sie in ihrem Engagement einen „echt notwendigen“ Grundstein der plastischen Chirurgie, die eben nicht nur aus Geldverdienen, Brüsten, Nasen und anderen Schönheits-OPs besteht. Auch ihre christliche Einstellung, die Überzeugung, von dem Guten, das sie erhalten hat, etwas an andere weiterzugeben, sind wichtige Motive. Überwältigt zeigt sie sich von den vielen Eindrücken, den Menschen, die sie dort kennen lernte, deren Freundlichkeit, Ausstrahlung, ihrer Neugierde auf „die Deutschen“, von der Geduld, Lebensfreude und Gelassenheit, mit der sie trotz ihrer Armut ihren schwierigen Alltag bewältigen.
Für Merz waren und sind Tansania und die Hilfsaktion „Feuerkinder“ eine prägende Erfahrung, die sie nur jedem angehenden Arzt empfehlen kann – um Menschen zu gewinnen, die sich für ihre Mitmenschen christlich-humanitär und fachlich engagieren wollen. Mehr Informationen zur Hilfsaktion „Feuerkinder“ gibt es im Internet unter www.feuerkinder.de.

N-Land Dorothée Krätzer
Dorothée Krätzer