Gemeinderat entschied sich für eine Bewerbung – Ruth Dorner aus Neumarkt: „Ein enormer Imagegewinn“

Schwarzenbruck will Fair-Trade-Gemeinde werden

Die Stadt Neumarkt war erste Fair-Trade-Stadt in Bayern. Stadträtin und Nachhaltigkeitsreferentin Ruth Dorner (links) warb nun in Schwarzenbruck für die Idee. Foto: Stadt Neumarkt2014/07/fair_trade.jpeg

SCHWARZENBRUCK – Citta slow war mal, willkommen in der Fair-Trade-Gemeinde Schwarzenbruck! Wenn es nach dem Willen der Gemeinderäte geht – und die haben in ihrer letzten Sitzung mehrheitlich die Weichen gestellt – dann darf sich die Kommune in absehbarer Zeit so bezeichnen. Der Anstoß für eine entsprechende Bewerbung kam von der Gruppe Agenda 21 und als „Geburtshelferin“ hatte man sich aus dem benachbarten Neumarkt die Stadträtin und Referentin für Nachhaltigkeitsförderung, Ruth Dorner, eingeladen. Neumarkt war in Bayern bei dieser Idee Vorreiter und die erste Stadt, die sich mit diesem Titel schmücken durfte, „noch vor Nürnberg“, wie sie nicht ohne Stolz vermeldete.

Die Kampagne startete 2000 in Großbritannien und seitdem hat der Verein „Trans Fair e.V.“ über 1000 Städte und Kommunen ausgezeichnet. Der Titel bedeutet, dass sich eine ganze Gemeinde für einen fairen Handel einsetzt. Ob im Rathaus, in der Kantine, im Café, im Sportverein oder im Lebensmitteleinzelhandel, für den fairen Handel gibt es, wie Ruth Dorner erläuterte, viele Anknüpfungspunkte.

Der „Faire Handel“ soll Kleinbauern und benachteiligte Kleinproduzenten in Entwicklungsländern fördern und Produkte aus Kinderarbeit vermeiden.

Langfristige, partnerschaftliche Beziehungen und faire Preise sollen den Kleinbauern helfen, ihre Existenz zu sichern. Der kombinierte Anbau von Exportprodukten und Erzeugnissen für den regionalen Markt bzw. die Selbstversorgung hilft Millionen von Menschen, der Armut zu entkommen. Der „Faire Handel“ unterstützt die Zusammenschlüsse von Kleinbauern und fördert ihre Aus- und Weiterbildung. Der „Faire Handel“ setzt sich für ein Handelssystem ein, in dem Menschenrechte vor Handelsrechte gestellt werden sowie soziale, ökonomische und ökologische Gerechtigkeit angestrebt wird.

Mit dem Kauf der fair gehandelten Produkte wird den Produzenten dieser Waren ermöglicht, ein menschenwürdiges Leben ohne Hunger zu führen. Städte und Gemeinden können, so Dorner, einen maßgeblichen Teil dazu beizutragen, die Arbeitsbedingungen im Welthandel zu verbessern.

Das Umdenken, so Dorner, sei ein langwieriger Prozess und man müsse dicke Bretter bohren. Änderungen herbeizuführen sei schwierig, aber je mehr Städte und Kommunen sich der Bewegung anschließen, um so mehr Zeichen setze man, „denn Kommunen haben eine Macht“.

Fünf Kriterien

Fünf Kriterien müssen erfüllt sein, um die Auszeichnung zu erhalten: Der Gemeinderat muss den Schritt beschließen; eine lokale Steuerungsgruppe mit einem Verantwortlichen aus der Verwaltung muss installiert werden; in lokalen Einzelhandelsgeschäften werden Produkte mit dem Fairtrade-Siegel angeboten und in Cafés und Restaurants Fair-Trade-Produkte ausgeschenkt; in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden entsprechende Produkte verwendet und Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt; die Aktivitäten müssen entsprechend öffentlichkeitswirksam dargestellt werden.

Dorner machte deutlich, dass die Idee zwischenzeitlich in der Metropolregion schon sehr weit fortgeschritten sei und rund 15 Gemeinden und Städte bereits Mitglied seien. Derzeit laufen Bestrebungen, diese Kommunen innerhalb der Metropolregion zu vernetzen und sich gemeinsam als Fair-Trade-Metropolregion zu bewerben.

Sie berichtete über konkrete Beispiele aus der Stadt Neumarkt und davon, dass die Idee zu einem Selbstläufer wird, wenn der Anfang einmal gemacht ist. „Wenn die Kommune ein Signal gesetzt hat, dann machen die Leute mit“, berichtete Dorner aus ihrer Erfahrung und ermunterte dazu, sich der Idee anzuschließen. „Mit der Auszeichnung haben sie ein hervorragendes Marketinginstrument“, war ihre Einschätzung.

Bürgermeister Bernd Ernstberger nahm Dorners Ausführungen zum Anlass, für einen Beitritt zu votieren. Die Idee setze ein Zeichen, dem man sich nicht verschließen sollte und es engagierte Leute in der Gemeinde gibt, die den Prozess voranbringen.

Helga Schiel (Grüne) betonte seitens der Grünen, dass man sich schon lange mit dem Thema auseinandersetze und sich für eine Bewerbung ausspreche. Manfred Neugebauer (SPD) lobte den Antrag der Agenda 21 und meinte, dass letztendlich jeder seinen Beitrag leisten könne.

Etwas skeptischer äußerte sich Jürgen Hopf (CSU), der neue Verwaltungsakte und Bürokratie befürchtet, was aber Ruth Dorner damit konterte, dass es kein anderes Siegel gibt, das weniger Bürokratie verlangt als Fair-Trade. Tanja Holl (SPD) fand, dass nur wenig Aufwand betrieben werden muss und man auf vorhandene Ressourcen zurückgreifen könne, die die Arbeit erleichtern. Nach über einstündiger Diskussion entschied man sich mit 14:7 Stimmen dafür, den Prozess der Bewerbung auf den Weg zu bringen.

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