Evangelische Kirchengemeinde Schwarzenbruck feierte mit einem Festgottesdienst das 60-jährige Bestehen

Martin-Luther-Kirche eine Zeugin der Hoffnung

60 Jahre Martin-Luther-Kirche. Darüber freuten sich (v.l.): Diakonin Sheryl Campbell, Dekan Jörg Breu, Pfarrerin Susanne Munzert und Prädikantin Ursula Gräfin Praschma. Im Hintergrund: Martin Pielmann, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. | Foto: privat2015/11/jubuiläum_kirche_sb.jpg

SCHWARZENBRUCK – Die evangelische Kirchengemeinde hat in einem Festgottesdienst das 60-jährige Bestehen ihrer Martin-Luther-Kirche gefeiert. Nach einer Bauzeit von nur einem Jahr war die Kirche am 6. November 1955 feierlich eingeweiht worden.
So zog in seiner Predigt Dekan Jörg Breu auch einen historischen Bogen von der durch den Architekten Julius Lincke sehr historisierend geplanten Martin-Luther Kirche zur Tätigkeit Linckes in der Zeit des Nationalsozialismus. Lincke habe als zuständiger Denkmalschützer den Abriss der Nürnberger Hauptsynagoge am Hans-Sachs-Platz im Sommer 1938 ausdrücklich begrüßt und vorangetrieben.
Er sah in diesem Abriss eine „Erhaltung des Stadtbildes“ im Sinne des Mittelalterbildes des Nationalsozialismus. Offenbar wollte Lincke einiges „wiedergutmachen“, so auch mit dem Wiederaufbau der Lorenzkirche in Nürnberg. Letztlich sei es ein Glücksfall, dass Lincke als erfahrener Baumeister mit Zugang zu Ressourcen und Steinen nach seiner Freilassung durch die Amerikaner, Zeit gehabt habe, in Schwarzenbruck zu planen und zu bauen.
Auch Bauleiter Winfried Heller sei ein Mann hoher Kompetenz gewesen, der später, wie in Moosbach, Kirchen in eigener Regie baute.
Breu freute sich über die Namensgebung der Kirche, denn wie kein Zweiter stünde der Reformator für „eine Kirche und eine Gesellschaft, die für andere eintritt“. Zusammenfassend schloss der Dekan: „So ist Ihre Kirche auch eine Zeitzeugin, die uns an die Kriegs- und Nachkriegszeit erinnert. Und mit dem Namen „Martin-Luther-Kirche“ ist sie eine Zeugin der Hoffnung, denn, so Breu: „Wir sind das Volk für andere.“
Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes übernahmen der Posaunenchor unter seiner neuen Leiterin Marina Kraußeneck sowie die Kantorei mit ihrem neuen Leiter Manfred Meier-Appel.
Das Eingangslied konnte nur die „Hymne“ der evangelischen Kirche sein: „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Martin Luther. Vor vielen Vertretern aus Politik und Gesellschaft betonte Pfarrerin Susanne Munzert, dass der Name der Kirche Verpflichtung sei: Auch heute gelte es, Kirche zu reformieren.
Viele Glückwünsche
In einer Feierstunde nach dem Gottesdienst, begleitet von Manfred Meier-Appel am Klavier und dem wunderbaren Sopran von Susanne Winter, sprachen die beiden Vertreter der Politik, Bürgermeister Bernd Ernstberger und der stellvertretende Landrat Norbert Reh, nicht nur ihre Glückwünsche aus, sondern versicherten, dass dem Bau einer neuen Orgel aus ihrer Sicht nichts mehr entgegenstünde. Ernstberger: „Wir hätten gern heute schon die neue Orgel eingeweiht.“ Und Norbert Reh meinte, der Landkreis Nürnberger Land bemühe sich stets, die Kirchen zu unterstützen: „Im Falle der Martin-Luther Kirche ist uns dies durch die Genehmigung einer neuen Orgel endlich gelungen.“
Beide überreichten Pfarrerin Munzert Umschläge mit Geldbeträgen. Pfarrer Harald Günthner von der katholischen Schwestergemeinde St. Josef wünschte der Martin-Luther Kirche Segen und Heil – auch in der Ökumene.
Pfarrer Dieter Hautsch, Seelsorger in Schwarzenbruck zwischen 1975 und 1982, betonte seine Dankbarkeit für diese Zeit in einer Kirchengemeinde. Die Kirchengemeinde sei stets offen für die Schwächen des anderen, aber auch offen für musikalische Töne. Bezugnehmend auf die Offenbarung, in der von der Stadt mit diamantenen Grundsteinen die Rede sei, sagt Hautsch zu den Anwesenden: „Ihr seid die Diamanten dieser Kirche.“
Schließlich gab es, wie bei einem Geburtstag üblich, Geschenke: Zum einen einen Kirchenführer durch die Martin-Luther-Kirche, erstellt von Pfarrer i.R. Dr. Kretschmann, Nikolaus Graf Praschma und Pfarrerin Susanne Munzert, sowie neue Paramente (Altar-, Pult- und Kanzelbehang), gestiftet von zwei Gemeindemitgliedern.

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