Alexander Horlamus tritt im Bundestagswahlkampf an

Kandidat will mit SPD-Erfolgen werben

Die Spitzen des SPD Bezirks Mittelfranken und der Unterbezirke Nürnberger Land und Roth mit dem Kandidaten (5.v.l.) in ihrer Mitte.2016/10/Horlamus1.jpg

SCHWARZENBRUCK – Alexander Horlamus (32) steigt für die SPD Nürnberger Land und Roth bei der Bundestagswahl in den Ring. 105 von 107 Delegierten auf der Bundeswahlkreiskonferenz in Schwarzenbruck wählten den jungen Strafverteidiger aus Lauf zu ihrem Bundestagskandidaten. Dr. Helmut Ritzer, ehemaliger Vizepräsident des Bayerischen Landtags, kennt Horlamus seit dessen Eintritt in die SPD mit 14 Jahren: „Wir haben jetzt einen sehr guten Kandidaten“, versicherte er seinen Genossen unter großem Applaus.

Lang anhaltenden Beifall gab es auch im Anschluss an Horlamus‘ Bewerbungsrede, die die Delegierten offenbar überzeugte. Der Rother Landrat Herbert Eckstein sprach später davon, dass der Kandidat seine Feuertaufe bestanden habe. Die Rede von Horlamus kam wohl auch deshalb so gut an, weil sie sozialdemokratische Kernthemen aufnahm und mehrfach auf selbstveranwortete Fehlentwicklungen hinwies. Beispiel Listenplätze: Was nutzt es, gute Leute für den Bundestag aufzustellen, wenn die am Ende keine aussichtsreichen Listenplätze bekommen? Städte wie Nürnberg, Erlangen und Fürth bringen ihre Kandidaten regelmäßig vor den Leuten aus dem hiesigen Wahlkreis auf der Liste unter. Und das trotz der recht guten SPD-Ergebnisse im Nürnberger Land und im Landkreis Roth. Beklagt hat das vor vier Jahren schon der damalige SPD-Kandidat Christian Nürnberger, der zwar – wie jetzt Horlamus – einen starken Rückhalt in seinem Wahlkreis hatte, aber durch seinen schlechten Listenplatz keine Chancen auf einen Einzug in den Bundestag bekam.

Im jetzigen Wahlkampf wollen die Unterbezirke Nürnberger Land und Roth sich jedenfalls für eine bessere Platzierung ihres Kandidaten stark machen, das wurde aus einem halben Dutzend Redebeiträgen deutlich.

Horlamus machte in seiner Rede aber noch auf weitere Mankos aufmerksam: Es gab in der Vergangenheit einen Bruch mit den Gewerkschaften, weil sich die SPD zu weit von den Menschen und ihren Problemen entfernt hatte, so der Kandidat. Zwischenzeitlich stehen SPD und Gewerkschaften aber wieder Seite an Seite.

Auf die Bürger zugehen

Und die Bürger? Auf die möchte Horlamus zugehen und ihnen zuhören. Davon sprechen seine Parteifreunde zwar auch, trotzdem sind die Umfragewerte für die SPD derzeit schlecht. Nach Überzeugung des Kandidaten hängt das auch damit zusammen, dass seine Partei zwar Erfolge erzielt, die aber nicht als ihre Siege verkaufen kann. Beispiel Mindestlohn: Mit dem Pfund könnten die Sozialdemokraten wuchern, bringen das aber irgendwie nicht zustande. Horlamus erzählt die Erfolgsgeschichte, mahnt an, dass der Mindestlohn jetzt regelmäßig erhöht und überwacht werden muss und dass es keine Ausnahmen geben darf. Dafür gibt es Applaus in der Halle. Wenn er demnächst auf den Marktplätzen im Nürnberger Land und im Landkreis Roth steht und die Erfolgsgeschichte so erzählt und als SPD-Erfolg erklären kann, hat er damit gepunktet. Ebenso wie mit der abschlagsfreien Rente für Menschen, die 45 Jahre gearbeitet haben.

Den Mindestlohn und die Rente mit 63 hat die SPD also durchgesetzt, jetzt steht das Thema Leiharbeit auf der Agenda. Dass Menschen für dieselbe Arbeit unterschiedlich bezahlt werden, rührt an das sozialdemokratische Kernthema Gerechtigkeit. Das geht nicht, machte Horlamus in Scharzenbruck klar. Das will seine Partei ändern.

Bewegung muss nach Horlamus‘ Überzeugung auch in den sozialen Wohnungsbau kommen. Weil viele Menschen mit kleineren Einkommen in bestimmten Regionen kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden, hat die SPD die Mietpreisbremse eingeführt – wieder ein Thema, mit dem die Sozialdemokraten punkten könnten. Schwieriger wird das schon bei den Themen TTIP und CETA. Bei letzterem haben sich die hiesigen Unterbezirke bekanntlich gegen ihren Parteichef Wirtschaftsminister Gabriel gestellt, der für die Ratifizierung des Abkommens mit den Kanadiern kämpfte. Horlamus sprach von einer guten Entscheidung der Unterbezirke, mahnte aber gleichwohl an, dass die SPD nach außen geschlossen auftreten muss.

Diese Geschlossenheit gibt es bei den Genossen, wenn es um Steuerhinterziehung im großen Stil geht. Stichwort Panamapapers: Für Horlamus gibt es für die Gründung von Briefkastenfirmen im Ausland nur einen einzigen nachvollziehbaren Grund: Geld zu verstecken und zu waschen. Helfer dabei sind Banken und Anwaltskanzleien. Und aufbrechen lassen sich solche Strukturen nur, indem der Staat – wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen – CDs mit gestohlenen Daten aus Banken erlangt. Deshalb Horlamus‘ Forderung: Auch Bayern soll solche CDs kaufen. Weil die bayerische Staatsregierung nach Überzeugung des SPD-Bundestagskandidaten nicht konsequent handelt, mache sie sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig.

Der Bundestagswahlkampf, da ist sich Horlamus sicher, wird ein harter Lagerwahlkampf werden, eine Auseinandersetzung zwischen Rückwärtsgewandten, wie er es darstellte, und Weltoffenen. Die großen Parteien haben es dabei besonders schwer, weil sie nach Jahren in der großen Koalition für die Bürger nur noch schwer zu unterscheiden sind. Enttäuschte Bürger wählen die AfD, viele von ihnen ehemalige SPD-Anhänger. „Die kriegen wir nur zurück, wenn wir zuhören und deren Probleme Ernst nehmen“, schloss Horlamus seine Bewerbungsrede.

 

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten