Straßensperre: Gefahr für Schlaganfall-Patienten

„Hier gilt: Zeit ist Hirn“

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Eine Umleitung zum Krankenhaus wäre unter Umständen lebensbedrohlich. | Foto: LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobe.com2020/08/Schwarzenbruck-Sanitaeter-Strassensperre-scaled.jpeg

SCHWARZENBRUCK – Weil das Staatliche Bauamt die Burgthanner Straße komplett sperren will, sieht die Sana-Klinik die schnelle Versorgung von Schlaganfall-Patienten in Gefahr.

Flickstellen, Unebenheiten, Risse: Die Burgthanner Straße in Schwarzenbruck ist dringend sanierungsbedürftig. Deswegen möchten das Staatliche Bauamt Nürnberg und die Gemeinde Schwarzenbruck sie ab kommender Woche für gut drei Wochen komplett sperren und auf Vordermann bringen (wir berichteten).

Durch die Baustelle, die sich von der Einmündung in die B8 bis zum Ortsende erstrecken soll, wäre allerdings die Zufahrt von Richtung Feucht und Pfeifferhütte zum Krankenhaus Rummelsberg blockiert. Wegen eines Missverständnisses der Planung der Sanierung ist das Krankenhaus nicht beteiligt oder auch nur darüber informiert worden.

„Völlig inakzeptabel“

Erst durch einen Zufall hat Pressesprecher Dominik Kranzer von der geplanten Vollsperrung erfahren. Ein Schild in der Straße kündigt diese für die Zeit vom 17. August bis 13. September an. „Aus medizinischer Sicht ist eine Vollsperrung völlig inakzeptabel“, sagt Kranzer. Die Sana-Klinik verfügt über die einzige Stroke-Unit im Nürnberger Land für die Versorgung von Schlaganfall-Patienten. Nahezu täglich werden Verdachtsfälle eingeliefert. Im Jahr behandelt das Krankenhaus 300 Schlaganfälle. „Ein schneller Zugang für die Rettungsdienste muss rund um die Uhr gewährleistet sein und zwar aus allen Richtungen“, erklärt der Pressesprecher. Die Sperrung der Burgthanner Straße würde einen Umweg von zwölf Kilometern und eine längere Anfahrtszeit für die Sanitäter von 15 bis 20 Minuten bedeuten. Bei einem Schlaganfall könne das den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten, verdeutlicht Kranzer. „Hier gilt: Zeit ist Hirn.“

Patzer wegen Namensgleichheit

Das Bauamt hat im Vorfeld zwar die Rummelsberger Diakonie informiert, wegen der Namensgleichheit jedoch versäumt, auch die Klinik über die geplanten Bauarbeiten in Kenntnis zu setzen. Dafür hat sich die Behörde bereits entschuldigt. „Das tut uns leid, es steckte natürlich kein böser Wille dahinter. Die Konstellation war für uns nicht durchschaubar“, erklärt Bauamtsleiter Andreas Eisgruber. „Wir hätten aber in unserer Planung auch nicht anders gehandelt, wenn das Krankenhaus informiert worden wäre.“

Eine Vollsperrung sei die schnellste und sicherste Variante, um die Straße zu sanieren. Aufgrund der gesetzlichen Vorgabe der Arbeitsstättenrichtlinie sei diese auch zwingend erforderlich, da die Straße weniger als 8,50 Meter breit ist. Selbst Sonderregelungen können nicht durchgesetzt werden, informiert die Behörde das Krankenhaus, da unterhalb der Bahntrasse eine Fußgänger-Querung durch die Gemeinde Schwarzenbruck angeordnet wurde, so dass hier in der Mitte der Straße gearbeitet wird und somit aufgrund von Arbeitssicherheit links und recht kein Platz mehr ist, um durchzufahren.

Kranzer kontert: In den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) sei ganz klar geregelt, dass die Zufahrt zu medizinischen (Notfall-)Einrichtungen in Verbindung mit Rettungsdiensten, Polizei oder Feuerwehr immer höchste Priorität bei der Planung des Baubetriebs habe. Ergäben sich aus einer Baumaßnahme Zwänge, seien diese zunächst dem Betreiber der Einrichtung mitzuteilen und dann gangbare Lösungen zu erarbeiten. „Ein Krankenhaus mit Notaufnahme und Stroke-Unit in diese Planung nicht mit einzubeziehen ist ein No-Go“, sagt der Pressesprecher.

„Es gibt genügend Alternativen“

Im Gegensatz zum Krankenhaus sieht Bauamtsleiter Eisgruber die medizinische Versorgungssicherheit nicht gefährdet. Es gebe genügend Alternativen, wie das Südklinikum Nürnberg – von Feucht etwa ebenso wie die Sana Klinik in elf Minuten erreichbar – oder das Klinikum Neumarkt. Außerdem werde die Integrierte Leitstelle sowie die Feuerwehr mit verkehrsrechtlicher Anordnung von der Maßnahme in Kenntnis gesetzt, sodass die Sanitäter sofort Bescheid wüssten, welches der umliegenden Krankenhäuser am schnellsten zu erreichen sei.

Für das Rummelsberger Krankenhaus ist die Argumentation des Bauamts wenig stichhaltig. „Angenommen, in Schwarzenbruck erleidet jemand einen Schlaganfall. Er wäre in wenigen Minuten bei uns. Bis er in Neumarkt ist, verstreicht unnötig wertvolle Zeit“, gibt Kranzer ein Beispiel. Nun wählt die Klinik den Rechtsweg, wie er dem Boten mitteilt:  „Wir prüfen aktuell rechtliche Schritte, um mit einer einstweiligen Verfügung die Baumaßnahme aufzuhalten bis uns ein Konzept für die medizinische Versorgung vorgelegt werden kann. Unsere Anwälte sind zuversichtlich, dass wir das durchkriegen.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren