Bei Hennenglück fühlen sich die Tiere richtig wohl

Frische Eier von fahrenden Hühnern

Auch die Kinder packen bei der Versorgung der Hühner fleißig mit an. | Foto: Engelhardt2017/11/Pfeifferhuette-Hennenglueck-3.jpg

PFEIFFERHÜTTE – Stephen Wertschs 120 Hühner, die er praktischerweise alle Molly genannt hat, sind viel auf Tour – alle paar Wochen ziehen sie mit ihrem mobilen Stall weiter, und das sowohl zum Wohle der glücklichen Hühner als auch des Bodens. Wertsch will nun eine Hühner-Patenschaft einführen. Dieses Eier-Abo verspricht regelmäßige Bioeier, ein Suppenhuhn, Gockelprodukte und vor allem Verantwortung.

Vor gut einem Jahr hat sich Familie Wertsch ihren ersten fahrenden Hühnerstall zugelegt. Der gelernte Agrarbetriebswirt für Ökolandbau verkauft hauptberuflich biologische Tierarzneimittel, seine Frau hat Landwirtschaft studiert. Doch der Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu gründen, war immer da. Nun packen alle mit an, auch die drei Kinder unterstützen ihren Papa wo es nur geht.

Stephen Wertsch beschreibt sich selbst als einfach – er hat alle seine Hühner Molly genannt. | Foto: Engelhardt2017/11/Pfeifferhuette-Hennenglueck.jpg

Als klassische Existenzgründer besitzen sie jedoch keinen eigenen Hof, sondern haben direkt eine Fläche gepachtet, einen Schlepper gekauft und ihr kleines Verkaufshäusschen neben ihrem Haus gebaut. Dann ging es los mit der Eierproduktion. Den Quereinsteigern war dabei von Anfang an klar, dass für ihre Hühner nur ein mobiler Stall in Frage kommt.

Mobilität hat viele Vorteile

Als moderne und besonders artgerechte Form der Hühnerhaltung sorgt das Hennenmobil für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere.

Neben frischer Luft und ausreichend Bewegung haben die Hühner durch das regelmäßige Umsetzen des Stalls „immer was Grünes zum fressen“, da auf der neuen Fläche das Gras wieder frisch ist. Der nächste Vorteil: Der Auslauf bleibt sauber und hygienisch; Parasiten, Bakterien und Viren werden minimiert. „Wenn die Hühner immer am gleichen Platz koten und arbeiten, baut sich ein gewisser Druck im Boden auf.“ Der Druck bei den Mollys steige dann gleichermaßen, sie werden anfälliger für Krankheiten. Der mobile Hühnerstall verspricht also dem Boden weniger Belastung als auch den Tieren ein schöneres Leben.

Keine klare Hierarchie

„Der Vorteil liegt bei den Hühnern, der Nachteil liegt beim Landwirt“, erklärt der Schwabe lachend. Für die Tiere ist es das absolut Beste, für den Landwirt bedeutet es jedoch höchsten Arbeitsaufwand. „Uns ist eben der Tierkomfort das Wichtigste.“ Alle sieben bis 14 Tage entfernt Wertsch den Draht für die Hühner, baut den Zaun neu auf, stellt den Stall um – das kann bis zu zweieinhalb Stunden dauern.

Die Hühner-Herde von Familie Wertsch besteht maximal aus 300 Tieren. Im Ökolandbau dürfen bis zu 3 000 Tiere in einer Herde sein, in dieser großen Anzahl komme es dann aber tagtäglich zu neuen Rangkämpfen, da es keine klare Hierarchie mehr unter den Tieren gebe. So aber erkennen sich die Mollys alle untereinander wieder.

Familie tüftelt an neuem Konzept

Hennenglück arbeitet nach Bio-Richtlinien. Sie sind EU-verifiziert, die Hühner sind sogar in Demeter-Qualität aufgewachsen. „Das ist alles viel komplizierter und viel aufwendiger, aber für uns gibt‘s, wie wir im Schwäbischen sagen, kein bissle schwanger – entweder schwanger oder nicht.“

Im Moment tüftelt Familie Wertsch an einem neuen Konzept: mit einer Art Eier-Abo verpflichten sich die Kunden für ein Jahr dazu, pro Woche fünf frische Eier abzunehmen. „Unser Ziel ist es, den Kunden dadurch noch mehr an den Betrieb zu binden, und ihn ein Stück weit mit in die Verantwortung zu ziehen.“ Das Unternehmen kann so besser planen und weiß die Vermarktung in sicheren Händen. Und auch der Kunde zieht Vorteile daraus: „Im Moment sind wir meistens ausverkauft, viele Leute kommen dann her und gehen leer aus.“ Die Nachfrage sei innerhalb kürzester Zeit explodiert, die Mollys kommen garnicht mehr mit dem Legen nach.

Projekt Stolzer Gockel

Ein weiterer wichtiger Punkt: Hennenglück beteiligt sich an dem Projekt Stolzer Gockel. Normalerweise werden die männlichen Küken nach Geburt sofort aus der Produktion herausgenommen und „ums Eck gebracht“. Bei der sogenannten Bruderhahnaufzucht werden die männlichen Tiere 18 Wochen lang gemästet und erst dannn geschlachtet. So haben sie noch ein Leben und werden sinnvoll genutzt, anstatt produziert und sofort getötet zu werden. Die aus dem Gockel hergestellten Produkte kommen dann in Form von Sauce Bolognese, Wurst oder Lyoner direkt an den Hühner-Paten.

Somit schließt sich der Kreis: Ein Jahr lang bekommt der Eier-Abonnent seine frischen Bio-Eier, die Gockelprodukte können unter dem Jahr an festen Terminen gekauft werden, und zum Schluss nimmt der Pate sein dazugehöriges Suppenhuhn noch mit nach hause.

Verantwortung übernehmen

Dass die Hühner-Paten dadurch sehr in das Geschäft mit eingebunden sind, spielt für Stephen Wertsch eine große Rolle. „Der Kunde ist aktuell viel zu weit weg von der Produktion. Wir wollen ihn mit unserem neuen Konzept und unserer transparenten Produktion wieder zurückholen, damit er weiß, was er kauft und woher das kommt.“ Weiterhin müsse sich das Verständnis für Landwirtschaft verbessern. „Jeder will den höchsten Standard zum billigsten Preis. Aber man kriegt auch keinen Daimler für das gleiche Geld wie einen Fiat.“ Qualität und ethisches Handeln hätten eben ihren Preis.

Mollys kriegen Zuwachs

Geplant ist, dass weitere 230 Mollys in den fahrbaren Stall einziehen. Dafür stellt Familie Wertsch momentan einen zweiten Stall komplett aus Holz her.

Dieser ist dann zu 100 Prozent ökologisch. „Wenn wir Bio produzieren, brauchen wir ja auch einen Bio-Stall“, erklärt Wertsch. Im Moment konzentriert sich die fünfköpfige Familie noch voll und ganz auf ihre fahrenden Hühner und deren zukünftige Paten. Ihr großer Traum ist es jedoch, bald einen eigenen kleinen Hof zu finden.

Luca Engelhardt

Die Verkaufsstelle von Familie Wertsch hat 7 Tage die Woche von 7 bis 21 Uhr geöffnet. Die Adresse lautet Lindelburger Straße 18, 90592 Schwarzenbruck. Zu erreichen ist Hennenglück auch unter Telefon 09183/2373628 und im Internet unter www.hennen-glueck.de. Eine Infoveranstaltung, bei der Sie alles rund um die Hühnerpatenschaft erfahren, findet am Dienstag, 28. November, um 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus Pfeifferhütte in der Kanalstraße 22 statt.

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