Das Kloster erzeugt seinen eigenen Strom

SCHWARZENBRUCK — Die Agenda 21 Gruppe aus Schwarzenbruck lud erneut zu einem Vortrag in die Bürgerhalle ein. Dieses Mal referierten der Prior Pater Christoph Gerhard und Pater Edmar Schäfer aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach. Die beiden Referenten erläuterten, wie ihre Vision, innerhalb von zehn Jahren das Kloster zu 95 Prozent durch regenerative Energien zu betreiben und somit den Standard „CO2-neutral“ zu erhalten, Wirklichkeit wurde. 2008 wurde die Abtei mit dem Deutschen Solarpreis ausgezeichnet. Viele praktische Tipps und Hinweise erhalten interessierte Leser auch in dem Buch „Aus der Schöpfung“ leben, das Bruder Christoph Gerhard zusammen mit dem Politiker Hans-Josef Fell herausbrachte.
„Die Ehrfurcht lehrt mich einen demütigen Umgang mit der Schöpfung. Ich bin nicht der Herr oder gar Ausbeuter der geschaffenen Welt. Ich bin vielmehr selbst ein Teil von ihr, der zudem vor Gott für seinen Bereich Verantwortung trägt“ – Worte, die die Zuhörer von Pater Christoph Gerhard zum Nachdenken brachten: Denn der Mensch ist ein Teil dieser Natur und doch zerstört er sie und damit seinen eigenen Lebensraum und den seiner Kinder.
Die beiden Mönche gaben zahlreiche praktische Beispiele und harte Fakten, wie jeder einzelne Energie sparen kann. Sei es mit Sanierungen des Hauses, dem Einsatz regenerativer Energietechniken oder mit sparsamem Umgang mit Energie. Ein Leitspruch des Ordens aus der Benediktinerregel ist neben zahlreichen anderen die discretio, das rechte Maß im Umgang mit den Dingen.
Der Umbau zum CO2-neutralen Kloster kostete 3,3 Mio. Euro. Bei einer Gesamtfläche von 50.000 qm, die zu beheizen ist, lag das Kloster in den 1990er Jahren bei einem jährlichen Verbrauch von 740.000 Liter Heizöl und einem Stromverzehr von 860.000 kWh. Jährlich fuhren die Mönche mit ihrem Fuhrpark 715.000 km durchs Land und erzeugten somit mit dem gesamten Kloster einen CO2-Ausstoß von 2.800 Tonnen. An Weihnachten 2000 entstand die Vision, den CO2-Ausstoß des Klosters massiv zu drosseln. Heute, knapp zehn Jahre später, ist das Kloster CO2-neutral. Wie haben die Mönche das gemacht?
Die Abtei Münsterschwarzach produziert 100 Prozent ihres Strombedarfs selbst und 40 Prozent darüber hinaus. Zwar benötigen die Mönche an extrem harten Wintertagen immer noch eine Ölheizung, doch der Jahresverbrauch wurde auf 77.600 Liter Heizöl gesenkt. Die sonstige Wärmeversorgung übernimmt eine Holzhackschnitzelheizung. Dazu verwenden die Mönche ausschließlich Waldrestholz aus den umliegenden Wäldern, das sonst ungenutzt verrotten und ebenfalls CO2-Ausstoß generieren würde. Die Energie entsteht in einer Photovoltaikanlage, einer Biogasanlage (1.600.000 kWh) für die Versorgung der Schule, der Küche, der Bäckerei sowie Metzgerei und in Wasserkraftanlagen. Im Jahre 2001 erwarben die Mönche Beteiligungen an der Windkraftanlage Damme. Außerdem geschieht die Beleuchtung der Räume ausschließlich durch Energiesparlampen. Die Fassade des Klosters selbst wurde wärmeisoliert und in den klostereigenen Werkstätten entstehen die Dreifachisolierverglasungen. In 30 Jahren wollen die Mönche dann den Sanierungszyklus erneut beginnen, da sich dann schon wieder einiges in der Technik getan haben dürfte.
Den weitaus größten Ertrag als Stromerzeuger liefert jedoch die Biogasanlage: Landwirtschaft ist nach wie vor in Benediktinerklöstern ein wichtiger Bestandteil. So erhält auch das Kloster Münsterschwarzach sein Holz für die Hackschnitzelheizung aus den eigenen Wäldern.
Gülle und Futtermais für die Biogasanlage kommen aus der eigenen Landwirtschaft und von benachbarten Bauernhöfen. Vielleicht sei auch dies eine Alternative für machen Milchbauern, so Bruder Edmar Schäfer. Ferner unterstrich Bruder Christoph Gerhard, dass keinerlei Lebensmittel in einer Biogasanlage Verwendung fänden. Dies sei eine weitverbreitete Fehlinformation. Bei den verwendeten Pflanzen handle es sich ausschließlich um Futtermais, Gras und andere pflanzliche Abfallprodukte, die niemals in den Lebensmittelkreislauf wandern könnten.
Einen weiteren Denkanstoß lieferte Bruder Edmar Schäfer: Die Rohstoffe Erdgas und Kohle werden dringend für die zukünftige Stahlproduktion benötigt. Das Erdöl, eines der essentiellen Grundrohstoffe für die chemische und für die Kunststoffindustrie, sei viel zu kostbar, um in den folgenden 200 Jahren vollständig verbrannt zu werden.
Neben dem Holz sind auch Wind und Sonne jeden Tag verfügbar. Was bringen großzügig aufgefüllte Fördertöpfe, wenn sie von der Bevölkerung nicht angenommen werden? Die Politik hat die Fähigkeit, die Rahmenbedingungen zu schaffen, doch handeln muss jeder Einzelne selbst. Die beiden Mönche aus Kloster Münsterschwarzbach zeigten, wie es geht. 

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