Körber neuer Bezirkstagspräsident?

Fritz Körber gestern in der PZ-Redaktion: Er ist mit seinem Zweitstimmenergebnis hochzufrieden. Foto: Sichelstiel2008/10/20081001_koerberfritzbezirkstagswah_big.jpg

SCHWAIG (ass) — Auch im Bezirkstag haben sich die Machtverhältnisse durch die Wahl verschoben: Die CSU hat ihre absolute Mehrheit eingebüßt, und so darf sich Fritz Körber aus Behringersdorf, der Stimmenkönig auf der SPD-Liste, Chancen auf den Posten des Bezirkstagspräsidenten ausrechnen. Verhältnisse wie in Lauf und im Nürnberger Land bald auch in Ansbach? Eine Koalition aus SPD, Grünen, Freien Wählern und eventuell FDP ist in greifbare Nähe gerückt. Dafür allerdings bräuchte Körber die Hilfe der Linken. Weil die CSU in Mittel-franken hohe Verluste hinnehmen musste und nur noch auf 39,9 Prozent der Gesamtstimmen kommt, starten die Sozialdemokraten trotz einem Minus von 1,3 Prozent mit Rückenwind in die neue Legislaturperiode.

Der neue Bezirkstag wird 26 statt 24 Sitze haben, zwei Abgeordnete ziehen über ein sogenanntes Überhangmandat (CSU) und ein Ausgleichsmandat (FW) in das Regionalparlament ein. Grund: Der CSU stünden wegen ihres schlechten Abschneidens eigentlich nur elf Plätze zu, sie konnte jedoch alle zwölf Direktmandate in Mittelfranken gewinnen. Die Freien Wähler stellen in Zukunft drei Bezirksräte. Sieben kommen – wie bisher – von der SPD, zwei von den Grünen. Je einen Sitz erhalten FDP und Linke.

Der Landkreis Nürnberger Land ist dabei nur noch mit zwei Mandatsträgern vertreten: Norbert Dünkel und Fritz Körber. Für Paul Brunner (Grüne) aus Schwaig hat es nicht gereicht, Klaus Hähnlein (FW) war nicht unter den Kandidaten.

Durch die Sitzverteilung ergeben sich neue Mehrheiten. Die CSU hat drei ihrer Bezirksräte in Ansbach verloren. Selbst zusammen mit der FDP verfügt sie nur über 13 Stimmen – und das reicht nicht aus, um Richard Bartsch von der CSU, den bisherigen Bezirkstagspräsidenten, in seinem Amt zu bestätigen.

Es wäre jetzt möglich, einen Präsidenten ohne die CSU zu wählen, meint Fritz Körber. Die Stadt Lauf und der Landkreis Nürnberger Land haben es vorgemacht: Hier wurde jeweils durch eine Allianz von SPD, Grünen und Freien Wählern die CSU entmachtet. Im Bezirk allerdings müssten der Linken-Abgeordnete Uwe Schildbach aus Ansbach und FDP-Mann Wolfgang Hofmann aus Schillingsfürst zusätzlich die Steigbügel halten. Zumindest Hofmann ist in diesem Spiel eine unbekannte Größe, bei Schildbach reicht eine Enthaltung.

Körber selbst war noch am Montag schwer enttäuscht. „Ich habe an meiner Person gezweifelt“, verrät der 69-jährige Vorsitzende der Sozialdemokraten im Nürnberger Land seine Reaktion auf das Erststimmenergebnis. Nur 22,9 Prozent der Wähler im Kreis sprachen ihm ihr Vertrauen aus, zweieinhalb Prozent weniger als noch vor fünf Jahren. „Vor lauter Frust habe ich erstmal meinen Zaun gestrichen“, meint er.

Doch einen niedergeschlagenen Eindruck machte der langjährige Stellvertreter des Bezirkstagspräsidenten gestern längst nicht mehr. Da nämlich wusste er bereits um sein Abschneiden auf der SPD-Liste. 64711 Zweitstimmen, das ist mehr als sein Parteifreund Thomas Beyer für den Landtag verbuchen konnte. Und dieser wird schon als Retter der Genossen gefeiert. „Das zeigt, dass ich über den Landkreis hinaus geschätzt werde“, freut sich Körber. Am Ende wurde er nur von Richard Bartsch geschlagen; der bisherige Chef des Bezirkstags erhielt 124570 Erst- und Zweitstimmen aus ganz Mittelfranken.

Dass Körber die Variante einer bunten Allianz gefällt, bleibt kein Geheimnis: „Wenn die Möglichkeit besteht, dann werde ich auf jeden Fall als Bezirkstagspräsident kandidieren. In der Politik muss man die Chancen, die man bekommt, auch wahrnehmen. Sonst wäre es fahrlässig.“

Trotzdem bleibt der Behringersdorfer, der seit 1982 im Bezirkstag sitzt, vorsichtig: „Das wäre schon eine Sensation, ja. Aber erstmal müssen wir mit allen reden.“ Gespräche will er bereits in den nächsten Tagen führen, denn am 23. Oktober findet die erste Bezirkstagssitzung statt. Kommende Woche trifft sich die neue SPD-Fraktion.

Aber auch eine große Koalition steht noch zur Diskussion. Darauf weist Norbert Dünkel, für die CSU im Bezirkstag, hin: „Diese Lösung hatten wir schon einmal“, nämlich vor 2003 – mit Körber als Vizepräsidenten. „Wir reden mit allen“, so auch der Lebenshilfe-Chef.

Er hält fest: „Die CSU ist die stärkste Fraktion. Wir sehen einen klaren Auftrag an uns.“ Vor einer Duldung durch die Linken hingegen warnt er. An diesem Punkt sei man bereits vor zehn Jahren gewesen, als die Republikaner noch im Bezirkstag saßen. Es habe einen Konsens von SPD und CSU gegen die Radikalen gegeben. „Damals waren wir uns einig“, so Dünkel.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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