In den Lenz mit Spitzweg

Ein Potpourri an Frühlingsliedern im Theaterhof war für die Zuhörer der krönende Abschluss des „Spaziergangs“. Foto: Jahn2009/04/20090415_dhtosterspaziergangriedel_big.jpg

DEHNBERG (gja) – Beim «musikalisch-literarischen Osterspaziergang» erlebten zahlreiche Besucher an vier verschiedenen Plätzen innerhalb des Dehnberger Hof Theaters einen frühlingshaft gestalteten Dialog zwischen Carl Spitzweg und der kunstvollen Zeit des Biedermeier. Gemeinsam mit Corinna Schreiter und Katharina Lorenz präsentierte Wolfgang Riedelbauch ausgewählte Texte und Kompositionen rund um den berühmten Maler und Poeten, der als großer Repräsentant der Biedermeierepoche gilt.

Eine passendere Kulisse als die alten Mauern des Dehnberger Hof Theaters hätte sich Carl Spitzweg gar nicht wünschen können, um hervorragend durch Wolfgang Riedelbauch rezitiert in Wortspielen und Bildern wieder «lebendig zu werden». Während des Wandelkonzerts folgten die Teilnehmer begeistert in die vier verschiedenen Vortragsorte.

Zuallererst wurde die Scheune durch anmutige Klavierklänge von Schubert und Haydn ausgefüllt. Riedelbauch begab sich – musikalisch begleitet von Pianistin Katharina Lorenz aus Schwaig – auf die Reise zurück ins 19. Jahrhundert. Bilderreich dokumentiert, erschloss sich das Leben und Wirken von Carl Spitzweg.

Wer an Spitzweg denkt, sieht sogleich das Gemälde «Der arme Poet» vor seinem geistigen Auge, doch ein armer Poet war der am 5. Februar 1808 im oberbayerischen Unterpfaffenhofen geborene Künstler keinesfalls. Bereits in seiner Jugendzeit gehörte das Zeichnen zu seinen großen Leidenschaften, das auch durch den erzwungenen «Wunsch» seines Vaters, Pharmazie zu studieren, nie eingeschränkt wurde.

Mit bewundernswerten Einfallsreichtum karikierte er in den darauffolgenden Jahren in seiner Apotheke heimlich seine Kundschaft. Durch sein natürliches Talent und seinen geschulten Farbensinn entstanden so über 1500 Bilder wie «Der Alchimist» und der «Spaziergänger». Auch Theaterblut floss durch Spitzwegs Adern. Erfolgreich agierte er auf der Bühne, führte selbst Regie und betätigte sich mit Vergnügen als «Reimeschmied».

Die mit Humor vorgetragenen Gedichte «Der Radi und die gelbe Rubn» sowie «Mei Dachstubn» stammen allesamt aus der Feder des genialen Künstlers, der am 23. September 1885 in München starb. Riedelbauch erzählte dies alles auf gekonnte Weise.

Umgeben von einem malerischen Ambiente durfte das Publikum danach im «Aquarium» dem Zauberklang der großartigen Stimme von Corinna Schreiter lauschen. Mit Hingabe interpretierte die geschätzte Sopranistin «Gute, junge Frühlings-Götter, tändeln auf ein luftig Band» von Ludwig van Beethoven und erfreute mit «Berg und Tal will ich durchstreifen in der Frühlingstage Pracht» von Felix Mendelssohn, was mit lang anhaltendem Beifall gewürdigt wurde.

Im weiteren Verlauf erzählte Riedelbauch von der eigentlichen Geburtsstunde des Biedermeier, die als Mitverdienst des spießbürgerlichen Gottlieb Biedermeier herausstellt. Ohne diesen fiktiven Herrn Biedermeier, einem dichtenden schwäbischen Dorfschullehrer mit bescheidenem Gemüt, gäbe es diesen Begriff wohl kaum.

Vor allem das spöttische Gedicht von Ludwig Pfau: «Schau, dort spaziert Herr Biedermeier und seine Frau, den Sohn am Arm; sein Tritt ist sachte wie auf Eier, sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm. Das ist ein Bürger hochgeachtet, der geistlich spricht und weltlich trachtet; er wohnt in jenem schönen Haus und – leiht sein Geld auf Wucher aus», machte ihn unvergesslich.

Im umgebauten «Kuhstall» erfuhr das Publikum, dass die eigentliche Geburtsstunde der Hausmusik in der Biedermeierzeit lag. Vorzugsweise widmete sich der Bürger damals in seinen vier Wänden der Musik und Kunst. Mit Freunden und Verwandten wurde Geselligkeit gepflegt und Gemütlichkeit stand da an erster Stelle. Nicht von ungefähr traf man sich 1861 beim zweiten «Deutschen Sängerfest» in Nürnberg.

Unter Mitwirkung von 283 Gesangvereinen mit mehr als 6000 Sängern löste diese Massenveranstaltung eine Begeisterungswelle für den Gesang aus, der bereits ein Jahr später der allseits bekannte «Fränkische Sängerbund» entsprang. Die von Joseph Victor von Scheffel geschriebene «Frankenhymne» entstammt dieser Zeit genauso wie die Gründung vieler traditionsreicher Gesangvereine im Landkreis Nürnberger Land.

Als letzten musikalischen Höhepunkt überbrachte Riedelbach gemeinsam mit Reiner Geisdörfer, Christoph Lippert und Thomas Schürmann der Zuhörerschaft im Theaterhof noch ein Potpourri der schönsten Frühlingslieder. Begleitet vom Vogelgezwitscher in den Bäumen ringsum, ließen sie zum Abschluss des beeindruckenden Wandelkonzertes «Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muss rosten» und als Bestätigung des schönen Tages ein kraftvolles «Der Lenz ist gekommen» erklingen.

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