„Behaupte dich gegen Mobbing“

Schulen bekämpfen Cybermobbing

Stephan Lehmann, Stadionsprecher des FC Bayern München, unterstützt "Medienhelden". | Foto: Felix Hörhager2022/02/Medienhelden-Pressemappe_Moderator-Stephan-Lehmann-Bildnachweis-Felix-Hoerhager.jpg

NÜRNBERGER LAND – Jedes dritte Kind wird im Laufe seiner Schulzeit Opfer von Mobbing, Gewalt und üblen Streitereien, jedes fünfte von Cybermobbing. Um darauf aufmerksam zu machen, findet am heutigen Dienstag, 22. Februar, der internationale „Behaupte dich gegen Mobbing“-Tag statt. In den Schulen gibt es dazu das Präventionsprogramm „Medienhelden“.  An 350 Gymnasien, Real- und Mittelschulen in Bayern hat es dafür schon Fortbildungen gegeben. 

Beleidigt, verspottet, gehänselt und ausgeschlossen: Mobbing unter Teenagern gibt es längst nicht mehr nur auf dem Schulhof. Die Attacken gehen häufig in WhatsApp-Gruppen oder Klassen-Chats weiter oder fangen erst dort an. Das Tückische: Bei Cybermobbing kann jeder mitlesen und jeder kann mitmachen. Im Internet wird die Beleidigung zudem dokumentiert. Monate später ist der Eintrag noch immer für alle sichtbar und für Betroffene damit umso verletzender. 

Cybermobbing hat zugenommen 

„Cybermobbing unter Kindern und Jugendlichen hat sich in den 
vergangenen Jahren stark verbreitet“, so Ariane Lieckfeldt, zuständig für den Bereich Prävention und Gesundheitsförderung bei der Mobil Krankenkasse. „Wir erleben regelmäßig, wieviel Unwissenheit bei vielen Schülerinnen und Schülern vor allem hinsichtlich Social Media herrscht – dass viele Kinder und Jugendliche sich gar nicht bewusst sind, welche Auswirkungen es hat, wenn sie Fotos, Videos oder Texte bei TikTok, Snapchat oder in WhatsApp-Gruppen posten.“

Außerdem könne Cybermobbing zu massiven Problemen führen, bestätigt Univ.-Prof. Dr. Herbert Scheithauer, Entwicklungspsychologe an der Freien Universität Berlin. „Von Kopf- oder Bauchschmerzen, Angststörungen, Depressionen bis hin zu Suizidgedanken“, sagt er. 

Medienhelden-Programm 

Um Schülern und Lehrkräften Hilfestellungen zu geben, wie sie aktiv gegen Hass und Ausgrenzung im Netz vorgehen können und sich sicher im Netz bewegen, hat er mit seinem Team das wissenschaftlich geprüfte vielfach ausgezeichnete und vom „Weißen Ring“ empfohlene Präventionsprogramm „Medienhelden“ entwickelt. Es richtet sich an Schüler der 7. bis 10. Klassen. 

Bereits seit Ende 2018 bringt die Mobil Krankenkasse das Programm an Gymnasien, Real- und Mittelschulen in Bayern, indem sie Fortbildungskosten übernimmt. Knapp 450 Lehrkräfte, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter von etwa 350 Gymnasien, Real- und Mittelschulen haben die meist dreitägige Fortbildung inzwischen absolviert und können das Programm im Unterricht umsetzen – in der Regel tun sie dies über einen Zeitraum von zehn Wochen. 

Rund vier Stunden online

Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland sind jeden Tag durchschnittlich rund vier Stunden online – das hat die Ende 2021 veröffentlichte, repräsentative JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest gezeigt. „Kinder und Jugendliche empfinden Smartphones als entscheidendes Hilfsmittel für ihr soziales Leben. Soziale Netzwerke erfüllen ihr Bedürfnis nach Kommunikation. Sie ermöglichen Kontakt mit und zu Gleichaltrigen und bieten ihnen Möglichkeiten der Selbstpräsentation“, weiß Professor Scheithauer.

Sensibiliseren 

Kommt es jedoch zu anhaltenden Hänseleien, Beleidigungen oder Bedrohungen im Netz, leiden Betroffene oft sehr darunter, Klassenkameraden schreiten oft nicht ein. Im Rahmen von „Medienhelden“ können Schüler für die Folgen – sowohl für Betroffene als auch für Täter – sensibilisiert und ihnen Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Verschiedene Aufgaben und Projekte sollen sie dafür sensibilisieren. 

Perspektivenwechsel als Erfolgsrezept

Über Rollenspiele üben die Schüler bei „Medienhelden“, sich in andere hineinzuversetzen. Im geschützten Rahmen nehmen sie verschiedene Perspektiven ein – Opfer, Täter oder Mitläufer. Sie berichten von ihren Gefühlen, Gedanken, Wünschen und Handlungsspielräumen, die sie in der jeweiligen Rolle hatten. Die Schüler erleben Reaktionen auf ihr Verhalten und lernen, zu erkennen, wann jemand zum Opfer wird und wie sie eingreifen können.

Darüber hinaus bringen sich Schüler bei „Medienhelden“ gegenseitig bei, wie sie sichere Social-Media-Profile erstellen – welche Daten sie preisgeben, welche nicht. Und sie bereiten für ihre Eltern einen Elternabend vor, bei dem sie den Erwachsenen unter anderem erklären, was sie dazu beitragen können, damit ihr Kind sich ihnen anvertraut.

Unterstützt wird das Projekt von Stephan Lehmann, Stadionsprecher des FC Bayern München, Moderator und zweifacher Vater.„Das ist eine wahnsinnig runde Sache. Ich bin mir sehr sicher, dass wir es brauchen, mehr denn je und dass das Früchte tragen wird“, so Lehmann.

Weniger Cybermobbing

Die Akzeptanz für das Projekt sei hoch, bestätigt auch Professor Scheithauer: „In einer Längsschnittstudie konnten wir unter anderem weniger Cybermobbing, mehr Empathie, ein besseres Selbstwertgefühl und ein besseres Wohlbefinden feststellen.

Weitere Infos

Weitere Informationen unter http://www.medienhelden.info sowie über 
Gernot Goldenbaum von der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 
838 55 225.

rh/ Quelle: Mobil Krankenkasse

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren