Wegen Personalmangel

Schnaittacher Freibad muss zwei Tage schließen

Gerd Beinhölzl (links) ist wenig erfreut über das überraschend geschlossene Freibad auf der Sandplatte. – Am Sonntag herrschte Hochbetrieb im Freibad, das an die Kapazitätsgrenze stieß2015/07/103654_FreibadSchnaittachvollus_New_1436191864.jpg

SCHNAITTACH (mz/us) — Hochsommerwetter und das Schnaittacher Freibad hat geschlossen: Das hitzige Rekordwochenende mit knapp 4400 Besuchern hat den bestehenden Personalmangel verschärft. Zu viel Arbeit ist liegen geblieben und es fehlt aktuell ein Schwimmmeister. Nach einer zweitägigen Pause soll die Anlage am Mittwoch wieder öffnen.

Dauerkartenbesitzer Gerd Beinhölzl stand mit seinen Krücken Montagmittag vor der verschlossenen Eingangstür. Damit hatte er nicht gerechnet. Auf den ersten Hinweis am Tor „wegen techn. Defekt heute geschlossen“ reagierte er sehr ungehalten und geht. Im 30-Sekundentakt ging es zu diesem Zeitpunkt so: Überraschung, Kopfschütteln, Ärger. Kinder, die in Lauf zur Schule gehen, und wegen des Kunigundenfests frei hatten, machten enttäuscht wieder kehrt. Manche lasen auch die am Tor befestigte „aktuelle Information“ des Bürgermeisters: „Sowohl ein Rettungsschwimmer als auch ein Bademeister sind erkrankt. Eine kurzfristige Einstellung von Personal ist nicht möglich.“ Auf Nachfrage der PZ begründete der Rathauschef diesen Satz nicht mit der schlechten Kassenlage Schnaittachs, sondern damit, dass in der Freibad-Hochsaison praktisch keine Fachkräfte zu bekommen seien.

Das Problem ist, dass sich nur die beiden Schwimmmeister mit der Badtechnik auskennen. Nachdem aber einer seit anderthalb Wochen krank ist, wie Pitterlein erläutert, habe seine Stellvertreterin zuletzt so viel gearbeitet, dass „ich sie ab Montag arbeitsrechtlich nicht mehr einsetzen durfte“. Das gesamte Personal habe in dieser Saison schon viele Überstunden gesammelt. Irgendwann sei dann Schluss, meint der Bürgermeister. „Mitarbeiter durchgehend zu beschäftigen“, sei nicht erlaubt. Pitterlein, der als Rettungsassistent entsprechend ausgebildet ist, sprang am Sonntag sogar selbst ein und vertrat die Schwimmmeisterin dreieinhalb Stunden, „damit sie wenigstens mal Pause machen konnte“.

Das Problem besteht schon länger. Im Juni hatte das Bad bereits verkürzte Öffnungszeiten, weil ein Rettungsschwimmer gekündigt hatte. Wie berichtet, leistete die Wasserwacht zusätzlich zu ihren üblichen Dienstzeiten bereitwillig etliche Sonderschichten. Die Lage schien sich zu entspannen, als sich kurzfristig, zum Monatsanfang, ein neuer hauptamtlicher Rettungsschwimmer fand. Dann allerdings fiel vorübergehend der erste Schwimmmeister aus.

Dies löste, so heißt es auf der Information am Freibadtor, einen „unerwarteten und extremen Personalengpass“ aus. Wegen der Hitze und des starken Andrangs machte er sich jetzt bemerkbar. 2003 Besucher zählte die Gemeinde am Samstag und gar 2374 am Sonntag. So ein Ansturm fordere Schwimmmeister, Rettungsschwimmer und Wasserwacht noch einmal extra, erläutert Pitterlein. Diese Situation verlange „absolute Aufmerksamkeit“ und zugleich sei ab 1500 Besuchern die Technik des Bades ausgelastet. Mehr Vor- und Nachbereitungsarbeiten sind dann nötig, die Überstunden verursachen.

„Es ist nicht so, dass wir irgendwelche Grenzwerte nicht einhalten“, sagt Pitterlein gegenüber der PZ. Aber Routinearbeiten sind ständig nötig, zum Beispiel Chlorgasflaschenwechsel oder die Kontrolle des Filtergranulats, vom Aufräumen und sonstigen Pflegearbeiten gar nicht zu reden. „Dafür fehlt während der Öffnungszeiten an solchen Rekordtagen die Zeit.“ An Tagen, an denen eine verschärfte Aufsicht nötig ist, an denen mehr Kinder Pflaster brauchen und an denen, wie am Samstag, auch noch der Strom ausfällt und ein Elektriker organisiert werden muss. „Es sind keine dramatischen Dinge“, sagt Pitterlein, aber es summiert sich.

Er bittet um Fairness und Gelassenheit, denn die insgesamt acht Mitarbeiter arbeiteten grundsätzlich hochmotiviert. Dieser Appell und die Bitte um Verständnis, die am Freibad­tor nachzulesen sind, haben eine Vorgeschichte. Am Wochenende sei das Personal einige Male unschön „persönlich angegangen worden“, wenn es einmal nicht rund genug lief. Pitterlein bekam dies direkt mit. Er war beide Tage im Bad präsent und reagiert auf die unnötigen hitzigen Entgleisungen mit der Erinnerung, dass es „Schlimmeres im Leben gibt“.

Außerdem sei es doch verständlich, so Pitterlein, dass 50 Prozent Personalausfall nur eine gewisse Zeit abgefedert werden können. Die Pause jetzt sei ihm lieber als eine Schließung am Wochenende.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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