Caritas und Freistaat investieren in Schnaittach

Vier Millionen Euro für neues Förderzentrum

Die Schnaittacher Einrichtung wird von der Caritas betrieben, da darf der Bamberger Erzbischof natürlich nicht fehlen: Ludwig Schick weiht den Neubau des Förderzentrums (im Hintergrund) ein. Foto: Kohl2012/07/46838_schnaittachcaritaseinweihung_New_1341925867.jpg

SCHNAITTACH — Zwei Jahre Bauzeit, rund vier Millionen Euro Kosten: Der „Ersatzneubau“ für das Schulische Förderzentrum in Schnaittach, das früher Schule für Erziehungshilfe hieß, war kein einfaches Projekt. Mit einem Wortgottesdienst und der Segnung durch Erzbischof Ludwig Schick wurde nun die Fertigstellung gefeiert.

Der Caritasverband Nürnberg beschreibt das Bauwerk, das manche Sorgenfalte erzeugt hat, in nüchternen Worten und Zahlen: „In zweijähriger Bauzeit entstand ein lichtdurchflutetes, dreigeschossiges Schulgebäude mit Satteldach aus Edelstahlblech und Mauerwerk aus Kalksandstein, das sich gut in seine Umgebung einfügt.“ Für die etwa 130 Schüler aus den 13 Klassen der Jahrgangsstufen 1–9 stehen sieben neue Klassenräume sowie weitere Fach-, Vorbereitungs- und Verwaltungsräume zu Verfügung. Und weiter: „Die übrigen Klassen befinden sich in dem im Jahr 2000 errichteten Erweiterungsbau. Abgerundet wird das Ensemble aus Schloss, Wohnheim und Schule durch die neu gestaltete Außenanlage: Ein etwa tausend Quadratmeter großer Pausenhof soll dem Bewegungsdrang der Kinder und Jugendlichen Rechnung tragen.“

Bau-, Brandschutz- und sonstige sicherheitstechnische Mängel des vor 40 Jahren errichteten Altbaus hatten den Caritasverband als Träger veranlasst, die Schule zu modernisieren. Dabei stellte sich heraus, dass eine Generalsanierung bei gleichen Kosten kaum Vorteile gegenüber einem Neubau gebracht hätte. Der Freistaat Bayern finanzierte 3,5 der insgesamt rund vier Millionen Euro Gesamtkosten. Die Bauleitung hatte die kirchliche Joseph-Stiftung aus Bamberg.

Neue Räume helfen beim Lernen

„Da viele unserer Kinder starken häuslichen Stress mitbringen und darüber hinaus häufig in hohem Maße verhaltensauffällig sind, benötigen sie die passenden räumlichen Gegebenheiten, damit sie sich adäquat verhalten und in sozialverträglicher Weise kommunizieren können“, betont Einrichtungsleiter Willibald Neumeyer. „Wir freuen uns daher besonders, das darauf ausgerichtete Schulgebäude und den Pausenhof nach den Sommerferien in Betrieb nehmen zu können.“

Bei der Einweihung sprach Erzbischof Schick über den Wert einer Umgebung, die das fachliche und soziale Lernen fördert: „Jeder Mensch hat Talente, die ihm Gott gegeben hat und die für Gott wichtig sind. Man kann, soll und muss sie entwickeln. Als Christen sind wir verpflichtet, uns dabei gegenseitig zu helfen.“ Diese Aufgabe erfülle die Caritas-Einrichtung.

Neun Grußworte standen auf dem Programm der Feier; alle Redner lobten das Förderzentrum. Caritasdirektor Michael Schwarz sprach über die Geschichte des Schnaittacher Anwesens, die Entwicklung vom Mädchenheim zum Jugendhilfezentrum. Einrichtungsleiter Neumeyer zog eine unterm Strich positive Bilanz des Neubauprojekts und ging auf Äußerungen ein, dass angesichts der Forderung nach Inklusion solche Fördereinrichtungen zweifelhaft seien. Die jungen Menschen, die hier auf ihr Erwachsenen-Leben vorbereitet werden, hätten in Regelschulen wohl nur geringe Chancen, meinte er. Hier gehe es darum, individuelle Charaktere nach teils sehr schwierigen Kindheitserfahrungen auf einen guten Weg zu bringen.

Mitsprache der Jugendlichen

Die Jugendlichen seien in die Neubau-Planungen einbezogen. Schulleiter Eric Karheiding erzählte, wie bei dem Neubauprojekt so manche Hoffnung der Realität weichen musste – insgesamt sei das Haus aber ein großer Fortschritt.

In Gedichtform überbrachte Ministerialrat Erich Weigl vom Kultusministerium seine Glückwünsche. „Hier wird wahre Sonderpädagogik gelebt“, meinte er. Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Karin Knorr betonte, wie wichtig ein gutes Umfeld für die Entwicklung junger Menschen sei. Landrat Armin Kroder relativierte die Darstellungen, wie viel Geld der Bezirk für Soziales ausgebe, indem er erwähnte, woher das Geld kommt: von den Landkreisen, ihren Städten und Gemeinden. Über das neue Gebäude sagte er: „Es besticht durch eine klare Formensprache sowie schlichte Schönheit und Eleganz.“ Feine Worte für einen Zweckbau.

Der Landrat lobte, ebenso wie der Schnaittacher Bürgermeister, das deutliche Bekenntnis des Caritasverbands zu diesem Standort. Die Einrichtung bringe Arbeitsplätze und junges Leben in die Gemeinde, meinte Georg Brandmüller. Gelegentliche Probleme bleiben dem Rathauschef keineswegs verborgen – unterm Strich überwiege aber ganz deutlich das Positive.

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