Schnaittacher gehen auf Namenssuche

SCHNAITTACH — Einstimmig und ohne weitere Diskussionen hat der Schnaittacher Marktrat die Umbenennung des Martin-Schütz-Rings beschlossen. Die Recherchen zur Schnaittacher Tausendjahrfeier hatten ergeben, dass Schütz andernorts mit Schriften in einer Heimatzeitung den Judenhass schürte (wir berichteten). Die Bürger sollen bei der Suche nach einem neuen Straßennamen mit entscheiden. Auch ein Bericht zur Freibadsanierung, der Abschied von Sozialarbeiterin Eva Abele und zahlreiche weitere Punkte standen auf der umfangreichen Tagesordnung.

Bürgermeister Georg Brandmüller ging in der Sitzung nochmals kurz auf die Ergebnisse der Recherchen für die Schnaittacher Chronik ein. Die beauftragten Historiker können nachweisen, dass Martin Schütz im dritten Reich Verfasser einer von nationalsozialistischen Rassenidiologie durchtränkten Heimatzeitung war. 

Gegen eine Umbenennung spräche nur die Belastung der Anwohner erklärte der Bürgermeister. Eine Adressänderung ist für die Bewohner mit viel Arbeit und finanziellem Aufwand verbunden. Dennoch fühlte sich der Marktrat verpflichtet, die mit dem Straßennamen verbundene Ehrung des Heimatforschers Martin Schütz aufgrund der neuen Erkenntnisse unverzüglich aufzuheben. 

Welchen neuen Namen die Straße  bekommen soll, ist noch offen. Zunächst sollen die betroffenen Bürger über die Entscheidung informiert werden. Sie dürfen nun Vorschläge für die Namensgebung machen. In der nächsten Sitzung des Marktrates soll dann ein geeigneter Name gefunden werden. 

In einem gemeinsamen Antrag forderten CSU- und FW-Fraktion einen aktuellen Sachstandsbericht zur Sanierung des Freibades. Marktrat Merkel bemängelte, dass der Bürgermeister zwar bei Vereinsveranstaltungen und in der Öffentlichkeit – auch in Radiosendungen – über die Sanierung informiere, der Marktrat aber nur unzureichend unterrichtet würde. 

Der Rathauschef berichtete draufhin über die Fortführung der Baumaßnahmen. Die Mängel werden in Abstimmung mit den Mitarbeitern des TÜV Rheinland beseitigt. In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Bayerischen Prüfungsverband wird zudem der planerische Aspekt der Sanierung überprüft. Über Regress- und Schadenersatzansprüche könne erst nach Auswertung aller bisherigen Vorgänge entschieden werden. Alle Beteiligten gingen heute davon aus, dass das Freibad mit Beginn der kommenden Badesaison seine Pforten für Badegäste öffnet. 

Die Abwicklung laufender Verfahren der Dorferneuerung stellt den Markt vor Probleme. Die Entwicklung der Gemeindefinanzen und geringere Fördermittel des Amtes für ländliche Entwicklung führen dazu, dass die Verfahren in Osternohe und Germersberg für einige Jahre ausgesetzt werden. Da diese Entscheidung für einige Ortschaften sehr negative Auswirkungen hat, sieht die Mehrheit des Rates noch Beratungsbedarf und vertagte eine Entscheidung in die kommenden Sitzungen. 

Über ein Jahr lang war die Sozialpädagogin Eva Abele auf Stundenbasis beim Markt Schnaittach beschäftigt. Sie leitete den gemeindlichen Jugendtreff, gab den ehrenamtlichen Helfern Ratschläge und war für viele Jugendliche Ansprechpartnerin und Vertrauensperson. Nun lässt ihre Anstellung bei der Volkshochschule Unteres Pegnitztal ihr keine Zeit mehr für diese nebenamtliche Tätigkeit. Bürgermeister Brandmüller dankte Eva Abele für ihr großes Engagement für Schnaittacher Jugendliche, das sie stets, trotz ihrer begrenzten Zeit, gezeigt habe. Zur Verabschiedung fanden sich auch viele Jugendliche im Rathaus ein und veranstalteten anschließend eine kleine Abschiedsfeier für Eva Abele. 

Nicht einstimmig, jedoch mit überzeugender Mehrheit hat der Marktrat außerdem für die Herausnahme von Grundstücken aus dem Landschaftsschutzgebiet gestimmt. Die Flächen sollen dem umgebauten Edeka-Markt als Parkplatz dienen. Einige Markträte äußerten Bedenken, weil die Flächen im Überschwemmungsgebiet liegen und somit dem Hochwasserschutz dienen. 

Im weiteren Verlauf der Sitzung beschloss der Marktgemeinderat, dass die Markträte Merkel und Weber, die in die Projektgruppe „Sanierung der Grundschule Kirchröttenbach“ berufen wurden, für künftige Ausschusssitzungen das für politische Gremien übliche Sitzungsgeld erhalten. Die beiden Markträte hätten allerdings auch auf eine Entschädigung für diese ehrenamtliche Zusatzaufgabe verzichtet. 

Desweiteren wurde eine Anhebung des Kostenersatzes für Einsätze und andere Leistungen der gemeindlichen Feuerwehren beschlossen und der Marktrat trat dem Gemeinnützigen Verein der Freunde und Förderer der Staatlichen Berufsschule Nürnberger Land bei. 

Für die Einrichtung der gebundenen Ganztagesklasse an der Grundschule Schnaittach zum kommenden Schuljahr wurden außerplanmäßige Ausgaben für Baumaßnahmen und Küchenausstattung in Höhe von 18 000 Euro genehmigt. Die Mittagsbetreuung für die künftige Ganztagesklasse wird durch Personal der Johanniter organisiert. Diese Kooperation ist für den Markt günstiger, als eigenes Personal. Zudem beschäftigte sich der Rat mit dem Bedarf an Plätzen in den örtlichen Kindertagesstätten. 

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