Am Mittwoch endet Amtszeit von Bürgermeister Georg Brandmüller

Nah an den Schnaittachern

So könnte der Ruhestand aussehen für Georg Brandmüller, der am Weltfrauentag schon einmal probesaß. Müßiggang kommt für ihn aber nicht in Frage. Foto: Schuster2014/04/81223_GeorgBrandmuellerLiegestuhlus_New_1398773764.jpg

SCHNAITTACH — Es waren zweifellos keine rosigen Zeiten, die beiden Amtsperioden des Schnaittacher SPD-Bürgermeisters Georg Brandmüller, der am Mittwoch seinen letzten Arbeitstag hat. Beim Rückblick auf seine zwölf Jahre fällt vor allem die chronisch schlechte Finanzlage der Marktgemeinde ins Auge, an der auch die Freibad-Misere ihren Anteil hat. Doch trotzdem ist die Kommune mit ihren 33 Ortsteilen insgesamt vorangekommen, und zwar mit einem in der Bevölkerung sehr beliebten Rathauschef an der Spitze.

Es fällt schon auf, dass sich viele Schnaittacher in diesen Tagen mit einer Träne im Knopfloch von ihrem „Schorsch“ verabschieden – sei es die Mittelschule, die Feuerwehr und seien es Vereinsvertreter oder einfach Bürger. Wenn der 63-Jährige jetzt Dankbarkeit erfährt, dann ist das nicht nur Sympathie, sondern der Lohn seiner Grundhaltung: „Ich habe immer viel mit den Menschen gesprochen und gefragt, wo ich helfen kann.“

Dabei ging es weniger um Großprojekte, die der Bürgermeister für irgendjemanden durchgekämpft hätte, sondern zuallererst darum, den ersten Repräsentanten der Gemeinde greifbar zu haben, „als einer von uns“, und sich von ihm verstanden zu fühlen. Viele Anliegen fanden so den Weg in Marktrat und Verwaltung und gerieten so zu einer Entscheidungsgrundlage. Mit den Jahren kam allerhand Wünschenswertes und auch Widersprüchliches zusammen, das der sehr kollegiale Rathauschef zu gerne gleichzeitig und sofort erledigt hätte, wie Weggefährten gut wissen. Gelegentlich brach im Bürgermeisterzimmer schon mal Hektik aus.

Von den großen Dingen ist da noch nicht einmal die Rede. So gut Brandmüller die offenen Projekte kennt, so bewusst waren ihm stets die Grenzen des Machbaren. In seinen beiden ersten Haushaltsjahren als Bürgermeister, 2002 und 2003, habe er „schmerzhaft gespürt“, was es bedeutet, gar keinen Gestaltungsspielraum zu haben. Damals reichten die Einnahmen nicht, um die laufenden Kosten zu decken – „das prägt dich“, sagt er heute und ergänzt: „So macht Politik keinen Spaß.“ Ähnlich eng wurde es Jahre später noch einmal als Folge der Finanzkrise. Sein oberstes Ziel, die Kassenlage zumindest für seinen Nachfolger deutlich zu verbessern, habe er damit verfehlt, gibt sich Brandmüller offen selbstkritisch, was übrigens ein typischer Charakterzug des Ur-Schnaittachers ist, der seit Jahren im Ortsteil Großbellhofen lebt. Sich zu schonen, ist ihm so fern wie Eigenlob, bei Reden verwendet er nicht zufällig gerne das Wort „Ehrlichkeit“.

Mit offenen Karten

Eine ehrliche Politik dieser Lesart deckte sich nicht immer mit den Ideen aller Fraktionen, denen im Rathaus manches zu nett und zu wenig progressiv war. Im Großen und Ganzen aber herrschte – trotz Kritik – der Wille vor, schwierige Entscheidungen gemeinsam zu tragen. „Ich war immer bemüht um eine Mehrheit im Rat, ohne vorherige Absprachen“, sagt Brandmüller rückblickend. Aus diesem Spiel mit offenen Karten resultierte de facto eine Große Koalition aus SPD und CSU.

Aber von Gestaltungsmehrheit konnte dabei nie wirklich die Rede sein, zu sehr waren Schnaittach die Hände gebunden durch die ständige Finanznot und durch Pflichtaufgaben. In die Brandmüller-Zeit fallen dennoch unter anderem die umfangreiche Kanalsanierung, die Marktplatzmodernisierung, Teile der Dorferneuerung Kirchröttenbach und Germersberg, um nur Beispiele zu nennen. Auch die prächtige Tausendjahrfeier fand in seinen Bürgermeisterjahren statt.

„Breitere Basis wäre besser“

Als sich Schnaittach dann doch einmal über die Pflicht hinaus etwas gönnte, ging es gründlich schief. Gemeint ist das Freibadtrauerspiel mit Baupfusch und verdoppelten Kosten. „Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, wir hätten ausführlicher diskutiert, ob wir ein Naturbad oder ein konventionelles Bad wollen. Dann hätten wir eine andere Entscheidungsgrundlage gehabt, ganz unabhängig davon, wie wir dann entschieden hätten“, sagt Brandmüller heute. Ursprünglich hatte er die Naturbadvariante favorisiert, sich aber dem Mehrheitswillen gebeugt.

Vielleicht sagt er auch deshalb jetzt, dass er zum Abschied keineswegs wehmütig ist. Am Mittwochabend wird er als letzte Amtshandlung die neue Ausstellung im Heimatmuseum mit eröffnen. Es sei jetzt einfach genug: Er habe vor allem deshalb auf eine weitere Kandidatur verzichtet, weil er sich im Knochenjob Bürgermeister nicht mehr so belastbar fühlte wie früher.

Müßiggang sehnt Brandmüller aber nicht herbei. Obwohl er die freie Zeit schon auch genießen will, zum Beispiel beim Radfahren oder Spazierengehen in der Natur. Schön fände er es, ein passendes Ehrenamt zu finden, zum Beispiel in der Mittelschule. Außerdem gehört der überzeugte Sozialdemokrat dem neuen Marktgemeinderat an – dann unter seinem Bürgermeisternachfolger Frank Pitterlein (CSU).

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