Ehrenpreis für Schnaittacher Frisörsalon

Job-Chance trotz Krebsdiagnose

Heidi Bender (2. v. l. ) erhält den Ehrenpreis der bayerischen Behindertenbeauftragten Irmgard Badura (Mitte). Die Frisörmeisterin hat Nina Scheuring (2. v. r. ) vor vier Jahren eine Ausbildung in ihrem Salon ermöglicht, obwohl die junge Frau damals an Krebs erkrankt war. Foto: Privat2013/11/72994_PreisJobErfolgSalonHeidiSchnaitt_New_1384274467.jpg

SCHNAITTACH — Heidi Bender, Frisörmeisterin aus Schnaittach, hat einer krebskranken jungen Frau die Chance gegeben, in ihrem Salon eine Ausbildung zu machen. Für ihr Engagement wird sie am 3. Dezember mit dem Ehrenpreis „JobErfolg 2013“ der Bayerischen Behindertenbeauftragten ausgezeichnet – als eines von nur drei Unternehmen im Freistaat.

Nina Scheuring war gerade elf Jahre alt, als die Ärzte bei ihr das erste Mal Lymphdrüsenkrebs diagnostizierten. Es folgten Operationen, Bestrahlungen, Chemotherapie, doch die Krankheit kehrte zurück. Immer wieder fehlte das Mädchen deshalb in der Schule, trotzdem schaffte sie ihren Hauptschulabschluss. Aber die Freude währte nur kurz, denn als sie begann, sich um eine Lehrstelle zu bewerben, stieß sie auf Ablehnung. „Die Arbeitgeber haben mich auf meine Lücken im Lebenslauf angesprochen, da musste ich natürlich sagen, dass ich Krebs habe“, erzählt die heute 20-Jährige. „Brutal“ habe sich das angefühlt, erinnert sie sich. Dabei wollte sie so gern Friseurin werden, wie ihr Opa und ihre Tante.

Ihre Chance bekam Nina Scheuring schließlich im Salon von Heidi Bender. Zunächst absolvierte sie ein sogenanntes „Einstiegsqualifizierungsjahr“, eine Art Praktikum. „So konnten beide Seiten herausfinden, ob es klappt“, sagt die Schnaittacher Frisörmeisterin. Sie war durch ihre eigene Krebserkrankung im Jahr 2006 für das Thema sensibilisiert, „und ich wollte Nina zumindest die Sorge über ihre berufliche Zukunft nehmen“, sagt sie. Angst, die junge Frau könnte zu oft ausfallen, hatte Heidi Bender nicht. „Andere können ja auch krank werden. Wenn man allein an die ganzen Rückenleiden denkt …“ Eine rechtliche Verpflichtung, eine Mitarbeiterin mit Einschränkungen einzustellen, hatte Heidi Bender nicht, denn dazu ist ihr Salon mit insgesamt vier Angestellten zu klein.

2010 begann Nina Scheuring dann offiziell ihre Ausbildung, gleich zu Beginn musste sie ein weiteres Mal operiert werden, fehlte in der Berufsschule. Als Folge der OP konnte sie ihr linkes Auge zeitweise nicht schließen, die Ärzte mussten ein Gewicht implantieren. Zurzeit ist die Hüttenbacherin aber weitgehend beschwerdefrei, geht zweimal jährlich zur Blutkontrolle … und wurde von Heidi Bender inzwischen als Gesellin fest übernommen. „Mir macht der Beruf nach wie vor Spaß“, sagt sie.

Grund zur Freude hat auch Heidi Bender – nicht nur, weil sie in Nina Scheuring eine zuverlässige Mitarbeiterin hat, sondern außerdem, weil sie am 3. Dezember mit dem Ehrenpreis „JobErfolg 2013“ der bayerischen Behindertenbeauftragten Irmgard Badura ausgezeichnet wird. Dieser wird an Unternehmen oder Kommunen verliehen, die sich in besonderer Weise für die Belange Behinderter einsetzen. Neben dem „Salon Heidi“ bekommen in diesem Jahr nur noch ein Unternehmen im niederbayerischen Schönberg sowie der Markt Hirschaid die Auszeichnung, die allerdings nicht mit einem Geldpreis verbunden ist.

„Wir sind völlig überrascht worden“, sagt Bender, die beiden Berufsschullehrerinnen Steffi Daubel und Sandra Ertz hatten den Salon vorgeschlagen. Vor kurzem überbrachte Irmgard Badura selbst im Salon in der Festungsstraße die gute Nachricht.

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