Schnaittacher Freibad

Gemeinde und Planer noch im selben Boot?

Da waren sie noch guter Dinge: Ingenieur Harald Güthler und stellvertretende Bürgermeisterin Karin Müller beim Beginn des pannenreichen zweiten Abschnitts der Schnaittacher Freibadsanierung. Foto: PZ-Archiv/Scholz2012/08/49781_FreibadSchnaittachBaubeginn2009GuethlerMueller_New_1346431564.jpg

SCHNAITTACH — Die Schnaittacher Bauausschusssitzung mit dem Planer und Bauleiter der Freibadsanierung war ein weiterer negativer Höhepunkt der pannenreichen Endlosgeschichte. Auch wenn er sich damit sehr schwertat, Harald Güthler gab letztlich zu, dass das seit der Saisoneröffnung gesperrte Nichtschwimmerbecken längst offen sein könnte, wäre er früher vor Ort gewesen, wie es Rathaus und Gemeinderat längst von ihm verlangt hatten. Jetzt machte er drei Reparaturvorschläge, die zwischen 63 250 und 598 000 Euro kosten würden.

Entscheidend ist vor allem eine Information: Die zu schwache Wasseraufbereitungsanlage kann laut Güthler recht einfach funktionstüchtig gemacht werden mit einer zusätzlichen dritten Pumpe. Für Erstaunen sorgte der Nachsatz des Ingenieurs: „Ich frage mich, warum die Pumpe nicht schon im vergangenen Jahr angeschlossen wurde“, sagte er und wurde immer rätselhafter: Auf die Gründe wolle er nicht eingehen.

Auf diese Worte konnte sich offensichtlich niemand im Sitzungssaal einen Reim machen. Zumindest nicht die Markträte, die sich erst eine Weile sammeln mussten, ehe zuerst Werner Raum (FW) und dann massiv Georg Sperber (SPD) eingriffen: „Sie tun so, als hätte hier jeder gewusst, dass eine dritte Pumpe nötig wäre, aber nicht angeschlossen wurde“, stellte Raum fest. Niemand im Marktrat habe aber je etwas davon gehört.

„Menschliche Probleme“

Stattdessen hat jedes Gremiumsmitglied seit einem Vierteljahr massive Erklärungsnöte gegenüber der Bevölkerung, warum Kinder und Jugendliche nicht ins kleine Becken können; vom Imageschaden gar nicht zu sprechen. Erst als Sperber nicht nachgab, rang sich Güthler zu einer Erklärung durch: „Es gab menschliche Probleme zwischen meinem Bauleiter, dem Bauamtsmitarbeiter und dem Schwimmmeister – da hat irgendwie die Kommunikation nicht geklappt.“ Im Herbst hätte die Entscheidung für eine dritte Pumpe kommen müssen, sagte er mit Bestimmtheit, und „genau da ist der Konflikt aufgetreten“.

Laut Ludwig Rümpelein vom Bauamt hat der inzwischen pensionierte Gerhard Bunk, der fürs Freibad zuständig war, Güthler noch 2011 mehrmals schriftlich aufgefordert, etwas zu unternehmen, und auch Fristen gesetzt.

Nach PZ-Informationen drängte das Bauamt massiv, worauf das Ingenieurbüro verschnupft reagiert haben soll. Bürgermeister Georg Brandmüller sei dann als Vermittler aufgetreten. Was nichts daran änderte, dass monatelang Funkstille herrschte und Güthler erst im August wieder vor Ort war, beim Färbetest.

Nach dieser Vorgeschichte klingt es höchst seltsam, wenn Bauleiter Güthler jetzt noch ungerührt sagt, dass das Problem schon vor dem Saisonstart im Mai hätte gelöst werden können. Ebenfalls nach PZ-Informationen hat auch Bunk nicht gewusst, dass eine dritte Pumpe nötig wäre, er wusste aber, dass der Ingenieur nachbessern musste. Wenn sich jetzt also alle Fraktionen heftig über den mangelhaften Informationsfluss beklagen, dann kann die Kritik nur Güthler gelten.

Der gab – auf Sperbers Druck – schließlich zu, sich zu sehr auf seinen Mitarbeiter verlassen zu haben und sich selbst zu spät eingeklinkt zu haben („diesen Vorwurf mache ich mir“).

Im Übrigen sei sein Mitarbeiter, der das Büro inzwischen verlassen hat, aber sehr kompetent gewesen, er hätte auch heute noch sein Vertrauen, meinte er, ohne diesen Widerspruch weiter aufzuklären.
Güthler stellte den Markträten aber noch eine weitere knackige Aufgabe: „Sie wollen eine möglichst sparsame Lösung“, sagte er und fragte: Will Schnaittach weiterhin ein funktionierendes Bad im Grenzbereich, oder soll es jetzt nach DIN-Normen gehen? Entsprechend machte er drei Vorschläge:

der weiterhin gemeinsame Betrieb von Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken mit einer zusätzlichen, dritten Pumpe für 63 250 Euro
getrennte Wasserkreisläufe (Leerrohre liegen bereits), zusätzliche Filter und Schwallwasserbehälter für 488 750 Euro und
nach DIN-Norm für 598 000 Euro.

Güthler meint, die Norm müsse nicht unbedingt eingehalten werden, denn sie orientiere sich an einer maximalen Auslastung. Der Ingenieur hält es aber für sinnvoller, weil sparsamer, sich an den tatsächlichen Besucherzahlen von im Schnitt 440 pro Tag zu orientieren – wie schon bei der Ursprungsplanung, der die Markträte seinerzeit auch zugestimmt haben.

Was bedeutet es, wenn sich Schnaittach nun für eine nicht normgerechte Technik nach Güthlers Vorschlägen entscheidet? Eine dritte Pumpe würde mehr Druck auf die Filter erzeugen, das heißt, das Wasser fließt schneller durch, die Reinigungsleistung sinkt. Etwa 40 Kubikmeter in der Stunde würden erreicht, die empfohlene Norm in Deutschland liegt bei 30. „In Österreich aber bei 40“, sagte Güthler, „es ist eine Ermessenssache.“ Es gebe durchaus Experten, die dies nicht für ausreichend halten. „Ich sage, es funktioniert, aber es müssen alle mit im Boot sitzen und in die gleiche Richtung rudern.“

Karin Müller (CSU), die die Sitzung leitete, fragte noch einmal: „Können Sie garantieren, dass die dritte Pumpe die Probleme behebt?“ Güthler: „So ist es.“ Wenn die Durchströmung in beiden Becken passe, dann sei auch das Gesundheitsamt bereit, diesen Weg mitzugehen, schätzt er. 

Ulrich Weber von der SPD, die anfangs von lediglich 10 000 Euro für eine weitere Pumpe ausgegangen war, bat Güthler, noch zu prüfen, ob es nicht günstiger sei, statt einer weiteren Pumpe lieber die vorhandenen älteren durch zwei stärkere zu ersetzen. Ob Güthler einen weiteren Auftrag der Gemeinde erhält, blieb in der Sitzung offen.

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N-Land Michael Scholz
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