Staatsforsten lichtet Rothenberg-Wald aus

Festung ist bald wieder in Sicht

Die Zeichnung aus August Wörlers Buch „Veste und Festung Rothenberg“ zeigt die kahlen Hänge 1838.2013/10/71462_gasthausrothenberg_New_1383066664.jpg

SCHNAITTACH — Viele Jahre schon beschweren sich die Schnaittacher, dass sie ihr Wahrzeichen, die Festung auf dem Rothenberg, kaum noch sehen können. Die mit Millionenaufwand vom Freistaat sanierten Barockmauern versinken mehr und mehr im Wald. Seit kurzem sammelt die für den neuen Marktrat kandidierende „Bunte Liste“ Unterschriften für eine Petition: Die zuständige Bayerische Staatsforsten müsse den freien Blick wieder herstellen. Für das Rathaus und die politische Konkurrenz ist das Wahlkampf in Reinkultur, denn das Baumfällen ist längst beschlossene Sache.

„Ja, der Wald wird durchlichtet im Bereich um die Burg herum“, bestätigt Bernhard Schönmüller, der zuständige Fortsbetriebsleiter der Staatsforsten, des staatlichen Waldbewirtschaftungsunternehmens, das die meisten der betreffenden Flächen am Rothenberg pflegt. Wie die PZ im Frühjahr bereits berichtete, sind die Bäume, die fallen sollen, längst markiert. „Wir wollten eigentlich schon Anfang Oktober starten“, erläutert der Forstmann, aber der durchweichte Boden habe das Ganze verzögert. Das beauftragte Unternehmen stehe bereits auf Abruf bereit.

Diese Auskunft wirkt etwas verwirrend angesichts der Initiative der „Bunten Liste“, die auf dem Schnaittacher Herbstmarkt 402 und online (http://chn.ge/1aEAzK5) bis gestern noch einmal 174 Unterschriften gesammelt hat. Eigentlich bräuchte eine Petition, mit der sich der Landtag befassen soll, keine weiteren Unterstützer als den Antragsteller (hier: Thomas Winter). Aber eines verdeutlicht die Zahl sicherlich: Die Forderung und die damit formulierte Ungeduld sind populär im Ort.

Ein Gespräch mit der zweiten Bürgermeisterin Karin Müller (CSU), die sich unter anderem auch bei der Sendung „Jetzt red i“ für den freien Blick auf die Festung einsetzte, hilft bei der Verständnissuche etwas weiter: „Das ist einfach nur populistisch“, sagt sie. Die Gemeinde sei seit Jahren dran an dem schwierigen Thema und demnächst sei das Ziel erreicht; was bedeutet: Der Wald wird tatsächlich zurückgestutzt. Müller ärgert die Petition, denn: „Wenn die Arbeiter jetzt anfangen, dann heißt es, das ist auf Druck der ,Bunten Liste‘ geschehen. Das stimmt aber nicht.“

In Wahrheit sei es so, dass sich die Verhandlungen von ihr und auch vom ersten Bürgermeister sowie dem Heimatverein „ein bisschen hingezogen haben“, weil alle stets von einer Rodung ausgegangen sind. Ein Kahlschlag im oberen Bereich hätte aber unlösbare Probleme aufgeworfen, wie sich in vielen Gesprächen gezeigt habe: angefangen beim laut Experten gefährdeten Fledermausschutz über die Zufahrt schwerer Geräte und den Abtransport der Stämme bis hin zum frühzeitigen Fällen noch nicht ausgewachsener Bäume, was die Staatsforsten als inakzeptablen „Vermögensverlust“ betrachtet.

Letztlich kamen Marktgemeinde und das Unternehmen überein, den Wald stärker auszulichten. Sobald die ausgewählten Buchen, Eschen, Ahorne und Nadelbäume herausgenommen sind und das Laub im Sommer wieder nachgewachsen ist, wollen sich beide Seiten das Ergebnis ansehen. Passt es nicht, soll sofort noch einmal nachgebessert werden. Danach würde die Staatsforsten „alle fünf bis zehn Jahre“ lichten, antwortet Schönmüller auf Nachfrage.

Thomas Winter und Karin Dob­bert von der „Bunten Liste“ sind damit nicht zufrieden und sehen sich bestärkt in ihrer Petition. „Die Schnaittacher wollen ihre Festung vom Ort aus sehen“, sagen sie, da dürfe man nicht wieder fünf Jahre warten, bis erneut die Sicht versperrt ist. Eine Durchforstung alle drei bis vier Jahre sei das Mindeste.

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