Keine Angst vor Ansturm

Wohin zum Schlittenfahren?

Zwar schaut an manchen Stellen das Gras durch, trotzdem lässt es sich auf dem Hang im Betzensteiner Ortsteil Spies sehr gut Schlittenfahren. | Foto: Pakanecz2021/01/schlittenfahren-spies-foto-pacanec.jpg

Nürnberger  Land. Die Hänge am Rothenberg und am Hohenstein haben eine dünne, aber geschlossene Schneedecke, auch an anderen Orten im Landkreis ist die Landschaft überzuckert, am Wochenende soll es frostig bleiben. Also nichts wie raus zum Rodeln mit den Kindern? Oder sind die Pisten gesperrt, angesichts der Bilder vom Ansturm der Wintersportler im Sauerland oder im Harz?

Der Skilift am Osternoher Schlossberg steht still, Betreiber Werner Raum hat diese Woche auf dem oberen Parkplatz, der nicht geräumt wird, trotzdem an manchen Tagen 30 bis 40 Autos gezählt. „Da waren aber viele Wanderer dabei“, relativiert er. Auf den umliegenden Hängen gebe es genug Möglichkeiten zum Schlittenfahren, „das verteilt sich relativ gut“. Er rechnet auch am Wochenende nicht mit einem Ansturm wie im Sauerland. Sperren dürfte Raum den Skihang sowieso nicht. „Die Wiesen sind im Privatbesitz, ich bin nur der Pächter.“

Allerdings verzichtet er bewusst darauf, den Kiosk zu öffnen. „Ich will keinen Hotspot schaffen.“ Auch der Skilift wird in diesem Winter wohl nicht mehr laufen, selbst wenn der Lockdown im Februar beendet würde. „Der Aufwand lohnt sich dann nicht mehr. Wir müssten ja mindestens eine Woche lang beschneien und bräuchten dazu deutliche Minustemperaturen, wenn es nicht genug Naturschnee gibt“, erklärt Raum. Traurig ist er darüber schon ein bisschen, schließlich habe man beim Skifahren an der frischen Luft genug Abstand. Immerhin gibt es Überlegungen, die Langlaufloipe zu spuren.

Ein paar Kilometer weiter, am Rothenberg, wurden gestern schon einige Kinder beim Schlittenfahren gesichtet. Ob am Wochenende der große Run kommt? „Wir haben keinen Liftbetrieb, also sind wir als Verein nicht in der Verantwortung“, sagt Jürgen „Chicken“ Hähnlein vom Skiclub Rothenberg. Notfalls müsste die Polizei eingreifen und etwa die Zufahrt regeln, meint Bürgermeister Frank Pitterlein, „ich gehe aber fest davon aus, dass wir das nicht brauchen“. Er glaubt, dass die Eltern genug Eigenverantwortung haben, um auf Abstände zu achten. Außerdem gebe es ja nicht nur den Rothen- und den Schlossberg, sondern rund um die Marktgemeinde und im Landkreis genügend kleinere Hügel, auf die man ausweichen könne.

Dazu gehört zum Beispiel der Hang im Leinburger Ortsteil Entenberg, wo der Lift heuer wegen Corona erst gar nicht aufgebaut wurde. Schlittenfahren ist aber möglich, vor allem im oberen Teil ist die Schneelage gut.

Aufgrund des Andrangs hat dagegen Familie Eckert, die den Hohensteiner Hof und die lokale Skipiste betreibt, letzten Sonntag eingreifen müssen. Trotz des Verzichts auf Werbung seien sehr viele Rodler und Skifahrer angereist. Aus diesem Grund habe Thomas Eckert die Piste eigenständig räumen müssen. „Selbstverständlich war alles mit der Polizei abgesprochen“, erklärt er. Diese sei dank der Einsichtigkeit aller Besucher jedoch nicht ausgerückt. Außerdem habe er auch noch Warnschilder am Hang aufgestellt, um die Besucherzahlen in Zukunft etwas einzudämmen. „Am Ende war aber alles halb so wild“, ergänzt Thomas Eckert.

S. Buchner-Freiberger/J. Gurguta

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