Neuer Hochbehälter kostete 1,5 Millionen Euro

Trinkwasser marsch in Rückersdorf

RÜCKERSDORF — Auf dem Rückersdorfer Hausberg, der Ludwigshöhe, ist für 1,52 Millionen Euro ein Bauwerk entstanden, das so unscheinbar wie unverzichtbar ist: eine neue Trinkwasser-Hochbehälteranlage. Auf den ersten Blick ein schlichter, bepflanzter Erdhügel neben dem Berggasthof. Auf den zweiten Blick ein hochmoderner Speicher für das kostbare Nass, das jeder braucht, der in Rückersdorf lebt oder arbeitet. Zur offiziellen Einweihung durfte nun jeder die Anlage besichtigen, die sonst für Besucher tabu ist.

Keine Sorge: Niemand konnte den Rückersdorfern beim „Tag der offenen Tür“ in ihr Trinkwasser spucken oder im Hochbehälter sonstigen Unfug treiben. Das hochwertige Nass, das von hier zu sämtlichen Haushalten und Betrieben im Gemeindegebiet strömt, ist gut abgeschirmt. Die Besucher sahen es von den Kontrollgängen aus durch Fenster. Vier riesige Behälter aus Spezialbeton hat die Anlage. Jeder fasst 500 Kubikmeter Wasser, das im Pegnitzgrund aus Tiefbrunnen gefördert, gefiltert und auf die Ludwigshöhe gepumpt wird. Von dort fließt es zu den Verbrauchern.

Das Rückersdorfer Trinkwasser ist viele Jahrtausende alt und gilt als sehr hochwertig. Die neue Anlage, die zwei sanierungsbedürftige Hochbehälter aus den 1930er und 1960er Jahren ersetzt, soll die hohe Versorgungsqualität sichern. Ihr Speichervolumen ist um 700 Kubikmeter größer als vorher – das gibt Reserven für ein Wachstum der Gemeinde und sichert den Löschwasserbedarf. Als der Gemeinderat vor rund drei Jahren zwischen der aufwendigen Sanierung der alten Behälter und einem kompletten Neubau entscheiden musste, biss er in den zunächst säuerlichen Apfel: Totalerneuerung in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Schritten, mit anderthalb Millionen Euro Kreditaufnahme. Und das für ein Bauwerk, von dem man äußerlich so gut wie nichts sieht.

Mittlerweile ist die Anlage komplett in Betrieb. Beim Tag der offenen Tür konnten die Bürger sehen, was hier für so viel Geld entstanden ist. Zuvor hatte Bürgermeister Manfred Hofmann bei der Einweihungsfeier vor geladenen Gästen anschaulich geschildert, dass dieses Bauwerk allen dient, die in Rückersdorf leben. „Wenn es die erwartete Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren erreicht, dann ist das Geld für die nächsten Generationen gut angelegt“, meinte er und nannte einige Zahlen des Bauprojektes: 3800 Kubikmeter Erdarbeiten, 230 Kubikmeter Abbruchraum, 970 Kubikmeter Beton, 140 Tonnen Stahl.

Bei dem Festakt, an dem auch die Rückersdorfer Altbürgermeister Peter Wiesner und Werner Pleyer teilnahmen, erklärte Diplomingenieur Stephan Endres vom Ingenieurbüro Miller die wichtigsten Aufgaben der Anlage: Sicherstellung der im Gemeindegebiet benötigten Wassermengen sowie des Wasserdrucks im rund 30 Kilometer langen Versorgungsnetz. Eine besondere Herausforderung – vor allem für die Betonbauer – war die Vermeidung von „Strömungstotzonen“, also Nischen, in denen sich das Wasser kaum bewegt und verkeimen könnte. Also haben die Behälter eine ausgeklügelte Strömungs-Technik und „runde Ecken“.

Conny Trinkl, stellvertretende Landrätin, beglückwünschte die Gemeinde zu ihrer Entscheidung, hier in die Zukunft zu investieren. Pfarrer Volker Klemm und Geistlicher Rat Gerhard Schwarzmann nahmen gemeinsam die Segnung der Anlage vor. „BlackBlazer“, ein Blechbläserquintett der Hochschule für Musik aus Nürnberg, umrahmte den Festakt musikalisch mit Auszügen aus Händels „Wassermusik“.

Und dann passierte es: Projekt-Verantwortliche ließen vor den Festgästen Nass vom neuen Hochbehälter in Gläser strömen. Oh Wunder, da floss auch Wein! Ein kleiner Hochbehälter über dem Trinkwasser-Reservoir lieferte Rosato Vino, roten Frizzante. Warnung an alle, die hier ein lohnendes Einbruchsziel sehen: Das Gelände ist gut gesichert – und der Weinbehälter längst wieder weg.

N-Land Thomas Kohl
Thomas Kohl