Kein Kreuz fürs Museum

Der Rückersdorfer Schreinermeister Christian Alt vor dem noch unbemalten „Arma-Kreuz“, das er eigentlich für das Rückersdorfer Heimatmuseum gebaut hatte. Weil die Museumsleitung das Projekt ganz offensichtlich nicht mit der Gemeinde abgesprochen hatte, lehnte es der Gemeinderat nun ab. Foto: Kohl2012/04/x4398.jpg

RÜCKERSDORF (ko) — Die für diesen Sonntag geplante Einsegnung eines sogenannten „Longinus-Kreuzes“ (Flurkreuz mit Dächchen) im Rückersdorfer Heimatmuseum fällt aus. Der Gemeinderat hat kurzfristig in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, dass dieses für unser Gebiet untypische Kruzifix nicht im gemeindeeigenen Museum angebracht wird.

Der Beschluss gegen das Kreuz war mit nur einer Gegenstimme gefasst worden. Dabei, so Bürgermeister Peter Wiesner später, sei im Rat die künstlerisch wertvolle Handwerksarbeit des jungen Rückersdorfer Schreinermeisters Christian Alt durchaus gewürdigt worden. Dieser hatte rund 200 Arbeitsstunden in die aufwändige Konstruktion aus reinem Eichenholz gesteckt, die er dem Museum spenden wollte.

Der Christus-Korpus selbst kommt aus dem Bestand des Museums, Christian Alt hat ihn in vielen Stunden renoviert. Der Schreiner war außerdem davon ausgegangen, dass die Aufstellung des viereinhalb Meter hohen Kreuzes an der Museumswand im Innenhof mit den Gemeindeverantwortlichen abgesprochen ist.

Sie war es aber offenbar nicht, wie sich jetzt herausstellte und nun für Ärger sorgt. Gemeinderat und Bürgermeister fanden wohl nicht nur das Kreuz fürs Museum unpassend. Ihnen missfiel ganz offensichtlich auch, dass sie über das Vorhaben des ehrenamtlichen Museumsleiters Georg Berger überhaupt nicht informiert waren, sondern sie mit der Einladung zur Einsegnung quasi vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollten. Das wollten die Rückersdorfer Räte so nicht mitmachen und lehnten das Museumskreuz ab.

Longinus-Kreuze oder Arma-Christi-Kreuze, wenn wie hier die Figur des berittenen römischen Soldaten Longinus fehlt, der Christus mit einer Lanze durchbohrt, sind Marterl, auf denen die Kreuzigung Jesu anhand von Marterwerkzeugen dargestellt wird. Verbreitet sind diese Kruzifixe vor allem im Schwarzwald und in der Oberpfalz.

Was jetzt mit dem Rückersdorfer Kunstwerk geschieht, ist noch offen. Es gibt nur verschiedene Anregungen aus der Bevölkerung, wo es aufgestellt werden könnte: etwa am Waldweiher nahe dem Steinbruchweg oder auf der Waldlichtung beim Zellerbrünnlein.

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